„Wir brauchen eine neue Diskussion über Werte”

„Wir brauchen eine neue Diskussion über Werte”

Kreis Heinsberg. Sehr viel eindeutiger hätte der Konsens bei der Wahl des Superintendenten nicht sein können: 74 von 82 Stimmen vereinte Klaus Eberl auf seine Person und tritt mit diesem Vertrauensbeweis der Synode des Kirchenkreises Jülich seine zweite vierjährige Amtszeit an.

Einen Gegenkandidaten gab es nicht. Neu im Kreissynodalvorstand ist Susanne Bronner, Pfarrerin in Ratheim und Gerderath, als zweite Stellvertreterin des Superintendenten. Weniger Einigkeit herrschte unter den Mitgliedern der am Samstag im Gemeindezentrum der evangelischen Kirche Wegberg tagenden Kreissynode in einem anderen Punkt.

Verabschiedet werden sollte die Resolution der Initiative „Sozialer Aufbruch” der Sozialverbände in Nordrhein-Westfalen, doch dazu kam es nicht. Nach Ansicht einer Mehrheit sei das Papier, dessen Verfasser den Niedergang des Sozialstaates befürchten und eine bessere soziale Absicherung fordern, zu scharf formuliert, so Pressesprecherin Frauke Meier. Unter anderem heißt es dort: „Der Staat gibt sich auf.”

Begrüßt wurde allerdings das Ziel der Plattform, möglichst viele Gruppen der Gesellschaft in die Lage zu versetzen, bei der Verständigung über einen neuen Gesellschaftsvertrag mitzusprechen. Es gehe darum, die Menschen sprachfähig zu machen, erläuterte Assessor Jens Sannig zur Aktion „Sozialer Aufbruch”. Und weiter: „Wir brauchen eine neue Diskussion über die Werte, die unsere Gesellschaft ausmacht.” Verabschiede sich der Staat vom Bestreben nach sozialer Gerechtigkeit, bedeute dies eine Kapitulation vor dem Ökonomismus, der nur nach Kosten und Nutzen rechne.

In einer Stellungnahme hält die Kreissynode fest, dass sie die genannten Sorgen um die sozialpolitischen Umgestaltungsprozesse teilt. Darüber hinaus fordert sie die Gemeinden auf, sich in die gesellschaftspolitischen Diskussionen und Veränderungsprozesse einzumischen.

In seinem Vortrag „Das Soziale neu denken” betrachtete Superintendent Eberl die Lösungsversuche der sozialen Krise, wie die Agenda 2010, kritisch: „Dies sind problematische Rezepte.” Nicht Arbeitslosigkeit, sondern Arbeit müsse finanziert werden. Frühverrentungen seien keine Lösung, sondern verlagerten das Problem auf die Allgemeinheit.

Steuersenkungen würden den Reichen helfen, nicht den Armen. Zur Positionierung der eigenen Kirche sagte Eberl: „Die Evangelische Kirche in Deutschland rückt inzwischen das Glaubensthema in den Vordergrund und trennt sich von Sozialwissenschaftlichen Einrichtungen, Akademien und Instituten und bricht den Diskurs mit den Gewerkschaften und den Arbeitgebern damit ab.”

Solidarisch erklärte sich der Kirchenkreis Jülich mit 550 Menschen in Alsdorf, die zum Jahresende ihren Arbeitsplatz bei „Renesas”, einem Unternehmen der Mitsubishi-Gruppe, verlieren werden. Vor zehn Jahren habe „Renesas” zum Aufbau des Standortes Steuergelder in Höhe von 60 Millionen Euro erhalten.

Jetzt, nach Ablauf der Bindungsfrist für öffentliche Gelder, streiche das Unternehmen Steuergelder wie Unternehmensgewinne ein und verlasse das „abgegraste” Gelände - dies sei ein unerträglicher Vorgang. Auf Initiative der Evangelischen Gemeinde Düren sicherte die Synode ebenfalls praktische Hilfen für die betroffenen Arbeitnehmer zu.