Übach-Palenberg: Waffensammler gibt Polizei Rätsel auf

Übach-Palenberg : Waffensammler gibt Polizei Rätsel auf

Nach dem Fund von einigen Tonnen Munition und Waffen jeglicher Art in Scherpenseel stellen sich den Ermittlern, aber auch der Öffentlichkeit zahlreiche Fragen.

Warum sammelt ein Mensch teilweise intakte Waffen und scharfe Munition? Wo hat der Waffennarr die große Menge von Granaten und Sprengkörper gefunden, beziehungsweise sich besorgen können? Wie konnte das Ganze so lange unentdeckt bleiben? Haben die Familie und das Umfeld von der verbotenen Sammelleidenschaft des 21-Jährigen gewusst?

„Wir haben Glück gehabt, dass unser Haus nicht in die Luft geflogen ist”, sagte ein Anwohner, der den Abtransport durch den Kampfmittelräumdienst beobachtet hatte.

Nachbarn erzählen auch, dass der durch die Explosion einer Granate verletzte Mann sich schon seit seinem 11. Lebensjahr zu Waffen hingezogen fühlt.

„Während des Neujahrsfeuerwerkes hat er sogar mit einem Schnellfeuergewehr in die Luft geschossen”, weiß eine Frau, die nicht mit Namen genannt werden möchte.

Für die Klassifizierung und die Auflistung des sichergestellten Waffenarsenals würde man noch mehrere Tage brauchen, hatte ein Mitarbeiter des Kampfmittelräumdienstes vor Ort erklärt.

Was die Kriminalpolizei und der dem Regierungspräsidenten unterstehende Kampfmittelräumdienst aus der Wohnung und dem als Werkstatt genutzten Schuppen auf der gegenüberliegenden Straßenseite zu Tage förderten, versetzte alle Beteiligten in Erstaunen.

„Ein solches Ausmaß haben wir nicht erwartet”, sagte der Mitarbeiter. Die Männer brachten eine rund 20 Kilogramm schwere Artilleriegranate aus dem Haus.

Sichergestellt wurden ferner Mörser- und Geschützgranaten, eine 205 mm Panzerhaubitze, ein 60 mm Flugabwehrgeschütz, 105 mm Panzerhaubitze, Raketen und Raketenwerfer, eine Panzerfaust, mehrere Abschussvorrichtungen, ein Maschinengewehr MG 42 aus dem 2. Weltkrieg, ein Schnellfeuergewehr „Kalaschnikow”, Karabiner, Jagdwaffen sowie ein amerikanisches 12,7 mm Browning Maschinengewehr.

Im Schuppen, wo die Explosion den 21-Jährigen schwer verletzte, lagerten eine 40 mm Flak aus dem 2. Weltkrieg, zahlreiche Mörsergranaten, eine kleine Rakete, Hülsen von Granatenmunition und Munition für Maschinengewehre.

Viele Granaten, aber auch einige andere Waffen sind verrostet. Dies unterstreicht die These der Sammelleidenschaft des jungen Mannes aus Scherpenseel.

In speziellen Kisten transportierte der Kampfmittelräumdienst die Relikte aus dem 2. Weltkrieg und die Waffen mit zwei Kleintransportern ab. Der Besitz von nicht gemeldeten Waffen und besonders von Kriegswaffen ist streng verboten.

Die Waffensammlung soll nicht polizeilich gemeldet und der 21-Jährige auch nicht im Besitz eines Waffenscheines gewesen sein.

Wie die Polizei am Freitag mitteilte, wurden Ermittlungen wegen des Verdachts der Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion sowie wegen des Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und des Waffengesetzes eingeleitet.

Laut Polizei sammelte der 21-Jährige vor allem Munition und Waffen aus dem 2. Weltkrieg. Die Utensilien seien sichergestellt worden und würden zur Zeit einer waffenrechtlichen Prüfung unterzogen werden.