Erkelenz: Wenn Mutter immer das Beste will

Erkelenz : Wenn Mutter immer das Beste will

Das Berliner Volksstück „Das Fenster zum Flur”, 1960 uraufgeführt, gehört zu den großen Erfolgen des Duos Curth Flatow und Heinz Pillau.

Das in der gut besuchten Erkelenzer Stadthalle vom Theater am Kurfürstendamm in Berlin produzierte Stück erlebte bislang über 300 Inszenierungen.

Denn aufgrund der von Klaus Sonnenschein (Straßenbahnfahrer Karl Wiesner) und Edith Hancke (Hausmeisterin Anni Wiesner) mit großer Leichtigkeit vorgetragenen Sprachkomik, wird das Stück zu einer äußerst gelungenen Komödie, die das Publikum mitriss.

Hancke und Sonnenschein zwei „Schnauzen mit Herz”

Edith Hancke und Klaus Sonnenschein verkörperten an diesem Abend zwei „Schnauzen mit Herz”, die zweifellos für Tempo und Witz standen.

Trotz einiger Falten hat „Das Fenster zum Flur” die Zeit gut überstanden, denn sein zeitloses Thema, der Konflikt zwischen Eltern und ihren Kindern, wird sicherlich auch in Zukunft immer ein aktueller Bühnenstoff bleiben.

Die Handlung schildert den verbissenen Kampf einer verbitterten Hausmeisterin Anni Wiesner (hervorragend gespielt von Edith Hancke), die unter dem Vorwand, für ihre Kinder nur das Beste zu wollen, im Grunde genommen nur sich selbst durch das Leben ihrer Kinder realisieren will. Dies alles nur, weil ihr selbst der Aufstieg in die Chefetage verwehrt war.

Aber ihre so wohl durchdachte und eifrig verfolgte Rechnung geht nicht auf. Anni Wiesner, für die „Das Fenster zum Flur” einziger Ausblick in die große weite Welt ist, schuftet ohne Unterlass und ist nur für ihre Familie da, die dafür allerdings nicht gerade dankbar ist.

Das kommt eben davon, wenn „Muttern” immer nur das Beste will, aber letztlich lauter Unheil anrichtet. Es nützt unterm Strich halt wenig, zu diktatorisch zu sein, und der Familie immer nur den eigenen Willen aufzuzwingen.

Die Wiesners leben in einer Souterrain- Wohnung und Anni hat nur ein Ziel: Sie kämpft dafür, dass ihre Kinder einmal raus aus dem Keller und ganz nach oben kommen. Doch noch ist ihr das nicht so ganz gelungen.

Sohn Herbert studiert sehr widerwillig Medizin, um seiner Mutter zuliebe Doktor zu werden. Ihre jüngste Tochter Inge (Natascha Kespy) sollte nach „Mutters” Plänen „Balletteuse” werden. Inge zieht es jedoch vor, sich als Kellnerin durch zuschlagen.

Auch in Liebesdingen geht die Jüngste stur ihren eigenen Wege. Nur die Älteste, Helen (alias Helene, gespielt von Sybille Gabele), hat scheinbar ihr Ziel erreicht. Denn Helene ist angeblich die Frau eines Millionärs in New York.

Das Familienglück in diesem Boulevard-Dauerbrenner steht auf sehr wackligen Füssen: Alles kommt schließlich anders, als es sich Anni je erträumt hat, denn urplötzlich steht Tochter Helene vor ihrer Tür.

Trotz aller Wirrungen und Irrungen finden alle Familienangehörigen auch ohne die energische Mutterglucke Anni, in der sicherlich viele Zuschauer ihre eigene Mutter wiedererkannten, letztlich ihren eigenen Weg.

Zuschauer fiebern mit den Schauspielern

Während der gelungenen Aufführung war deutlich war zu spüren, dass das Publikum regelrecht mit den Darstellern mitfieberte und die Sorgen der Mutter und die Nöte ihrer Kinder, denen der mütterliche Eifer dann doch gewaltig am Nervenkostüm zupfte, verstand. Dass das Stück ein Happyend hat und ernste Probleme sehr heiter löst, das liegt an den Autoren, die glauben, „das Leben möge so sein, wie sie es sehen.”

Mit diesem Stück wurde übrigens der Mythos von Inge Meysel als der „Mutter der Nation” geboren.