Erkelenz: Tournee-Theater begeistert mit Kishon-Werk

Erkelenz : Tournee-Theater begeistert mit Kishon-Werk

Haben Sie sich schon einmal vorgestellt, das klassische Liebespaar der abendländischen Literatur, Romeo und Julia, wäre in der bewussten Nacht in der Gruft der Capulets nicht gestorben?

Genau dieser Frage ging der Autor, Ephraim Kishon nach. Da sie ihm aber niemand beantworten konnte, gab er sie sich schließlich selbst: Er schrieb in seiner unnachahmlichen ironisch-zynischen Art den endlosen Streit eines Ehealltags um Geld, Abwasch und die Kardinalfrage: Liebst Du mich eigentlich noch?

Eben das, was seiner Meinung nach nach 29 gemeinsamen Jahren allen Liebenden passieren könne. So glaubt Kishon auch daran, dass „die zwei größten Fiaskos der Menschheit de Ehe und die Einkommenssteuer sind.”

Beide Institutionen seien gegen die menschliche Natur. Es sei schlicht gegen die menschliche Natur, dass ein Mensch Tag und Nacht arbeite müsse, und dann komme ein anderer und nehme ihm neun Zehntel davon weg.

Und ebenso sei es gegen die menschliche Natur, „dass man mit nur einer Ehepartnerin ein ganzes Leben ohne andere Verbindung verweilen soll.”

Das Tournee-Theater aus Greve ließ die beiden Liebenden, Romeo (Peer Augustinski) und Julia (Gisela Ferber) in Erkelenz wieder auferstehen. Sie führten in der gut besuchten Stadthalle das heitere Trauerspiel von Kishon „Es war die Lerche” und ernteten für die großartige Darbietung viel Beifall.

In Kishons Werk ist aus dem einst jungen und völlig in Julia vernarrten Romeo Montague ein Ballettlehrer „mit dem typischen Nervenkostüm eines ganz normalen Ehemannes” geworden. Und Julia hat sich zu einer um ewige Jugend ringende Hausfrau und verkniffene Nörglerin entwickelt.

Das strahlende Licht immer währender Liebe ist erloschen, geblieben ist den beiden nur die Kostümierung ihrer Jugendzeit. Sie zeigen einen Ehealltag, in dem es Wut und Widerwillen, Frust und böse Freude gibt.

Um das Trio komplett zu machen, bringt Kishon sogar noch den Dichter Shakespeare ins Spiel. „Euer Treiben schafft mir Pein”, sagt er zutiefst bestürzt und betritt durch die Wand die Bühne. Shakespeare wird sogleich zur Zielscheibe und hat nun seine liebe Not, sich der Vorwürfe seiner beiden Geschöpfe zu erwehren.

Ein Feuerwerk von Gags und Pointen nimmt seinen Lauf. Die Schauspieler schienen ihre Rollen geradezu zu genießen und ihre Spielfreude riss das Publikum von der ersten Szene an mit.

Es machte richtig Spaß zu zuschauen, wie Gisela Ferber die Rolle der Julia Montague-Capulet spielte, und wie Peer Augustinski als Ballettlehrer Romeo Montague auflebte.

Bleibt wohl abschließend nur noch die Frage zu klären, ob es die Nachtigall oder die Lerche war, die sang, als Romeo und Julia sich verliebten.