Erkelenz: Waghalsige Piroutetten unter weißen Wattewölkchen

Erkelenz : Waghalsige Piroutetten unter weißen Wattewölkchen

Bilder sagen bekanntermaßen mehr als tausend Worte. Wenn sich besagte optische Eindrücke auch noch in rasanter Geschwindigkeit vor den Augen der Betrachter bewegen und dazu eine Kapelle ihren Instrumenten wunderbare Töne entlockt, spielt die Sprache kaum eine Rolle mehr.

Ein Erlebnis dieser Art hatte das Publikum von „Ivushka”. In der Stadthalle nahm das Ensemble aus Zentralrussland seine Gäste mit auf eine temperamentvolle Reise in die Vergangenheit seiner Heimat.

Nicht nur gewagte Tanzschritte und tollkühne Sprünge vollführten die Akrobaten am laufenden Band. Ihre unbändige Energie reichte sogar noch aus, um währenddessen humorvolle Lieder vom Leben und von der Liebe zu singen.

Rebellieren bei ungeübten Menschen wahrscheinlich nach kurzer Zeit die Kniegelenke, so fängt bei den trainierten Tänzern gerade dann der Spaß erst an - vom Stand in die Hocke, das rechte Bein nach vorne gestreckt, das linke Bein nach vorne gestreckt und wieder in den Stand.

Für das Ensemble stellten solche „Kunststücke” kein nennenswertes Problem dar. Sogar der Erdanziehungskraft konnten die Akrobaten trotzen, indem sie die Zuschauer mit meterhohen Salti zum Staunen brachten.

Durch Anmut und Eleganz glänzten die weiblichen Ensemblemitglieder, wobei schon allein ihre prachtvollen Gewänder die Blicke auf sich zogen.

Davon abgesehen: Die Fähigkeit der Damen, möglichst viele Pirouetten in kürzester Zeit zu schlagen, war nicht von schlechten Eltern.

Dass die russische Seele keinesfalls schwermütig ist, wie manchmal vermutet wird, machten Orchester und Chor auf eindrucksvolle Weise deutlich.

Vor einer malerischen Kulisse mit Wattewölkchen, Holzhäusern, blühenden Weiden, saftigen Wiesen und einer im Hintergrund aufragenden Kirche mit goldenen Zwiebeltürmchen erzählten sie von ebenso alltäglichen wie zauberhaften Begebenheiten: Für ein ausgeprägtes Durcheinander in den ansonsten geschlossenen Reihen der Waschfrauen sorgte etwa ein frecher Balalaika-Spieler.

Von purem Übermut getrieben lässt er sich von den „züchtigen” Arbeiterinnen nicht so einfach vertreiben, vertauscht die Wäsche in den einzelnen Körben und gibt der Dame seines Herzens abschließend einen Klaps auf den Allerwertesten.

Die Männer des Dorfes haben später ihre liebe Not mit ihrer Kleidung, die durch die Aktion des Eindringlings entweder viel zu klein oder viel zu groß geraten ist.

Weitere Episoden des munteren Dorflebens handelten unter anderem von Schürzenjägern auf der Pirsch, tattrigen Greisen, die sich beim Anblick eines hübschen Mädchens zusehends verjüngen, und einem braven Ehemann, der einen guten Tropfen vor seiner keifenden Ehefrau zu verstecken versucht.

Manchmal ganz schön ungezogen, aber immer liebenswert verhalten sich die Bewohner der Welt von „Ivushka”, was übersetzt so viel wie Weidenbäumchen bedeutet.

Auf den Gesichtern des Ensembles zeichneten sich Emotionen in einer mitreißenden Intensität ab - mal „himmelhoch jauchzend”, mal „zu Tode betrübt”. Das Orchester trug in Form von abwechslungsreichen Melodien selbstverständlich auch seinen Teil dazu bei, das Publikum die fröhliche Seite Russlands erleben zu lassen.