"Was wir brauchen, ist mehr Solidarität"

"Was wir brauchen, ist mehr Solidarität"

Erkelenz (an-o) - Gabriele Behler hat das Handtuch geworfen. Die neue Ministerin für Schule und Jugend in NRW heißt Ute Schäfer. Welche Wünsche und Hoffnungen verbinden Lehrer mit der Amtsübernahme durch die 48-jährige Haupt- und Grundschullehrerin aus Mühlheim?

"In der Bildung brauchen wir dringend Leute, die in der Lage sind, die Solidarität breiter Bevölkerungsschichten anzustoßen", sagt Ferdinand Küpper-Jacobs (54), der Leiter der Realschule in Ratheim.
Insofern hegt er den Wunsch, dass Ute Schäfer sich nicht nur als Leiterin einer Behörde versteht, sondern in einem gesamtgesellschaftlichen Kontext dafür einsetzt, dass die Erziehung der jungen Generation, um die es ja eigentlich geht, als gemeinsame Aufgabe von Elternhaus, Schule, öffentlichem Leben und Politik verstanden wird.

Heidi Walter (54), die am Gymnasium in Hückelhoven die Fächer Englisch, Sport und Französisch unterrichtet, hofft, das die Zeiten eines "übertriebenen Aktionismus" nun zu Ende gehen und auch auf der organisatorischen Ebene ein sinnvoller Rahmen für die Arbeit in den Schulen geschaffen wird. "Nehmen wir doch nur mal die Ferienplanung. Die Sommerferien waren gerade mal sechs Wochen vorbei, standen schon wieder die Herbstferien vor der Tür. In der kurzen Zeit können die Schüler doch gar nicht richtig in die Gänge kommen", sagt sie.

Erich Kummer (53), Studienrat am Cusanus-Gymnasium in Erkelenz, geht es wie vielen seiner Kollegen: "Mit Blick zurück auf die letzten 20 Jahre Bildungspolitik habe ich es mir abgewöhnt, sinnvolle Innovationen von einer praxisfernen Politik zu erwarten. Darum fange ich bei mir selber an." Wenn keine Impulse mehr von außen gegeben würden, dann müsse man sich eben selbst die Maßstäbe für das Handeln setzen - oder es sein lassen.

Sollte sich die neue Ministerin dann doch entschließen, neue Maßstäbe zu setzen, hat Walter Woltery (48), der Chef des Hückelhovener Gymnasiums, eine dringende Bitte: "Behutsam und nicht wie in der Vergangenheit mit einer Halbwertzeit von wenigen Monaten." Im übrigen hoffe er, dass er wichtige Neuigkeiten aus dem Schulministerium künftig nicht mehr zuerst aus der Zeitung erfahre. "Das sprach zwar immer für die Qualität der Zeitungen, nicht aber für die der Ministerin."

Gabi Wassenberg (51), Oberstudienrätin am Cornelius-Burgh-Gymnasium in Erkelenz, hat zwar Wünsche, verbindet aber keine allzu großen Erwartungen mit Ute Schäfer als neuer Bildungsministerin: "Ich wünsche mir, dass die Anerkennung unserer Arbeit nicht weiter durch bürokratische Entscheidungen wie in der Vergangenheit erschwert wird." An eine grundlegende Verbesserung - das bedeutetet auch die Angleichung der Ausstattung der Schulen an das Zeitniveau - glaubt sie nicht: "Wer sich die Zahlen des NRW-Haushaltes anhört, der darf auf keine Verbesserung hoffen."

"Kleinere Lerngruppen und eine bessere Ausstattung der Schulen, das wäre schon eine feine Sache", sagt Olaf Staecker (35). Der Realschullehrer, der in Ratheim für die Fächer Französisch, Mathematik und Musik mit zuständig ist, weiß aber, dass seine Wünsche wohl allzu kühn sind. Darum backt auch er gleich kleinere Brötchen: "Es wäre schön, wenn die Qualitätssicherung in der Schule künftig nicht mehr nur auf Kosten der Lehrer geht." Am Ende sieht er sich als Realist: "Wahrscheinlich geht es aber erst mal weiter wie bisher."