Herzogenrath: Wenn alle im Takt paddeln, geht es vorwärts

Herzogenrath : Wenn alle im Takt paddeln, geht es vorwärts

An den Anfang ihrer Ausbildung als Industriekauffrau beim Energieversorger Enwor wird sich Tatjana Kerle noch lange erinnern. Zusammen mit allen Auszubildenden — momentan sind es 23 bei Enwor — geht es jedes Jahr zu Beginn eines Ausbildungsjahres auf ein Teambuilding-Seminar. Für ein paar Tage stehen Spiele, Gruppenaufgaben und in diesem Jahr auch ein Rafting Tour auf dem Programm.

Dabei wächst die Gruppe ganz schön zusammen. „Wenn 15 Menschen in einem Boot sitzen, müssen alle im gleichen Takt paddeln, damit man auch vorankommt und nicht kentert“, erinnert sich Tatjana. Sie ist erst seit einem Monat dabei und begeistert von der Chance, gleich zu Beginn alle anderen Auszubildenden kennenzulernen.

Neugier trifft Erfahrung: Tatjana Kerle ist seit einigen Wochen Auszubildende bei Enwor. Ausbildungsleiter Wilhelm Kalteis weiß, wie er den Firmennachwuchs gleichzeitig fördert und fordert.
Neugier trifft Erfahrung: Tatjana Kerle ist seit einigen Wochen Auszubildende bei Enwor. Ausbildungsleiter Wilhelm Kalteis weiß, wie er den Firmennachwuchs gleichzeitig fördert und fordert. Foto: Lena Feuser

Offenes Ohr

Auch Wilhelm Kalteis weiß, wie wichtig Teamarbeit in einem Unternehmen ist. Als Ausbildungsleiter hat er immer ein offenes Ohr für die Auszubildenden und steht ihnen mit Rat und Tat zur Seite: „Wir wollen, dass die jungen Leute die Berührungsängste verlieren und sich wie ein Teil unserer kleinen Familie fühlen“. Deswegen werden die Auszubildenden von Anfang an ins Team und alle Aufgabenbereiche eingebunden.

Aber auch die schulischen Noten spielen eine große Rolle. Vor allem in der Ausbildung als Techniker kann Vorwissen in naturwissenschaftlichen Fächern wie Physik, Chemie und Mathematik helfen, die Aufgaben besser zu verstehen und durchzuführen. Natürlich muss man noch einiges dazulernen, aber wer gut aufgepasst hat, kann dann auch das theoretische Wissen aus dem Unterricht praktisch anwenden, wenn man Wasserproben untersucht oder mit Chemikalien arbeitet. Tatjana dagegen ist froh, dass sie schon in der Schule gelernt hat, wie man mit Programmen wie Exel und Word umgeht. Besonders in der Ausbildung zur Industriekauffrau ist die Arbeit an Computern und der Umgang mit Dokumenten wichtig. Mit einem gewissen Grundverständnis solcher Programme findet man viel leichter in die Aufgaben rein.

Doch bevor die Arbeit an den Computern beginnt, verbringt jeder kaufmännische Azubi drei Monate in den technischen Bereichen Wassernetz, Gasnetz und Stromnetz. „Es ist wichtig, dass auch die Mitarbeiter am Schreibtisch wissen, wie man die Baustellen vor Ort am Besten unterstützen kann“, erklärt Wilhelm Kalteis. Das sei auch später im Umgang mit den Kunden wichtig.

Schon in diesen ersten Monaten wird klar, worin der größte Unterschied zur Schule besteht. „Wenn ich in der Schule ein Fach nicht mag, kann ich es ruhig angehen lassen. Im Betrieb geht das nicht. Wenn man mit Rechnungen und Bestellungen zu tun hat, muss man immer 100 Prozent geben“, erzählt Tatjana. Aber genau diese Herausforderung gefällt ihr. „Man wird von klein auf an die Hand genommen und gefordert. Es macht Spaß so viel Verantwortung zu übernehmen und beim Ausprobieren und Austesten auch mal an seine Grenzen zustoßen“.

Worauf die Ausbildung letztendlich hinausläuft, lässt sich erst während der Lehre sagen. Die kaufmännischen Azubis schnuppern in insgesamt neun verschiedene Fachabteilungen herein und erledigen unterschiedliche Aufgaben. Dabei ist auch ein großes Selbstbewusstsein von Vorteil. „Natürlich ist niemand von Anfang an ein Weltmeister, aber mit der Bereitschaft zu lernen wird jede Ausbildung zum Erfolg“, findet Kalteis. Ihm ist es wichtig, dass die jungen Leute das Vertrauen haben, Fehler zuzugeben und Fragen zu stellen. So merkt man schnell, welcher Bereich einem Auszubildenden liegt. Das letzte halbe Jahr vor der Abschlussprüfung arbeitet dann jeder in seiner späteren Abteilung.

Hier ist ein Satz gestrichen Wie es nach dem Abschluss der Ausbildung dann weitergeht, hängt von den Noten und vom Einsatz im Betrieb aus. Wer die Abschlussprüfung mit befriedigend oder besser abschließt, hat große Chancen, vorerst befristet übernommen zu werden. Das betont auch Kalteis: „Wir bilden nicht des Ausbildens wegen aus, sondern wir wollen unseren Auszubildenden auch später eine Perspektive bieten“.

Dieser Artikel ist im Rahmen unseres Schulprojekts „Texthelden“ von Schülerreporterin Lena Feuser recherchiert und verfasst worden.