Hückelhoven: Von Puszta-Klängen bis zu Swing-Melodien

Hückelhoven : Von Puszta-Klängen bis zu Swing-Melodien

Vier Saiteninstrumente aus Holz und vier begabte Tonkünstler - mehr braucht es nicht, um aus einem stürmischen Nachmittag ein musikalisch erquickliches Erlebnis zu machen.

„Wenn wir auf die Bühne gehen, wissen wir meistens nicht, was passiert”, beschreibt Markus Reinhard eher scherzhaft seine Lust zum Experimentieren. Er ist der Namensgeber des Markus-Reinhardt-Quartetts.

Auf der Geige beherrscht Reinhardt die Kunst der Improvisation ebenso vortrefflich wie seine Ensemblemitglieder Janko Wiegand (Rhythmusgitarre), Zoltán Püsky (Sologitarre) und Andreas Schilling (Kontrabass).

Zum Abschluss des Stadtmusikfestes holte „con brio” die Gruppe in das Foyer der Aula - dort erklangen alsbald rassige Puszta-Klänge sowie feinste Swing-Melodien.

Als Auftaktveranstaltung des Festes vor drei Wochen sei Musikliebhabern ein Chorkonzert dargeboten worden, erinnerte die „con brio”-Vorsitzende Dr. Eva-Maria Seidel. Die Expertin versprach den Zuschauern: „Und nun werden Sie etwas ganz anderes erleben”.

Sie sollte Recht behalten. Vor dem Hintergrund traditioneller osteuropäischer Sinti-Musik und französischem Jazz entwickelte das Quartett einen ganz individuellen Stil.

Damit hebt es sich deutlich von den gängigen „Sinti-Swing”-Gruppen ab. Die Musiker haben den Anspruch, nicht bloß die Stilmerkmale vergangener Zeiten zu reproduzieren, sondern ihre eigene Lebenswirklichkeit musikalisch auszudrücken.

Die einzelnen Stücke zeichneten sich aus durch den harmonischen Wechsel zwischen langsamen und schnellen Swing-Rhythmen, manchmal heiter, manchmal allerdings ein wenig schwermütig. Und über allem schwebte der helle Klang von Reinhardts Fiedel.

Leicht und ungekünstelt, aber niemals banal wirkte das unangestrengte Repertoire der ganz in schwarz gekleideten Band. Bei besonders gelungenen Sequenzen sparte das Publikum nicht mit anerkennendem Zwischenapplaus.

Die Sprache der Sinti und Roma sei keine Schriftsprache, erklärte Markus Reinhardt zwischen zwei Liedern. Nur in Form mündlicher Überlieferung werde sie von einer Generation an die nächste weiter gegeben.

Auch die Musik stelle ein wichtiger Bestandteil dieses Überlieferungsprozesses dar, leitete er ein Stück ein, das das Ensemble in der „Romanes” genannten Muttersprache der Sinti vortrug. Es war ganz augenscheinlich: Den Zuschauern gefiel es, bei Kaffee und Kuchen ansprechenden Klängen zu lauschen.