Geilenkirchen-Würm: Waghalsige Kapitäne in Karnevalslaune beim Badewannenrennen

Geilenkirchen-Würm : Waghalsige Kapitäne in Karnevalslaune beim Badewannenrennen

Karneval im Sommer — gibt es nicht? „Weit gefehlt“, sagen die Jecken des Würmer Wenk. Denn das allseits beliebte Badewannenrennen der Karnevalsgesellschaft aus Würm geht am Samstag in die 14. Runde. Die bereits vor Monaten in Angriff genommenen Vorbereitungen für Deutschlands vielleicht verrücktesten Wassersportspaß mit „Kenter-Garantie“ liegen in den letzten Zügen.

Schon in den vergangenen Jahren lockte das ebenso lustige wie publikumswirksame und feuchtfröhliche Spektakel immer Tausende Zuschauer an. Auf der knapp 1,5 Kilometer langen Strecke zwischen Kleinsiersdorf unterhalb von Würm und Flahstraß stellen sich waghalsige Wannenkapitäne in jedem Jahr aufs Neue den unberechenbaren Stromschnellen des zumeist gemütlich dahinplätschernden Flüsschens. Ist erst einmal der Startschuss gefallen, geht es mit rasanter Geschwindigkeit den Bach runter.

Geschäftsführer Hanno Frenken und Melanie Hafers-Weinberg präsentieren das T-Shirt für das Wildwasserunternehmen.
Geschäftsführer Hanno Frenken und Melanie Hafers-Weinberg präsentieren das T-Shirt für das Wildwasserunternehmen. Foto: Georg Schmitz

Ab 15 Uhr werden am Samstag auf der Wurm wieder die Anker gelichtet. Wenn die schrill verkleideten Hobby-Seeleute in selbst gebastelten oder stark modifizierten Badewannen den Naturgewalten trotzen, herrscht Stimmung wie beim Rosenmontagszug in Köln. Bei der Suche nach einem geeigneten Gefährt auf Badewannenbasis sind der Phantasie der Erbauer keine Grenzen gesetzt.

Ob „Venezianische Gondel“, „Arche Noah“ oder gar ein Tennisplatz im Maßstab 1:12 — alles, was eine Badewanne beinhaltet, ist erlaubt. Nur ein Untersee-Boot dürfte in dem flachen Gewässer keine Chance auf ein Durchkommen haben. Für die Kapitäne wird ein Mindestalter von 18 Jahren vorausgesetzt. Aus Sicherheitsgründen besteht Helmpflicht, und festes Schuhwerk muss vorhanden sein. Dem Outfit sind ansonsten keine Grenzen gesetzt.

Auch am letzten Tag vor dem Rennen werkeln viele Teilnehmer noch an ihren Badewannen, die nach Fertigstellung oft nicht mehr als solche zu erkennen sind. Zu den Neulingen zählen bei der 14. Ausgabe Mitarbeiter des Franziskusheimes in Geilenkirchen. Melanie Hafers-Weinberg hatte sich das Spektakel bereits live angeschaut und war begeistert. Die zündende Idee einer Teilnahme aus den Reihen der Alten- und Pflegeeinrichtung stieß beim Geschäftsführer der Franziskusheim gGmbH, Hanno Frenken, sofort auf offene Ohren.

Die Resonanz von Seiten der Mitarbeiter war derart groß, dass sich gleich 23 Beschäftigte für eine Teilnahme akkreditierten. „Alle Mitarbeitergruppen machen mit“, freut sich Frenken. Das Potenzial reichte nun für den Bau von gleich drei „Schiffen“, die am Samstag auf der Wurm zu sehen sein werden.

Die ersten Arbeiten für den Schiffsbau starteten bereits im Juni. Sponsoren hatten zuvor Badewannen, Fässer und Paletten zur Verfügung gestellt. Material wie Kabelbinder, Verzurrgurte und Schrauben kauften die Mitarbeiter selbst hinzu.

Hanno Frenken spendierte seinerseits die T-Shirts mit dem Aufdruck „Die flotte(n) Franziskaner“. Zweimal in der Woche bauten die „Wurmkapitäne“ in einer Garage und einem Unterstand am Franziskusheim abwechselnd jeweils mehrere Stunden an ihren Gefährten, und so steckten sie weit über 100 Stunden ihrer Freizeit in die Arbeiten. „Das war gar nicht einfach, wir mussten die Boote mehrmals verändern“, erklärt Melanie Hafers-Weinberg. Ein Gefährt musste verkürzt, an einem anderen die Anordnung der Stabilisierungsfässer verändert werden.

Für alle Beteiligten ist es die erste Teilnahme überhaupt, und niemand aus der Truppe hat jemals eine Badewanne zum „Schwimmmobil“ umgebaut. Nach tagelangem Bohren, Sägen und Schrauben war ein erstes Probesitzen in den Wannen angesagt.

Jedes Boot ist mit einem Motto versehen. Da gibt es den „Fahrbaren Mittagstisch“, ausgestattet mit allerlei Küchenutensilien, und die „Pflege“ mit integriertem Rollstuhl. Als „Süße Träume“ kommt die Nachtwache mit der Bettenabteilung ins Spiel. Küchenchef Frank Niggemann ist begeistert vom Zusammenhalt der Badewannen-Gruppe. „Mit dem Wurmwasser wird aber keine Suppe gekocht“, macht er gleich klar. Aber das Wasser des Flüsschens werden sicherlich alle „Franziskaner“ am Samstag noch zu spüren bekommen, und da wird kaum ein Auge trocken bleiben . . .