Traum oderTrauma?

Traum oderTrauma?

Dass man auch im hohen Alter noch ganz neue Erfahrungen machen kann, erfuhr ich beim Besuch der außerordentlichen Hauptversammlung der Aktionäre der Umweltkontor AG. Erste Erfahrung: Bei Abstimmungen wird auf solchen "Events" ganz kapitalistisch Kapital gezählt.

Ergebnis beispielsweise: 11.653.697 Euro Gesamtkapital dagegen, 18.943 Euro dafür = 0,1629 Prozent des Gesamtkapitals - abgelehnt, klare Sache. Zweite Erfahrung: Ohne Handy am Ohr wirst du sofort als Outsider geoutet.

Da kann das Beinkleid von Ermenegildo Zegna noch so blaugrausilbrig schimmern und der Brilli im Ohr noch so glänzen: Handy ist das bedeutungsschwangere Muss für den Aktionär bei Versammlungen.

"Ich hab n paar Aktien"

Dritte Erfahrung: Wichtiger als die Infos, die bis in die Haarspitzen informierte Brooker im Auftrag "fremder Dritter" gnadenlos erfragen, ist für viele Aktionäre die Qualität des Buffets: "Kein Vergleich zur Telekom. Da lob ich mir den Ron Sommer", schwelgte eine Dame, offenbar aus dem Hessischen auf der Aktionärsversammlungsrundfahrt in Erkelenz Station machend, in seligen Erinnerungen. Immerhin hat der Umweltkontor-Vorstand 100.000 Euro als Kosten für die Versammlung in die Bücher geschrieben. Vierte Erfahrung: Man trägt seinen Aktionärsstatus offensiv zur Schau.

Bei einer Tasse Kaffee stach mir die kleine, leuchtend rote Anstecknadel am Revers des dunklen Tuches eines älteren Herrn ins Auge: Leica! "Sie fotografieren auch", versuchte ich ein Gespräch. "Nein. Aber ich hab n paar Aktien." Fünfte Erfahrung: Es wird viel geredet und gemanagt - warum, weiß nach sieben Stunden niemand: 99,7 Prozent des Grundkapitals stimmten für den Beschlussvorschlag. Minimal weniger Zustimmung nur als kürzlich Saddam Hussein bei seiner Volksbefragung erhielt. Traum oder Trauma?