Heinsberg: Verstoß gegen Fasten einst mit Strafe bedroht

Heinsberg : Verstoß gegen Fasten einst mit Strafe bedroht

„Am Aschermittwoch ist alles vorbei.” - Noch klingt den Fastnachtsjekken die bekannte Karnevalsmelodie in den Ohren.

Doch mit dem Aschermittwoch beginnt die seit dem 7. Jahrhundert bekannte 40-tägige Fastenzeit und mit ihr das früher streng beachtete Verbot von Veranstaltungen jeglicher „Lustbarkeit”.

Nach dem Ende der fröhlichen Fastnachtstage war es einst in den Selfkantdörfern für jeden Pflicht, die Messe zu besuchen und sich das Aschenkreuz zu holen, das der Priester auf die Stirn zeichnet zur Erinnerung an die menschliche Vergänglichkeit: „Gedenke oh Mensch, dass du von Staub bist und wieder zum Staube zurückkehren wirst!”.

Die dabei benutzte Asche ist die Asche von geweihten Palmzweigen vom letztjährigen Palmsonntag.

Nach dem Gottesdienst war es früher Tradition, in die Gaststätte zu gehen und die Fastnacht mit dem Verzehr eines sauren Herings und fröhlichem Treiben zu beschließen.

Im 11. Jahrhundert war es Brauch, den Gläubigen, die es wünschten, am Kommuniongitter, das damals den Altarraum vom Kirchenschiff trennte, Asche aufs Haupt zu streuen.

In der katholischen Kirche ist Aschermittwoch, der in diesem Jahr im Zeichen des Gebets um den Frieden in Nahost steht, ein strenger Fast- und Abstinenztag.

In manchen Gegenden dehnt sich die Fastnacht nicht nur auf den Aschermittwoch aus, bis um 1580 war der Bußtag des Aschermittwoch ein Höhepunkt, der erst am darauf folgenden Sonntag endenden Fastnacht.

Bei der nun beginnenden Fastenzeit hat die Zahl 40 in der Kirche Tradition: Während der Sintflut regnete es 40 Tage und 40 Nächte.

40 Jahre mussten die Israeliten warten bis zu ihrem Zug in das gelobte Land, und 40 Tage lang fasteten Moses, Elias und Christus.

Für die Kirche ist das leibliche Fasten „ein unerlässlicher Bestandteil jeder intensiveren Besinnungszeit. Deshalb bleibt das Fasten an allen Werktagen der österlichen Bußzeit angeraten”.

Der Aschermittwoch ist zwar ein strenger Fast- und Abstinenztag ohne Fleischgenuss, auch wenn längst nicht mehr die strengen Fastenvorschriften vergangener Tage gelten.

Die „volle Mahlzeit”, die einst den Erwachsenen einmal am Tag zugestanden war, durfte kein Fleisch und ursprünglich keine Eier, keine Milch und keine Milchprodukte enthalten.

Der Gangelter Chronist Jakobus Kritzraedt (17. Jahrhundert) berichtet, dass sich die „frommen Voreltern von eyer, milch, butter, keeß und vor allem was vom fleisch herkommet”, enthalten haben.

Fastenverordnungen waren vor der Reformation gleichermaßen kirchliches wie weltliches Recht. Im Jahre 1536 befasste sich die kölnische Kirche, die für weite Teile es heutigen Landes Nordrhein-Westfalen zuständig war, auf dem Provinzialkonzil mit dem Festengebot.

Unter anderem wurden die Gläubigen darauf hingewiesen, dass „kostspielige raffinierte Fischgerichte” ebenso zu meiden seien wie der Genuss von Fleisch.

Schon damals also scheint das Fischessen zu Aschermittwoch mehr des Genusses wegen als des Fastens halber geübt worden zu sein.

Wer in der Fastenzeit Fleisch kaufte oder verkaufte wurde streng bestraft. 1611 mussten sogar in Köln einige Polizisten acht Tage bei Wasser und Brot einsitzen, weil sie an einem Freitag in einer Kneipe beim Fleischessen erwischt wurden.

Auch wenn das Fleischessen heimlich geschah, ohne Ärgernis zu erregen, wurde es bestraft. In Köln war sogar die Belieferung von „Unkatholischen” mit Fleisch in der Fastenzeit verboten.

Im Mittelalter wurde der von der Kommunion ausgeschlossen, der außer im Krankheitsfall in der Fastenzeit Eier gegessen hatte. Eier durften erst ab dem 17. Jahrhundert auf den Tisch kommen.

Der Verzicht auf Fleisch fiel dem Großteil der rheinischen Bevölkerung sicherlich nicht besonders schwer, da Fleisch fast nur bei wohlhabenden Leuten regelmäßig auf dem Speisezettel stand.

Wie die Bonner Volkskundler ermittelten, entsprachen die kirchlichen Fastenvorschriften weitgehend der täglichen Ernährung der meisten Rheinländer während des ganzen Jahres.

Favorit unter den Fastenspeisen war der Hering, der von holländischen Fischverkäufern ins Rheinland und dort in jeden Ort gebracht wurde.

Im großen Pestjahr 1666 wurde mit päpstlicher Bewilligung das Fasten- und Abstinenzgebot außer Kraft gesetzt. Und als die Franzosen unter Napoleon das Rheinland besetzten, wurde dem Fastengebot weltlicherseits die Rechtsgrundlage entzogen.

Erst als Napoleon Frieden mit der Kirche geschlossen hatte, wurden Fasttage wieder zugelassen.