Wie läufts im Europa-Parlament?

Wie läufts im Europa-Parlament?

Heinsberg (an-o) - Wie funktioniert eigentlich das Europaparlament? Wie werden in der EU denn eigentlich Gesetze gemacht? Dies fragten sich sechs Schüler des Kreisgymnasiums Heinsberg und fuhren zu einer dreitägigen Simulation des Europaparlaments, dem Model European Parliament (MEP) in Kerkrade.

Zu dieser Parlamentssimulation kamen rund 250 Schüler aus ganz Deutschland und von internationalen und amerikanischen Schulen nach Kerkrade. Das Hauptziel dieser Veranstaltung ist es, den Schülern die Arbeitsweisen der EU-Organe näher zu bringen und auf diese Weise ein besseres Verständnis für die Entscheidungsfindungsprozesse innerhalb der EU zu erreichen. Bereits einige Wochen vor dem eigentlichen Parlamentswochenende trafen sich 20 Schüler, die die Rolle der Kommissare in der Europäischen Kommission übernommen hatten, zu einem vorbereitenden Treffen und arbeiteten Direktiven zu aktuellen politischen Themen aus, die dann den jeweils zuständigen Komitees zur weiteren Beratung zugeleitet wurden.

Debatten im Komitee

So debattierten dann die Heinsberger Schüler in ihren jeweiligen Komitees über Themen wie Außenpolitik, Umweltschutz, Menschenrechte, Arbeitslosigkeit, Bildung und Verbraucherschutz - und dies alles in englischer Sprache. Hierzu meinten die Komitee-Mitglieder Elena Fronk, Edna Rödig und Tjorven Jansen: "Das war am Anfang gar nicht so einfach, so komplexe Sachverhalte in Englisch auszudrücken. Man braucht einige Zeit, um sich einzureden, aber dann macht es eine Menge Spaß." Während der schwierigen und oft hitzig geführten Debatten lernten die Schüler auch, auf die verschiedenen Meinungen ihrer "Kollegen" einzugehen und Kompromisse zu akzeptieren. Nach der Einigung auf eine gemeinsame Resolution wurde diese dann zur weiteren Beratung an die Vollversammlung des Parlaments weitergeleitet.

Noch einmal diskutierten alle Parlamentsabgeordneten die vorgelegte Resolution, bevor es am Ende der Debatte dann zur Abstimmung über die jeweilige Resolution kam. Eine ganz andere Rolle spielte der Presseabgeordnete Henning Wegmann, der als Reporter für die MEP-Zeitung "Globe" unterwegs war. "Wahnsinnig interessant", so sein Kommentar, "ich konnte über alle Komitees schreiben, Leute interviewen und auch über die kleinen Begebenheiten am Rande berichten."

Spaß kam nicht zu kurz

Aber auch der Spaß kommt beim MEP nicht zu kurz. Wenn die anstrengenden Sitzungen gegen 21 Uhr zu Ende gehen, werden in Windeseile die guten Anzüge aus Papas Kleiderschrank getauscht gegen Jeans und Pullover, und schon wenige Minuten später trifft man sich in einem nahe gelegenen Pub bei coolen Hits zum Bier. Um 24 Uhr müssen alle wieder auf ihren Zimmern sein, um am nächsten Morgen wieder fit zu sein für die anstrengende Parlamentsarbeit. Die Schüler Heinz-Leo Donners und Jens Harmel schafften es sogar, in die engere Auswahl zum "best delegate" zu kommen - verdienter Lohn für die wochenlange Vorbereitung und ein Ansporn, im nächsten Jahr auch am Model European Parliament teilzunehmen.