Widerstand gegen Eisernen Rhein

Widerstand gegen Eisernen Rhein

Wegberg/Roermond (an-o) - Es ist nur scheinbar still geworden um den Widerstand gegen die Reaktivierung des Eisernen Rheins. Sowohl in Deutschland als auch in den Niederlanden sind Bürgervereine tätig, um eine nach ihrer Ansicht unsinnige Wiederbelebung der Frachttrasse zu verhindern.

Neue Informationen gab es jetzt bei einer Versammlung der Arbeitsgemeinschaft "Ijzeren Rijn Midden-Limburg", in der die betroffenen Städte und Gemeinden entlang der Eisenbahnlinie, die Kamer van Koophandel und die Milieufederatie zusammen arbeiten. Man traf sich im Landhotel Cox dicht hinter der Grenze und hatte auch den Wegberger Bürgerverein Eiserner Rhein eingeladen.

Brief falsch wiedergegeben

Alexander de Roo, Mitglied des Europaparlaments und stellvertretender Vorsitzender des EU-Umweltausschusses teilte mit, dass der Brief der EU-Kommissarin Frau Wallström an die Milieufederatie falsch wiedergegeben worden ist. Darin befürworte die Parlamentarierin keineswegs uneingeschränkt die "Reaktivierung" sondern, so Roo, lediglich die "Nutzung" der Strecke bis zum Niveau des Jahres 1994. Hier ist anzumerken, dass damals vier Züge pro Woche fuhren und dann der Güterverkehr eingestellt wurde.

Die Intensivierung auf möglicherweise bis zu 43 Zügen pro Tag sei ohne einen Tunnelbau unter dem Nationalpark nicht durchführbar. So ein Bau stelle aber auch einen massiven Eingriff in die FFH-Richtlinien dar. Und eine Genehmigung könne wohl nur beim Nachweis eines nationalen Interesses zu bekommen sein - bei einer reinen Transitstrecke aber kaum denkbar.

Gutachten einer Kanzlei

Auch Huub Bemelmans, Mitglied der Umweltvereinigung, erklärte erneut, die schon früher nach EU-Recht erforderliche "strategische Umweltverträglichkeitsprüfung" müsse zunächst erfolgen. Und die sei für die gesamte Strecke von Antwerpen bis Duisburg vorzulegen. Nach dem Gutachten einer Anwaltskanzlei in Amsterdam hätten nämlich die alten Verträge zwischen Belgien und den Niederlanden keine Gültigkeit mehr.

Inzwischen werden auch die Zahlen der zu erwartenden Gütermengen aus dem Hafen Antwerpen angezweifelt. Sie stammen angeblich nämlich nur vom Betreiber der Hafengesellschaft und stellen vielleicht lediglich "Erwartungen" dar.

Der Vorsitzende der niederländischen Arbeitsgemeinschaft Ijff bezweifelte schließlich, ob Realisierung des Eisernen Rheins überhaupt wirtschaftlich sinnvoll sei, da in einem Korridor von etwa nur 100 Kilometern sich dann vier internationale Güterstrecken (Montzen und Brabantroute vorhanden, Betuwelinie im Bau und der Eiserne Rhein) befinden.

Zusammen mit den anderen Bürgerinitiativen will der Wegberger Bürgerverein die strategische Umweltverträglichkeitsprüfung einfordern, die bisher als nicht notwendig abgelehnt wurde. Und die Mitglieder hoffen, dass nach den Personalveränderungen in den politischen Gremien von Belgien, den Niederlanden, in der Bundesregierung und auch in Nordrhein-Westfalen ein Umdenkungsprozess begonnen hat.