Hückelhoven: Visuelle Leckerbissen für Musikgeschichte

Hückelhoven : Visuelle Leckerbissen für Musikgeschichte

„Hat Ihnen ein Lied besonders gut gefallen? Vielleicht eine Zugabe?” - die schüchternen Fragen des jungen Moderators konnten nur von rhetorischer Natur sein, denn der überschwängliche Dauer-Applaus des Aula-Publikums war bereits Antwort genug.

„Lemon Tree” hieß die Zugabe des gymnasialen Schulorchesters, bestehend aus Schülern der Klassen fünf bis 13, und fiel damit etwas aus der Reihe.

Schließlich verriet der Titel des gut besuchten Konzertes, um welches musikalisches Zentrum das unverkrampft-fröhliche Spiel der Instrumentalisten kreiste: „Tänze - so oder so?!” Unter Leitung von Claudia Vieten musizierte sich das Orchester durch 300 Jahre Weltgeschichte. Ihr Startpunkt bildete die Renaissance, das Ziel der Reise war die Popmusik.

Besonders einfallsreich hatten Schüler der Klasse 9d die „weltweit wohl kürzeste Fassung” der romantischen Oper Der Freischütz von Carl Maria von Weber inszeniert. Sie bestand nämlich nur aus einer einzigen Szene. „Aber das Wesentliche ist drin”, beruhigte der Ansager. Zwar trumpfte die 9d nicht mit Gesang auf, doch gab es visuelle Leckerbissen in Form zweier mittelalterlich streng choreographierter Tänze.

Zeitgeschichtlich passende Kostüme gehörten selbstverständlich auch zur Gesamtdarbietung. Lektionen in Anatomie offerierte der so genannte Knochentanz der Klasse 6d. Unter der Fragestellung „Wie ist der menschliche Körper aufgebaut?” benannten die Schüler von Kopf bis Fuß so ziemlich jeden größeren Knochen. Gar nicht knöchern wirkten dabei ihre geschmeidigen Tanzschritte.

Zu den ausgewählten Musikstücken des Abends zählten unter anderem der wohl bekannte Marsch aus der Nussknackersuite von Peter Iljitsch Tschaikowski und zwei Tänze von Tilman Susato. Nach der Pause ging es mit einem argentinischen sowie einem peruanischen Beitrag zuerst folkloristisch zu, dann widmeten sich die Musiker der Populärmusik der Gegenwart.

Als Schüler der sechsten Klassen zu Lou Begas Superhit „Mambo Nr. 5” tanzten, stimmte das Publikum umgehend ein und klatschte im Rhythmus mit. Solist Christian Bach (Jahrgangsstufe 11) brachte am Klavier einen Trauermarsch von Franz Liszt zu Gehör.

Ein „spannendes Experiment”, das auch gelang, wagten die Unterhaltungskünstler ganz zum Schluss: Zu einem beschwingten Cha-Cha-Cha des Orchesters machte die Tanz-AG des Gymnasiums das Bühnen-Parkett unsicher. Erst seit sechs Monaten am Gymnasium tätig, hat Leiterin Claudia Vieten das Schulorchester von ehemals sieben auf 24 Musiker „anwachsen lassen” - darauf wies Rektor Walter Woltery erfreut hin und überreichte Vieten zum Dank einen Blumenstrauß.

Übrigens: Derzeit sucht das Orchester nach einem Namen. Vorschläge von Schülern des Gymnasiums werden gerne entgegen genommen. Der Gewinner oder die Gewinnerin des Wettbewerbes erhält eine CD.