Kreis Düren: Viele kritische Töne zum neuen Kinderbildungsgesetz

Kreis Düren : Viele kritische Töne zum neuen Kinderbildungsgesetz

Nicht die sommerlichen Temperaturen erhitzten die Gemüter, sondern die Fragen und Probleme rund um den Start des Kinderbildungsgesetzes am 1. August. Rund 60 Interessierte waren der Einladung der SPD im Kreis Düren und der Landtagsabgeordneten Liesel Koschorreck gefolgt, um über die Auswirkungen zu diskutieren.

„Das Gesetz spielt die Gemeinden, die Träger, die Erzieher und Erzieherinnen und die Eltern gegeneinander aus,” fasste Wolfgang Jörg, jugendpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, die Absichten der CDU/FDP-Landesregierung zusammen.

„Die von Jugendamt zu Jugendamt unterschiedlichen Elternbeiträge, die Existenz gefährdende Konkurrenz zwischen den Trägern und Einrichtungen, dies alles ist politisch gewollt. Ältere Erzieherinnen werden auf einmal zu einer finanziellen Belastung, Jahrespraktikantinnen in der Ausbildung erhalten keine Stellen mehr. Eltern, die viele Stunden buchen sind begehrter als solche, die nur geringere Pauschalen zum Erhalt der Einrichtung bringen”, erläuterte der Landtagsabgeordnete.

Jörg weiter: „Es kann nicht sein, dass von den 10 Milliarden Euro zusätzlicher Steuereinnahmen für NRW in den letzten drei Jahren kein Euro in die Kinder- und Bildungspolitik geflossen ist.”

Großer bürokratischer Aufwand

Ursula Dech von der Kita „Am Römerpark” und Gisela Baumsteiger von Kita St. Anna stellten heraus, dass der bürokratische Aufwand rund um Kibiz enorm sei und zu Lasten der pädagogischen Arbeit gehe. Es sei zudem problematisch für die Eltern wie für die Einrichtungen, dass ab der Buchung ein fester Rahmen für anderthalb Jahre festgelegt sei. „Auf Änderungen bei der Berufstätigkeit oder auf Umzüge können wir dann nicht mehr flexibel reagieren,” schildert Gisela Baumsteiger die Nöte der Familien. Kritisiert wurde von Erzieherinnen auch, dass man quasi wie ein Vertreter den Eltern möglichst viele „Buchungsstunden” verkaufen müsse, um die Zukunft der Einrichtung und des eigenen Arbeitsplatzes zu sichern.

Johannes Veith, Vorsitzender der Arbeiterwohlfahrt, die Träger von 21 Kindertagesstätten im Kreis Düren ist, betonte die Schwierigkeiten, gleichzeitig den Beschäftigten und den Eltern gerecht werden zu müssen und die wirtschaftliche Tragfähigkeit der Einrichtungen nicht aus den Augen zu verlieren. „Aus der Pauschale müssen wir alles finanzieren. Personalkosten genauso wie Energiekosten. Ein harter Winter kann dann jegliche Planung durcheinander werfen,” machte er seinem Ärger Luft.

„Wie die gebuchten Stunden verteilt werden können, darauf haben wir als Eltern keinen Einfluss,” so eine Stimme aus dem Publikum. Der Schwarze Peter liege aber nicht bei den Einrichtungen oder bei den Trägern, sondern bei der Landesregierung, sagte Liesel Koschorreck.