Heinsberg: Wenn Kängurus weihnachtliche Schlitten ziehen

Heinsberg : Wenn Kängurus weihnachtliche Schlitten ziehen

Weihnachten hat in Deutschland viele Traditionen. Dazu gehören der geschmückte Weihnachtsbaum, üppige Dekorationen, gutes Essen oder Besuche in der Familie. Vieles ist in anderen Ländern ähnlich, einiges aber auch ganz verschieden.

Das erfahren zurzeit in Heinsberg vier junge Austauschschüler am Kreisgymnasium: Lucy Goldstein aus Australien, Caleb Brown aus Kanada, Hernán Rviz-Nuevo León aus Mexiko und Erik Pfarr aus den USA.

Lucy (16), die für drei Monate ihre australischen Sommerferien hier verbringt, friert vor allem, denn bei ihr zu Hause in Sydney herrschen derzeit Temperaturen um die 30 Grad Celsius. Was macht man da an Weihnachten? „Wir gehen an den Strand und grillen. Abends springen wir in den Pool”, sagt sie. Klar, dass es dem Weihnachtsmann da im dicken roten Mantel zu warm wäre.

„Bei uns trägt er Badeshorts und kommt auf einem Surfboard. Aber die rot-weiße Mütze hat er auch”, lacht sie. Na ja, den mit einem Schlitten gebe es schon auch, „aber den ziehen bei uns nicht Rentiere, sondern Kängurus.” Fasziniert ist sie von der vielfältigen Dekoration zum Fest, auch in ihrer Gastfamilie in Kirchhoven. So etwas haben wir in Sydney nicht.”

Wärmer wäre es auch für Hernán, wenn er jetzt zu Hause wäre. Viel Dekoration gibt es bei ihm zum Fest ebenfalls, verrät er, jedoch mit viel mehr frischen Blumen, die nur zur Weihnachtszeit blühen. „Aber ich liebe auch die Dekoration hier”, sagt der 17-Jährige, der wie die beiden anderen Schüler für ein ganzes Schuljahr die Jahrgangsstufe 11 besucht. Weihnachten verbringt er mit seiner Gastfamilie in Heinsberg. Dann besucht er einen Freund, der zurzeit in der Nähe von Prenzlau ist.

Erik (17) war schon am vergangenen Wochenende mit seiner Haarener Gastfamilie unterwegs, um einen Tannenbaum zu schlagen. „Das machen wir zu Hause auch, aber hier war es noch schöner.” Überhaupt gefällt ihm die Zeit vor Weihnachten hier besser. „Nicht so viel Kommerz wie bei uns. Hier geht alles ein bisschen ruhiger zu. Und in Haaren kennt jeder jeden. Das ist schön.”

Nicht kalt genug kann es dagegen für Caleb (16) sein. Er ist zu Hause in den kanadischen Bergen dauernd auf Skiern unterwegs. Er frönt dem Skispringen in freier Natur. „Jedes Wochenende”, sagt er. „Und wenn bei uns Weihnachtsferien sind, stehe ich von 14 Tagen auch 13 auf Skiern.” In den Ferien hier wird er einen ehemaligen Austauschschüler seiner Schule in Heidenheim besuchen.

Und wie gefällt es ihm in Heinsberg, so ganz ohne Berge und Schnee? „Gut”, antwortet er. „Nur mein Mountainbike habe ich wohl umsonst mitgebracht”, räumt er ein.

Warum haben sie alle Deutschland für ihre Schulzeit im Ausland gewählt? „Ich hatte in Sydney schon ein wenig Deutsch gelernt”, sagt Lucy. „Bei uns in Linares in Mexiko gibt es eine Universität mit Schwerpunkten in Geologie und Botanik”, erzählt Hernán. „Deutschland ist ein schönes Land, hat man mir dort gesagt. Außerdem liebe ich die Sprache.”

Das gilt bei Hernán und Erik auch für den Unterricht am Gymnasium. „Deutsch with Schmitz!”, antworten sie beide spontan auf die Frage nach ihrem Lieblingsfach. Das ist für sie ganz eindeutig der Deutschunterricht mit Ewald Schmitz. Ungewohnt ist der frühe Unterrichtsbeginn um 7.40 Uhr für Lucy, die in Australien erst um 9 Uhr in die Schule geht.

Caleb, der vor allem den Sportunterricht liebt, und Erik wundern sich dagegen über die Freiheiten, die Oberstufenschüler in Deutschland genießen. „Freiarbeitsstunden gibt es bei uns nicht”, sagt Erik. „Es ist immer ein Ersatzlehrer da. Und wir dürfen auch das Schulgelände bis zum Ende der Unterrichtszeit nicht verlassen.”