Vorbeugende Tötungsaktion abgeschlossen

Vorbeugende Tötungsaktion abgeschlossen

Kreis Heinsberg. Die Bedrohung aus den Niederlanden ist noch da, doch das vorsorgliche Geflügel-Töten in den drei Westgemeinden des Kreises Heinsberg fand am Dienstag ein Ende.

Die Bilanz: in rund 125 Geflügelhaltungen mussten zirka 4000 Tiere getötet werden, davon alleine rund 2000 in zwei Waldfeuchter Betrieben.

Mit der vorbeugenden Schutzmaßnahme, die am Samstag in Waldfeucht begonnen hatte und bis zum Nachmittag im Selfkant und einem Teil des Ortes Breberen (Gemeinde Gangelt) andauerte, führte der Kreis die Vorgaben des NRW-Landwirtschaftsministeriums aus, die eine Ausbreitung der im grenznahen Koningsbosch (NL) aufgetretenen Geflügelpest auf das Kreisgebiet verhindern sollen.

Die am Dienstag erlassene Sperrbezirks-Verordnung bleibt auch nach Abschluss der Tötungsaktionen im gesamten 10-Kilometer-Bereich in Kraft.

Einsätze in weiteren 25 Klein-Haltungen

Innerhalb des 3-Kilometer-Sperrbezirks wurden am Montag und Dienstag noch in 25 Haltungen Klein-Bestände beziehungsweise privat gehaltene Tiere getötet. „Hier geht der Tierarzt mit der Spritze vor”, erläuterte Kreispressesprecher Ulrich Hollwitz.

Das Spezialfahrzeug, in dem auf den größeren Waldfeuchter Betrieben Hühner - einer kommerziellen Schlachtung vergleichbar - per Strom reihenweise getötet worden seien, sei zuletzt nicht mehr zum Einsatz gekommen.

Der Kreis Heinsberg sei im übrigen kein von der Geflügelzucht geprägtes Gebiet, betonte Hollwitz. Kreisweit gebe es einen Gesamtbestand von zirka 100 000 Tieren, das entspreche in etwa der Stückzahl eines Großzuchtbetriebes.

Als umlaufendes Gerücht bezeichnete er die unter Geflügelhaltern aufgekommene ,Information, in den Niederlanden existiere anders als im Kreis Heinsberg lediglich ein Sperrbezirk von einem Kilometer Ausdehnung.

Richtig, so Hollwitz, sei vielmehr, dass sich das Landesministerium am niederländischen 3-Kilometer-Sperrbezirk orientiert habe.

Kreisveterinärsamtsleiter Dr. Franz-Josef Franken hätte sich sogar um einen 1-Kilometer-Sperrbezirk bemüht, diesen aber nicht durchsetzen können.

„Dass sich über diese Aktion niemand gefreut hat, versteht sich von selbst”, erklärte am Dienstag Dr. Franken: „Nicht nur für die Halter, auch für die Veterinäre und deren Mitarbeiter stellte die Aktion eine große Belastung dar.”

Widerstände gegen die Tötungsaktion hat es laut Kreis „nur bei wenigen Haltern” gegeben, letztlich habe doch „ die Überzeugungsarbeit der Veterinäre” geholfen. Keinerlei Polizeieinsatz zur Durchsetzung der Aktion sei nötig gewesen.

Tauben für die Krankheit „relativ unempfänglich”

Dass die Taubenbestände innerhalb des Sperrbezirks von der Tötung ausgenommen waren, erläuterte ein Sprecher des NRW-Landwirtschaftsministeriums gegenüber unserer Zeitung mit dem Hinweis darauf, dass Tauben im Gegensatz zu Hühnern für die Krankheit selbst „relativ unempfänglich” seien”, sie könnten die Geflügelpest-Erreger jedoch verbreiten. Daher reiche als Schutzmaßnahme das Zurückhalten der Tauben in den Schlägen und das Verbot von Wettflügen.

Halter, deren Tiere im Zuge der Vorsorge gegen die Geflügelpest getötet wurden, erhalten nach Auskunft des Kreises und Landwirtschaftsministeriums sowohl eine Entschädigung für die Kosten der Tötungsaktion als auch für die getöteten Tiere und nicht zu vermarktenden Eier.

Die Entschädigungen leisten je zur Hälfte das Landwirtschaftsministerium und die Tierseuchenkasse - Voraussetzung ist, dass der Bestand gemeldet und damit bei der Tierseuchenkasse registriert war.

Die Entschädigung für Tiere und Eier orientiert sich an den aktuellen Marktpreisen. Entschädigt wird jedoch nur der aktuelle Bestand, nicht der aufgrund der Schlachtung künftig entgehende Verdienst. Dies, so hieß es seitens des Ministeriums, gehöre zum „Lebensrisiko”.

Bundesgrenzschutz prüft Transporte

Der Bundesgrenzschutz führt weiterhin in enger Abstimmung mit dem Kreisveterinäramt Schwerpunktüberwachungen im Großraum Heinsberg durch. Ein Transporter, den die Beamten anhielten, hatte sechs Tonnen Eier geladen.

Da aber alle erforderlichen Unterlagen über Desinfektionen und Herkunft außerhalb der Sperrgebiete vollständig vorlagen, konnte der Lkw weiterfahren.

Inzwischen hat auch der Kreis Viersen, wie dessen Pressestelle und das NRW-Landwirtschaftsministerium mitteilten, einen Sperrbezirk eingerichtet, nachdem am Dienstag in einem Legehennen-Betrieb mit 300 000 Tieren im Roermonder Ortsteil Neer „ein neuer Verdachtsfall auf Geflügelpest” festgestellt wurde.

Die vom Kreis Viersen angeordneten Schutzmaßnahmen in der 10-Kilometer-Pufferzone gelten in Teilen der Gemeinde Brüggen und Niederkrüchten; insgesamt 18 Geflügelhaltungen sind zurzeit im Sperrbezirk betroffen.