Wassenberg: Wehrturm eingehüllt in „Wintermantel”

Wassenberg : Wehrturm eingehüllt in „Wintermantel”

Das Wassenberger Stadtbild zwischen Propsteikirche und Burg bietet seit einiger Zeit einen ungewohnten Anblick: Der „Große Wehrturm” der Stadtmauer ist „eingepackt” in eine Schutzhülle.

Im Innern dieses „Wettermantels” arbeiten die Baufacharbeiter Jürgen Büschgens und Viktor Vasjaev auch während der winterlichen Zeit an der Restauration des Turmes.

Es ist eine besonders diffizile Arbeit. Sie schließt auch den großen Abschnitt im Bereich Terrassenanlagen und Aufgang zum Bergfried ab. Folgen sollen noch einige Arbeiten am „Verlorenenturm” in der Nähe des Freibades sowie der Aufgang zur Burg von der Seite Kirchstraße her.

Die seit Mitte 2000 laufende umfassende Restauration, die mit 50 Prozent Landesmittel gefördert wurde, schließt nach den großen Restaurationen der 50er und 60er Jahre und der Restauration des „Roßtores” einen wichtigen Teil historischer Denkmalpflege für einige Zeit ab.

Hier bleibt auch zu hoffen, dass keine nachfolgenden Bergabbauschäden, wie sie zur Zeit in der Innenstadt vermehrt sichtbar werden, auch die Stadtmauer betreffen werden.

Dieser letzte, inzwischen durch Landeskonservator Dr. Meyer abgenommene und als sehr gut ausgeführt begutachtete Teil der Restauration wurde erst durch die Gewährung von Arbeitsbeschaffungs-Fördermitteln über die Wirtschaftsförderung des Kreises und das Arbeitsamt ermöglicht. Landesdenkmalsmittel waren nämlich nicht mehr zu erhalten.

ABM-Mittel sollen gestrichen werden

Hier gibt es nun neue Sorgen, denn die Fördermittel für Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen sollen gestrichen werden. Eine Verlängerung der Mittel bis Ende Juni würde den Abschluss der Arbeiten als Gesamtmaßnahme ermöglichen. Eine Entscheidung steht in den nächsten Tagen an.

Es bietet sich hier eine „vergleichende” Situation aus den wirtschaftlich ähnlich schwierigen Jahren der Rezession nach 1928 an. Damals gab es auch Fördermaßnahmen. Sie ermöglichten in Wassenberg den Bau des Gondelweihers als Vorfluter des Gasthausbaches zum Schutz der Unterstadt vor Im Blickpunkt

Überflutung und zur Einleitung wichtiger Maßnahmen im Rahmen der Naherholung. Damals wurde auch das Freibad gebaut entlang der Stadtmauer unter Benutzung des „Graav”, der im Mittelalter auch Teil der Befestigungsanlagen und wichtig für die „Bewässerung und Entsorgung” der Innenstadt war.

Im „Graav”, der klares Wasser führte, wuschen die Wassenberger Hausfrauen ihre Wäsche auf, die sie zuvor „op de Bleek” gebleicht hatten. Es gibt noch viele persönliche Erinnerungen von Wassenbergern der älteren Generation an diese Zeit.

Das Kleinod „Stadtmauer” und Wehrtürme zu erhalten und zu pflegen, ist eine zwar kostspielige, aber lohnende Aufgabe für die heutige wie die nachfolgenden Generationen. Die Entscheidungen der allernächsten Zeit werden mit darüber entscheiden, ob diese Kulturpflege auch weiterhin noch möglich sein wird.

Die intensiven Bauarbeiten der letzten beiden Jahre fanden immer wieder auch das technische Interesse von Anliegern und Passanten. Die beim Abschlagen des „gesprengten” Mauerwerkes sichtbar werdenden Schlitze machten auf einen neuen Aspekt aufmerksam.

Existierte in der Mauer ein hölzerner Laufgang?

Die Vermutung, dass im stadtseitigen Bereich der Stadtmauer ein hölzerner „Laufgang” vorhanden gewesen sein muss, der den Verteidigern erst die Schuss- oder Wurfposition ermöglichte (weil die Mauerkrone zu hoch lag), lässt sich weiter verfolgen.

Die „Schlitze” oder „Scharten” blieben bei der Restauration offen und wurden sorgsam ummauert. Die Mauer wurde damit nicht nur „historischer”, sondern optisch auch lebhafter.

Der höher gelegene Einstieg in einen solchen inneren Wehrgang im „Großen Wehrturm” lässt die interessante Definition auch glaubwürdig erscheinen.