Heinsberg: Tränenfluss nicht nur vor Lachen

Heinsberg : Tränenfluss nicht nur vor Lachen

Anne Weiss und Stefan Bonner waren begeistert. Die jungen Autoren waren zum ersten Mal mit ihrem Buch unterwegs und zum ersten Mal in Heinsberg zu Besuch.

Und: Sie waren überrascht von der überaus großen Resonanz auf die Lesung zu ihrem Buch „Generation Doof”. Über 60 Zuschauer hatten den Weg in die Buchhandlung Gollenstede gefunden.

Nach der Begrüßung durch Gastgeber Rainer Gollenstede stiegen die beiden Autoren gleich in die höchst amüsante Lesung ein. Über eine Stunde ging es abwechslungsreich um „Alles-Woller” und „Nichts-Könner”, so umschreiben sie die Vertreter der „Generation Doof”, zu der sie sich auch selbst zählen.

Und alle, die dazu gehören, müssten eigentlich mit ständiger Angst durchs Leben gehen, Angst nämlich, der Doofheit überführt zu werden.Mit Stilblüten und autobiografischen Episoden lockerten Stefan Bonner und Anne Weiss die Lesung auf. So wurden Bonners Erlebnisse als „Zivi” vom Publikum genüsslich aufgenommen.

Das Inhalt des Buches selbst treibt dem Leser ebenfalls mitunter die Tränen ins Auge, nicht nur vor Lachen. Denn dort steht schwarz auf weiß: Es geht bergab mit Deutschland.

Und mit dem Intelligenzquotient. Intelligenzforscher haben nämlich herausgefunden, dass der durchschnittliche IQ seit den ersten Tests Anfang des vorigen Jahrhunderts kontinuierlich anstieg, zwischen 1954 und 1981 sogar um 17 Prozentpunkte. Doch dann kam es zum Bildungs-GAU: Mittlerweile steigt der Intelligenzquotient nicht mehr, sondern er sinkt: seit Ende der 90er Jahre um zwei Punkte pro Jahr.

Natürlich sind Intelligenz und Bildung nicht das gleiche. Jedoch, so befürchten die Autoren: „Wenn im Oberstübchen nicht besonders viel Licht brennt, kommt man über ein möglicherweise vorhandenes Grundpotenzial an Bildung nicht weit hinaus.”

Jedenfalls trägt auch ein hoch dosierter „Input” durch die so genannten Neuen Medien nicht zwangsläufig dazu bei. Gespickt mit vielen amüsanten Beispielen, streiften die Autoren durch die Berufs- und Bildungswelten, durch Erziehung und Beziehung, durch Freizeit und Unterhaltungswelt.

Der Zuhörer bekam den Eindruck: Die Generation Doof lässt sich gern „einlullen”. Zudem: Manieren hat sie nicht, Etikette lässt sie sausen. „Aber wie ist es mit der Generation Doof und ihren Kindern?” - wurde aus dem Publikum gefragt. Anne Weiss: „Das beißt sich. Aber Hauptsache, das Kind entfaltet sich...”

Jahrelange Beobachtungen im Alltagsleben und im Fernsehen haben den Autoren viele Fakten und Zündstoff geliefert, die in ihr Buch eingeflossen sind und Seite für Seite für explosionsartige Entladungen sorgen, die das Zwerchfell erschüttern.

Wenn dahinter nicht eine herbe Portion Fatalismus stecken würde, könnte man sich ruhig schlafen legen. Aber, es liegt die Realität zu Grunde. So überrascht es kaum, dass sich der Lehrer in der Schule heute etwa als Konkurrent zu Dieter Bohlen sieht.

Das Buch zieht keine Altersgrenzen. „Die Grenzen sind fließend”, sagte Stefan Bonner. „Wir wollen, dass sich der Leser womöglich erkennt, ob 15 oder 45, denn dann hat er die Möglichkeit etwas zu ändern.”