Erkelenz: Vor den Ferien schieben die Pauker mit Bauklötzen

Erkelenz : Vor den Ferien schieben die Pauker mit Bauklötzen

Schon wieder in der sechsten Stunde Latein! Und dafür eine Doppelstunde Kunst morgens früh! Muss das wirklich sein?

Oft ärgern sich Schüler und Eltern gleich am ersten Schultag nach den Ferien, wenn der Klassenlehrer den Stundenplan fürs neue Halbjahr verkündet. Aber wer glaubt, dass die Gestaltung des Stundenplans reine Willkür oder gar böse Absicht sei, den belehrt Klaus Kaibel eines Besseren.

Das Cusanus-Gymnasium besuchen zurzeit 1758 Schüler. 111 Lehrer unterrichten an der Schule. Für Klaus Kaibel und seinen Kollegen Dieter Porschen beginnt deshalb wenige Wochen vor Beginn der Ferien eine Arbeit, um die sich nicht viele reißen. „Erst einmal müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein”, erklärt Klaus Kaibel. Die Schüler müssen ihre Fächerwahl getroffen haben, und der Schulleiter muss jedem Kurs und jeder Klasse die Lehrer zugeteilt haben.

„Bei uns wählen die Schüler in der Klasse sechs die zweite Fremdsprache, in der Klasse acht wählen sie den Differenzierungsbereich.” Dieser besteht aus entweder der dritten Fremdsprache oder einer Kombination aus Physik und Informatik, Mathe und Informatik, Erdkunde und Geschichte oder Kunst und Literatur.

Die Oberstufenschüler wählen nach den vorgeschriebenen Richtlinien ihre Kurse. Wenn die Schüler gewählt haben, ist Michael Bierbach gefragt: Der Schulleiter bestimmt, welcher Lehrer welchen Kurs übernimmt.

„Dabei muss er beachten, dass jeder Lehrer 25 Pflichtstunden zu unterrichten hat. Bei Teilzeitkräften ist die Zahl entsprechend geringer. Und außerdem wechseln wir generell die Lehrer in Klasse sieben und zehn”, erläutert Klaus Kaibel weiter.

Wenn schließlich die Listen des Rektors im Büro der Stundenplaner liegen, beschäftigen sich Klaus Kaibel und Dieter Porschen rund drei Wochen lang mit Klötzen und Schiebern: An drei riesigen Baukastensystem-Wänden tüfteln sie aus, wann die 5a ins Hallenbad darf und die 10c im Lateinunterricht schwitzen muss.

„Wir fangen immer von oben an: Von der Stufe 13 aus arbeiten wir uns kontinuierlich abwärts.”

Ein wenig erleichtert der Computer den beiden Planern die Arbeit: Er spuckt eine Liste aus, welche Kurse parallel liegen. Zum Beispiel der katholische und evangelische Religionsunterricht oder zwei verschiedene Englisch-Leistungskurse.

Könnte der Computer nicht gleich die ganze Arbeit übernehmen? „Nein, schließlich gehen wir nach pädagogischen Gesichtspunkten vor. Grob über den Daumen gepeilt sagen wir, ab der fünften Stunde ist mit den Schüler nicht mehr viel los.

Deshalb bemühen wir uns natürlich, Hauptfächer in die ersten Stunden zu verlegen. Außerdem wollen wir die Schüler nicht mit geballten Ladungen bombardieren: Englisch, Deutsch, Mathe und Französisch direkt hintereinander versuchen wir zu vermeiden. Auf der anderen Seite legen uns aber die äußeren Umstände Fesseln an.”

Keine geballten Ladungen für die Schüler

Denn alle Lateinlehrer zusammen reichen nicht aus, um allen Klassen nur in den ersten vier Stunden Unterricht zu erteilen. Im Gegenzug können sich die Sportlehrer nicht zerreißen und in der fünften und sechsten Stunde allen Klassen Volleyball und Turnen beibringen.

Also stehen Klaus Kaibel und Dieter Porschen mit ihren Bauklötzen vor den Wänden und bemühen sich, es allen recht zu machen. „Bei uns heißt es nicht einfach: Wo ist Platz? Wo schieben wir noch was rein? - Auch wenn manche das glauben”, betont Klaus Kaibel.

Jedes Klötzchen steht für eine Unterrichtsstunde. Und bei 111 Lehrern à 25 Pflichtunterrichtsstunden macht das 2300 Klötze, die zu platzieren sind.

Während einer der Planer an der Wand steht, wo die Lehrerkollegen auf die Kurse und Klassen verteilt werden, steht der andere an der Wand, wo die Klassen in den betreffenden Stunden den Lehrern zugeordnet werden.

„Natürlich müssen die beiden Wände übereinstimmen. Wir müssen am Ende also Korrektur lesen und prüfen, ob wir uns mit den Klötzen nicht versteckt haben.” Haben Kaibel und Porschen einen Fehler ausgemacht, ist Verputzen angesagt. „Das kommt fast regelmäßig vor. Aber Hauptsache, wir finden es, bevor es endgültig im Computer steht.”

Und bei alledem müssen die beiden beachten, dass nur eine begrenzte Anzahl von Fachräumen zur Verfügung. Außerdem sind keinem Lehrer mehr als vier Springstunden zuzumuten. Klaus Kaibel erklärt: „In der ersten Stunde Unterricht, und dann geht es erst in der fünften weiter, so etwas bezeichnen wir als Springstunden.”

Wenn dann zu Beginn des Schuljahres endgültig feststeht, ob manch ein „dauerkranker” Kollege wieder für die nächste Zeit ausfällt, müssen Kaibel und Porschen nochmals ran. Jetzt sind aber erst mal die Kästen, in denen die Klötze vor ihr Platzierung aufbewahrt werden, leer.

Sie füllen eine Wand des Stundenplanerraums fast aus und ähneln den Baumaterial-Kästen, wie man sie aus dem Baumarkt kennt. Die anderen Wände ringsum nehmen die Stecksysteme ein. Klaus Kaibel ordnet noch ein paar liegen gebliebene Unterlagen, dann schließt er die Tür: Das neue Schuljahr am Cusanus-Gymnasium kann beginnen.