Heinsberg: Weniger Klassenarbeiten bringen kaum Entlastung

Heinsberg : Weniger Klassenarbeiten bringen kaum Entlastung

Die Schüler wird es freuen: Ute Schäfer (SPD) hat vorgeschlagen, die Zahl der Klassenarbeiten zu reduzieren.

Die Schulministerin möchte die Lehrer entlasten und ihnen somit in puncto Verlängerung der Wochenarbeitszeit entgegen kommen. Doch wie groß ist die damit verbundene Entlastung wirklich? Und wie sinnvoll sind wegfallende Klassenarbeiten im Rahmen der Bildungsoffensive der Bundesregierung zur Steigerung des Leistungsniveaus? Mit Annegret Krewald, Leiterin des Kreisgymnasiums in Heinsberg, sprach Redaktionsmitglied Michaela Schreiber.

Die Schulministerin Ute Schäfer möchte die Zahl der Klassenarbeiten reduzieren, um die Lehrer zu entlasten. Wie schätzen Sie diesen Vorschlag ein?

Krewald: Als Maßnahme zur Linderung der Mehrbelastung heißen wir den Vorschlag der Ministerin willkommen. Denn die Belastung der Lehrer ist in den vergangenen Jahren an mehreren Stellen enorm angewachsen.

Wie sieht das konkret aus?

Krewald: Wir haben keinerlei Reserven für krankheitsbedingte Ausfälle, sodass unsere Lehrer ohnehin schon zusätzliche Unterrichtsstunden übernehmen müssen. Deshalb wehren wir uns gegen die geplante Verlängerung der Arbeitszeit um eine Unterrichtsstunde pro Woche. Sie erschwert unsere Arbeit, zumal die Arbeit in der Schule aus gesellschaftlicher Sicht schwieriger geworden ist.

Können Sie die Lehrerausfälle an Ihrer Schule beziffern?

Krewald: Nein, aber ich nenne Ihnen ein Beispiel: Wenn ein Lehrer mit seiner Klasse einen Wandertag veranstaltet, müssen allein an diesem Tag fünf bis sechs Unterrichtsstunden von unseren Kollegen übernommen werden.

Also bringt die Reduzierung der Klassenarbeiten doch keine große Entlastung für die Lehrer mit sich?

Krewald: Je nach Klassenstufe und Klassenfrequenz muss ein Lehrer so um die 30 Arbeiten korrigieren. Das ist mit einem sehr hohen Aufwand verbunden. Der Wegfall einer Klassenarbeit gleicht sich nicht mit der Einführung einer zusätzlichen Unterrichtsstunde aus.

Bleibt die Frage, ob die Reduzierung der Klassenarbeiten aus pädagogischer Sicht sinnvoll ist?

Krewald: Das Leistungsniveau wird dadurch sicherlich nicht gefördert. Denn eine Klassenarbeit stellt auch immer eine Rückmeldung für Schüler, Eltern und Lehrer dar. Sie beinhaltet eine ganze Menge Informationen darüber, ob der laufende Lernprozess erfolgreich ist oder Mängel aufweist, auf die im Unterricht noch einmal gezielt eingegangen werden muss.

Außerdem dienen Klassenarbeiten einer gerechten Notenfindung. Die Notengebung - soweit sie langfristige Lernerfolge betrifft - muss jetzt auf andere Art und Weise im Unterricht gewährleistet werden. Somit relativiert sich die angestrebte Entlastung durch eine Reduzierung der Klassenarbeiten wieder.

Welche Art von Entlastung wünschen Sie sich?

Krewald: Nach einer Phase der Neuerung sollte es eine Phase der Konsolidierung geben. Wir würden uns wünschen, dass es keine hastigen Änderungen gibt und das Karussell von Neuerungen zu einem Stillstand kommt. Darüber hinaus wünschen wir uns Entscheidungen, die der schrittweisen Realisierung eines durchdachten, pädagogischen Gesamtkonzeptes dienen und kein Stückwerk sind.