Wenn Fledermäuse erste Hilfe benötigen

Wenn Fledermäuse erste Hilfe benötigen

Kreis Heinsberg. Doch manchmal trifft man (nicht unbedingt zur gegenseitigen Freude) auch unverhofft auf einen oder gar mehrere Vertreter dieser wendigen Flugkünstler - wenn man eine verletzte Fledermaus findet oder sich eine Horde junger Zwergfledermäuse ins Wohnzimmer verflogen hat.

„Kein Grund zur Panik”, beruhigt Michael Straube, Fledermausexperte vom NABU. Mit wenig Aufwand könne jeder bei einer erschöpften oder verletzten Fledermaus erste Hilfe leisten oder sie aus ihrer misslichen Lage befreien.

Sicherer Platz

Zuerst sollte die Fledermaus an einen sicheren Platz gebracht werden. „Besonders geeignet sind Stellen, die etwas erhöht liegen und Schutz vor dem Wetter bieten, zum Beispiel Wände unter Dachüberhängen”, so Straube.

Die Fledermäuse sollten nicht im Regen und nicht in der prallen Sonne hängen. Dann sollte man den entkräfteten Tieren Wasser anbieten. Straube: „Dazu kann man der Fledermaus einen Wassertropfen auf dem Stiel eines Kaffeelöffels an das Maul halten. Besser geht es allerdings mit einer Pipette. Die Tiere werden es dankbar auflecken.”

Allerdings sollte kein Wasser in die Nasenlöcher gelangen. Da Fledermäuse reine Insektenfresser sind, ist eine Ernährung der Tiere recht schwierig. Als Ersatz für die gewohnte Nahrung können Mehlwürmer dienen. Dann hilft nur noch warten, ob die Fledermaus am Abend nicht doch wieder abfliegt.

Vorsicht walten lassen

Bei allen Hilfsmaßnahmen sollte man Vorsicht walten lassen. Fledermäuse sind Wildtiere, die sich bei Angriffen verteidigen. Ein Versuch, eine Fledermaus in die Hand zu nehmen, stellt für die Tiere einen solchen Angriff dar. Sie versuchen durch Beißen sich des Angreifers zu erwehren.

Da die Tiere ein spitzes Insektenfressergebiss besitzen, können schmerzhafte Verletzungen entstehen. „Fledermäuse sollten deshalb nur mit Handschuhen angefasst werden”, rät der Experte. Dies würde zudem das Risiko verringern, sich mit der fledermauseigenen Tollwut zu infizieren, die durch Bisse übertragen wird. Allerdings tauche dieser Tollwutvirus nur sehr selten auf.

Von den Fledermausarten, die in Nordrhein-Westfalen vorkommen, neigt nur die Zwergfledermaus dazu, in Zimmer zu fliegen. Meist sind es unerfahrene Jungtiere, die auf der Suche nach einem geeigneten Quartier durch gekippte Fenster in Wohnungen gelangen.

Findet man tagsüber Fledermäuse in der Wohnung, sollte man am Abend die Fenster weit öffnen und beobachten, ob die Tiere von alleine den Weg hinaus finden. Die Wohnung sollte auf jeden Fall nach Fledermäusen abgesucht werden, die vielleicht nicht mehr ausfliegen können.

Die Zwergfledermaus, ein Spaltenbewohner, versteckt sich gerne in Falten von Gardinen und Vorhängen, hinter Bildern oder in Vasen. Man kann einzelne Tiere auch mit einem Handschuh vorsichtig greifen und in der Dämmerung im Freien fliegen lassen. „Die Tiere sollten allerdings immer selbstständig starten und nicht hochgeworfen werden”, rät Straube.

Hilfe vom NABU

Waren die getroffenen Maßnahmen nicht erfolgreich, sollte fachmännische Unterstützung genutzt werden. Die gibt es bei der NABU-Naturschutzstation „Haus Wildenrath”, Naturparkweg 2, Wegberg-Wildenrath, 02432/902740.