Urteil milder als vom Staatsanwalt gefordert

Urteil milder als vom Staatsanwalt gefordert

Kreis Heinsberg. Am Freitag fiel am Aachener Landgericht das Urteil im Prozess gegen einen 46-jährigen Mann, der einen 34-Jährigen in der Geilenkirchener Wohnung einer gemeinsamen Bekannten niedergestochen hatte.

Für vier Jahre wandert der pensionierte Postbeamte wegen Körperverletzung mit Todesfolge ins Gefängnis. Somit liegt das Urteil des Vorsitzenden Richters der 1. Schwurgerichtskammer, Dr. Gerd Nohl, unter dem von der Staatsanwaltschaft geforderten Strafmaß von sechs Jahren Haft und Unterbringung in einer Entziehungsanstalt.

„Die Wahrheitsfindung gestaltete sich extrem schwierig, da der Angeklagte, Opfer sowie Zeugen dem Alkohol verfallen waren”, sagte der Richter in seiner Urteilsbegründung.

Alkoholgehalte von nahezu vier Promille im Blut standen bei den Beteiligten an der Tagesordnung. Daraus resultierende Hirnschäden ließen an dem Wahrheitsgehalt der Zeugen starke Zweifel aufkommen.

„Der gelernte Postbeamte wurde bereits im Alter von 37 Jahren frühzeitig pensioniert -Êwegen gesundheitlicher Schäden, die wohl auf die starke Trinkgewohnheit zurückzuführen sind”, sagte der Richter.

Am 14. Mai dieses Jahres hatten der Angeklagte und sein Opfer den ganzen Tag über an der Wurm in Geilenkirchen Alkohol getrunken. In der Wohnung einer gemeinsamen Bekannten wurde weiterhin getrunken.

Plötzlich sei es zum Streit gekommen: „Mein Opfer schubste unsere Bekannte zu Boden und ich ermahnte ihn, sich in einer fremden Wohnung zu benehmen”, sagte der Angeklagte im Prozessverlauf aus.

Daraufhin sei das spätere Opfer wütend geworden und habe den Angeklagten an den Hals gepackt. Der Angeklagte will ein Messer in der Hand des Opfers gesehen haben.

Mit einem Jagdmesser habe sich der pensionierte Postbeamte zur Wehr gesetzt und einmal zugestochen: Die zehn Zentimeter lange Klinge drang in die linke Brust ein und verletzte die rechte Herzkammer.

Das Opfer konnte sich noch auf die Straße schleppen, starb aber nach erfolglosen Wiederbelebungsversuchen gegen 21.30 Uhr im Krankenhaus Geilenkirchen.