Wegberg: Virtuelle Spurensuche zwischen Bits und Bytes

Wegberg : Virtuelle Spurensuche zwischen Bits und Bytes

Pfadfinder zeichnen sich gemeinhin durch ihr exzellentes Orientierungsvermögen aus.

Dass diese Fähigkeit sie auch beim Erkunden virtueller Welten nicht im Stich lässt, stellen die Fährtensucher jedes Jahr am dritten Oktoberwochenende unter Beweis.

Mehrere hunderttausend Jugendliche und junge Erwachsene sind mit dabei, wenn weltweit das „Jamboree of Communication” (JoCom) genannte Pfadfindertreffen startet.

Weder Kompass noch Landkarte brauchen die Teilnehmer, um sich gegenseitig zu finden. Stets griffbereit sollten sie hingegen einen Computer inklusive Internetanschluss haben, denn schließlich ist das „Netz” ihr gemeinsamer Treffpunkt. Auch die beiden Pfadfinder-Sippen Jaguar und Adler des Stammes Titus Brandsma machen sich auf die Reise in den Äther.

Über so genannte Chat-Rooms kann jeder mit jedem in Kontakt treten, egal ob sich das eine Ende der Leitung in Australien und das andere in Belgien oder England befindet. Chat-Rooms heißen spezielle Bereiche im Internet, die es „Surfern” ermöglichen, in schriftlichen Kontakt miteinander zu treten. Und genau den suchen die 25 Wegberger Stammesmitglieder zwischen 13 und 20 Jahren dann auch.

Finger huschen unablässig über klickende Tastaturen, und auf den Bildschirmen baut sich Textzeile um Textzeile aus. Betreten Besucher die „Tenne”, einen großen Raum im Pfadfinderheim Alexander-Lion-Haus, werden sie vom betriebsamen Surren der heiß laufenden Rechner empfangen. Und die technisch fitten Pfadfinder tippen natürlich, was das Zeug hält.

„Einige Teilnehmer besitzen leider keinen eigenen Rechner”, schildert Pfadfinderleiter Jan Abbink. „Deshalb sind wir froh, Sponsoren gefunden zu haben, die uns mit Systemkomponenten und Computern ausgestattet haben.”

Ein freundlicher Nachbar von Gegenüber habe sogar seinen schnelleren Internetzugang zur Verfügung gestellt - ein Verbindungskabel verläuft in luftiger Höhe über die „Straßenschlucht”.

Probleme seien bisher nicht aufgetreten, merkt Abbink erfreut an. Und der Eingeweihte weiß: Sollte doch einmal etwas schief gehen, ist guter Rat keineswegs teuer. Abbink, seines Zeichens Informatiker, und sein Leiter-Kollege Sven Mühlen, Student der Telekommunikationstechnik, kennen sich aus mit Bits und Bytes.

Was das Aussehen ihrer Gesprächspartner angeht, sind die jungen Pfadfinder im Internet bestens informiert. An vielen Orten der Welt zeichneten Webcams (Digitalkameras) Fotos auf. Auch die Wegberger Fährtensucher haben solch eine Kamera aufgebaut. Im Zehn-Minuten-Rhythmus entstehen Schnappschüsse, die umgehend ins Internet eingespeist werden.

Fünf Pfadfinderstämme gibt es im Kreis Heinsberg. Titus Brandsma beteiligt sich aber als Einziger am mittlerweile 45. JoCom. „Wir haben die anderen Stämme zu uns eingeladen”, informiert Mühlen. Nicht jeder verfüge eben über die technischen Möglichkeiten und über angemessene Räume.

Mühlen ist vom positiven Potential des neuen Mediums überzeugt: „Man trifft Gleichgesinnte und schafft Verbindungen.” So habe bereits eine Stammesgruppe aus der Eifel ihren persönlichen Besuch angekündigt.

Eins steht jedenfalls heute schon fest: Beim nächsten Jamboree of Communication geht Titus Brandsma mit „gut geölten” Tastaturen wieder an den Start.