Wassenberg: Vorhaben „Marktstand Rothenbach” gescheitert

Wassenberg : Vorhaben „Marktstand Rothenbach” gescheitert

„Nur zwei Meter weiter vor der Grenze gibt es schon kleine Geschäfte - verstehen kann ich das nicht”, schüttelte Ursula Wojak (CDU) den Kopf.

Das seit fast eineinhalb Jahren verfolgte Projekt „Marktstand Rothenbach” ist nun endgültig gescheitert. Der Wassenberger Planungs- und Umweltausschuss musste das entsprechende Planverfahren in seiner jüngsten Sitzung einstellen.

Weder die Kreisverwaltung noch die Bezirksregierung akzeptierten den von der Stadt unterstützten Antrag eines Mannes aus Vlodrop, am alten Zollhaus Rothenbach zehn Marktstände und einen Fischstand errichten zu dürfen. Auf deutscher Seite wäre so ein Gegenstück zu den in Rufweite gelegenen Einkaufsmöglichkeiten auf niederländischer Seite entstanden. Dort herrscht reger Verkehr, am alten Zollhaus herrscht vor allem Ruhe.

„Es ist für mich unbegreiflich, dass wir von diesem prosperierenden Standort nicht etwas mitbekommen, Interessenten wären da”, verstand auch Bürgermeister Manfred Erdweg die deutsche Bürokratie-Welt nicht mehr und beneidete die Niederländer um ihre Flexibilität in solchen Dingen.

Und SPD-Fraktionsvorsitzender Walter Windeln meinte, hier bekäme man mal wieder die „Auswirkungen der deutschen Planungsbürokratie” im Kleinen zu spüren: „In den Niederlanden 3 Arbeitslose, in Deutschland 11 .” Hier hätte eine Möglichkeit bestanden, ein paar Arbeitsplätze zu schaffen. Das niederländische Gegenüber zeige, dass dies möglich sei; dort bestünden seinen Informationen nach rund 50 Arbeitsplätze.

Aus Sicht der übergeordneten deutschen Behörden sprechen vor allem diese Gründe gegen die Errichtung der Marktstände:

Das Grundstück liegt bauplanungsrechtlich im Außenbereich; in einem solchen sind nur „privilegierte Vorhaben” wie land- oder forstwirtschaftliche zulässig, nicht aber „sonstige Vorhaben” wie jene Marktstände.

Ausnahmen wären dann möglich, wenn keine „öffentlichen Belange” beeinträchtigt würden; diese Beeinträchtigung wäre hier jedoch gegeben, da das Vorhaben eine „ungeordnete städtebauliche Entwicklung” darstellen würde - die Stände würden „in ungeordneter Weise in den Freiraum eindringen und diesen verändern und zersiedeln”.

Die geplante Erweiterung der Gebäudestrukturen im Bereich des ehemaligen Zollamtes Rothenbach „ist als Verfestigung eines Siedlungssplitters im Freiraum nicht vertretbar”.

Das Planungsgebiet liegt im Nahbereich des Rodebachtales, das im Landesentwicklungsplan als landesweit bedeutsamer Biotopverbund und im Gebietsentwicklungsplan als Bereich zum Schutz der Natur ausgewiesen ist.

Das Grundstück liegt in einem Landschaftsschutzgebiet, in dem es laut Verordnung vom 5. Mai 1986 verboten ist, „bauliche Anlagen einschließlich Straßen, Wegen und Plätzen zu errichten”.

Das Bauvorhaben würde „die natürliche Eigenart der Landschaft” beeinträchtigen; zudem würden von ihm und dem damit verbundenen Marktgeschehen „schädliche Umwelteinwirkungen ausgehen”. Die Natur würde „bis weit über die Grenzen des Grundstücks hinaus” gestört.

Aufgrund des zu erwartenden Verkehrsaufkommens mit seinen Abbiegevorgängen und der Zufahrtssituation entstünde „eine konkrete Gefahr für die Verkehrsteilnehmer auf der L 117”.

Die ausgewiesene Parkfläche für fünf Pkw „reicht bei weitem nicht aus”. Unter Berücksichtigung des hohen Verkehrsaufkommens auf der L 117 - insbesondere an Wochenenden - „müssen ausreichende Besucher-Parkflächen in unmittelbarer Nähe der Marktstände” zur Verfügung stehen.

Nachtrag

Inzwischen hat der zurückgewiesene Interessent beim Kreis einen Antrag gestellt, in dem alten Zollhaus, das heute ein Wohn- und Geschäftshaus ist, statt des bisherigen Antiquitätenhandels künftig ein Fisch-Imbiss-Restaurant einrichten zu dürfen. Die Stadt Wassenberg hat bereits ihr Einvernehmen hierzu erteilt.