Kreis Düren: Vater Rhein soll Löcher füllen

Kreis Düren : Vater Rhein soll Löcher füllen

Ein von der Stadt Düren in Auftrag gegebenes Gutachten, das die klassische Rekultivierung des Restlochs vom Tagebau Inden dem nun gewünschten See gegenüberstellt, hat beim Kreis Düren Irritationen ausgelöst.

Landrat Wolfgang Spelthahn sagte, man sei von der abweichenden Stellungnahme der Stadt überrascht. Ihm sei nicht an einer streitigen Diskussion gelegen, vielmehr wolle er die Ausgangslage beleuchten. Und die sieht so aus: 1600 Hektar Tagebau, die bisher nicht für eine andere Verwendung zur Verfügung standen, gilt es künftig zu nutzen.

Den Einwand, mit der See-Variante treffe man eine unumkehrbare Entscheidung, lässt Spelthahn nicht gelten. Dies sei auch bei einer Verfüllung mit Erde der Fall.

Der Landrat verteidigt seine Ansicht, dass ein 1100 Hektar großer See für den Kreis und die Region „die attraktivere Perspektive” darstelle. Der Blick auf 1600 Hektar Ackerfläche sei „auch nicht eben prickelnd”. Und: Bei Verfüllung mit Abraum aus Hambach würde eine etwa 60 Meter breite Förderband-Trasse den Kreis Düren auf viele Jahre hinaus zerschneiden.

Eine Verfüllung mit Erdreich, so gibt Spelthahn zu bedenken, sei auch nicht mit einem Fingerschnipsen zu erledigen; sie nehme viele Jahre in Anspruch. Bei der See-Lösung hält Spelthahn eine Beschleunigung der Verfüllung für praktikabel.

Er habe in Gesprächen mit RWE angeregt, das Tagebau-Restloch nicht nur mit Rur-Wasser zu speisen, sondern zeitgleich eine Verbindung zum Rhein zu schaffen. Damit könnte man den Zeitraum der Verfüllung mit Wasser von 25 Jahren auf etwa die Hälfte verkürzen.

Rheinwasser nach Inden - das sei keinesfalls reine Utopie. Bereits Ende der 60er Jahre hat der Rheinbraun-Direktor Dr. Erwin Gärtner eine solche Lösung für die Verfüllung des Tagebaues Hambach vorgeschlagen. Die Leitung im Vorgriff auf die Hambach-Flutung bauen und um ein paar Kilometer verlängern - das ist für Spelthahn eine denkbare Möglichkeit.

Den Dürener Einwand, man verzichte mit einem See auf die gewerbliche Nutzung wertvoller Flächen, hält man beim Kreis Düren nicht für stichhaltig. Im Kreis stünden derzeit rund 367 Hektar Flächen für die Gewerbeansiedlung zur Verfügung, davon etwa 100 bei der Stadt Düren. Das Problem bestehe nicht im Flächenangebot, sondern in der Kunst, Unternehmen anzusiedeln.

Beim Kreis Düren hält man deshalb „einen vernünftigen Mix aus zwei Dritteln Wasserfläche und einem Drittel Neuland” für eine gute Lösung bei der Rekultivierung des Tagebaues.

Im Kreishaus wird kritisiert, dass die Stadt Düren sich in ihrem eigenen Gutachten nicht mit diskussionswürdigen Alternativen beschäftigt, sondern ihre Energie darauf verschwende, das Prognos-Gutachten zu zerpflücken.

Spelthahn stellte klar: „Wir haben die Expertise nicht in Auftrag gegeben, sondern die Bezirksregierung.” Die Wahl des Gutachters (Prognos) sei mit Zustimmung der Stadt erfolgt, erinnerte der Landrat.

Die sollen bald fallen. Der Braunkohlenausschuss wird voraussichtlich im März nächsten Jahres über die von der Gemeinde Inden angeregte Änderung der Rekultivierungspläne entscheiden. Danach folgt die Bestätigung durch die Landesregierung.

Für den Landrat steht schon heute fest: „Der Kreis Düren wird durch 1600 Hektar Ackerfläche für künftige Generationen nicht attraktiver.”