Selfkant-Tüddern: Über 1200 Unterschriften gegen Teuderion

Selfkant-Tüddern : Über 1200 Unterschriften gegen Teuderion

Mareike Honings von der Interessengemeinschaft gegen das Projekt „Teuderion” und für den Erhalt der Westerheide als Naturschutzgebiet überbrachte jetzt Bürgermeister Willi Otten eine Liste mit über 1200 Unterschriften.

Der Unmut in der Bevölkerung gegen die Gemeindeverwaltung nehme zu, mehr als zehn Prozent der Selfkantbevölkerung sei unzufrieden mit der Politik der Mehrheitsfraktion in Sachen „Teuderion”.

Verärgert zeigten sich auch die „Oppositionsparteien” im Selfkant. Von hier aus wurden einige Anfragen an den Bürgermeister gerichtet. Man bat ihn, ein neues Gutachten zur Verfügung zu stellen, zumal am 16. Juli die nächste Sitzung des Regionalrates der Bezirksregierung in Köln anstehe und über dieses Gutachten beraten werden solle.

„Diese Sitzung ist die Basis für die Entscheidungskommission”, sagte Hans-Josef Laumanns von der Selfkant-FDP. Ein Anruf in Köln habe genügt, um vom Regionalrat das neue Gutachten zu erhalten, da seine Fraktion vergeblich auf Antwort des Bürgermeisters gewartet habe.

Die Initiative möchte das Naturschutzgebiet in seiner jetzigen Form erhalten. Es besteht die Befürchtung, dass die Seniorensiedlung Altersruhesitz und Stadtpark von Sittard werden könne.

„Die Gemeinde spielt hier nicht mit offenen Karten, unsere Anfragen blieben bisher ergebnislos. Die Sitzungen in Köln sind allesamt öffentlich - warum macht die Gemeinde hier stets einen Zirkus mit dieser Geheimnistuerei? Oder möchte man auf schnellste Weise dieses Projekt noch vor den Kommunalwahlen im September durchdrücken?”, übt Heinz Fiegen vom FDP-Fraktionsvorstand im Selfkant Kritik.

„So behandelt man keine gewählten Vertreter der Bürger”, meint Laumanns stellvertretend für die Oppositionsparteien im Selfkant. „Die Mehrheitsfraktion will die Bürger informieren und hält diese dabei bewusst für dumm”, so Fiegen weiter und sieht dabei den Bürgermeister derzeit als „Spielball der eigenen Partei”. Im Grunde sei man nicht negativ gegenüber dem Projekt eingestellt, man wünsche sich nur einen anderen Standort.

Wenige Tage vor der Sitzung beim Regionalrat der Bezirksregierung in Köln mit der Beratung über die Änderung des Gebietsentwicklungsplanes ist es der Bürgerinitiative gelungen, einige Vertreter des Regionalrates zu einer Podiumsdiskussion einzuladen. Am Montagabend, 12. Juli, findet nun im Bauernmuseum diese Diskussion statt, zu der auch Bürgermeister Willi Otten eingeladen wurde.

Die Planung, abseits des Siedlungsschwerpunktes der Gemeinde Selfkant, sei mit den Zielen des Landesentwicklungsplans (LEP) nicht in Einklang zu bringen sei. Aus Sicht des Naturschutzes bestünden erhebliche Bedenken gegen die Verwirklichung des Projektes an diesem Standort. Dieser liege inmitten der Westerheide, einem der wenigen Waldgebiete im westlichen Kreisgebiet.

Die Fläche übe nicht nur eine wichtige Erholungsfunktion für die Bevölkerung aus, sondern stelle auch ein wichtiges Rückzugsgebiet für besonders geschützte Tiere und Pflanzen dar, gibt NABU-Vorsitzender Oliver Gellißen zu bedenken. Auch das Biotopkataster der LÖBF weise die Fläche als naturschutzwürdig aus. Der NABU lehne den Standort für das „Teuderion” ab und habe dies bereits der Bezirksregierung mitgeteilt.

Die Landratskandidatin der Grünen, Maria Meurer, sowie Kreisvorstandssprecher Jürgen Benden haben sich mit der stellvertretenden Vorsitzenden des Regionalrats Köln, Bettina Herlitzius, vor Ort über die Bedenken der Bürger gegen „Teuderion” informiert. „Wenn man sieht, wie sich hier Fauna und Flora entwickeln und wie viele alte Bäume wegen der Neubauten gefällt werden müssten, kann ich den Ärger der Bevölkerung verstehen.

Außerdem”, so Meurer, „glaube ich nicht, dass hier ansässige Gewerbebetriebe einen Vorteil dadurch haben.” Jürgen Benden sicherte die Unterstützung seiner Partei zu. Dass man heute noch solche „Satellitenstädte” plane, sei unvorstellbar. Bettina Herlitzius will sich auf der Regionalratssitzung für eine Vertagung „der Einleitung des Verfahrens” einsetzen.