Tötungsaktionen halten Kreis Heinsberg in Atem

Tötungsaktionen halten Kreis Heinsberg in Atem

Kreis Heinsberg. Nach den Sonntagsmessen läutete am Sonntag für 3500 Hühner und 100 andere Geflügeltiere bei 70 Haltern das letzte Glöcklein.

Bereits am Samstag waren in Waldfeucht wegen der in Koningsbosch (NL) aufgetretenen Geflügelpest 2493 Hühner sowie 59 Stück weiteres Federvieh in 28 Haltungen, darunter zwei Betriebe mit 1000 bzw. 900 Hühnern, vorbeugend getötet worden.

Am Sonntag setzten die Behörden die Maßnahmen in Bocket fort, wurden aber auch tätig an anderen Orten innerhalb des 3-Kilometer-Sperrbezirks um Koningsbosch, in dem alles Geflügel getötet werden muss: in einem Ortsteil von Gangelt- Breberen sowie in den Selfkant-Orten Saeffelen, Heilder, Stein, Havert und Schalbruch.

Das Kreisveterinäramt rechnet damit, die Tötungen im Sperrbezirk bis Montagabend zu beenden. Auf deutscher Seite gibt es laut NRW-Agrarministerium bislang keine Auffälligkeiten.

„Seit 33 Jahren halte ich Geflügel, noch nie hatte ich eine Krankheit im Stall und nun so etwas...” Hans Bischofs, Inhaber einer der betroffenen Betriebe in Waldfeucht, ist fassungslos. Seine rund 1000 Hühner sind gesund - und doch muss er sich laut Bundesseuchengesetz einverstanden erklären, dass alle getötet, abtransportiert und in der Tierkörperbeseitigungsanstalt in Linnich entsorgt werden.

Es ist nicht nur der oft erhebliche materielle Schaden, der zu schaffen macht. „Die Niederländer hätten beim Auftreten der Geflügelpest konsequent durchgreifen müssen, aber auch entsprechend entschädigen sollen, dann hätten alle mitgezogen und es wäre nicht so weit gekommen”, ist Hans Bischofs überzeugt.
Das Ortsschild von Waldfeucht hat einen wenig schmückenden Zusatz erhalten „Geflügelpest-Sperrbezirk”. Die

Frühlings-Idylle war in etlichen Orten des Westkreises trügerisch. In Gärten und Stallungen waren gestern von Schutzanzügen verhüllte Veterinäre und Helfer in vier Teams bis etwa 18.30 Uhr unterwegs, um erneut Geflügel einzusammeln und zu töten.

„Keine einfache Aufgabe, bei der es auch sehr viel Überzeugungsarbeit zu leisten gibt”, weiß Dr. Franz-Josef Franken, Leiter des koordinierenden Kreisveterinäramtes. So verständlich emotional manche auch reagierten, am Ende habe angesichts der dramatischen Lage in den Niederlanden (bisher 11 Mio. getötete Tiere) die Zustimmung überwogen, sagte Kreispressesprecher Ulrich Hollwitz.

Mit einigem Unverständnis nahmen jedoch nicht nur direkt Betroffene die Ausnahme der Tiertötungen für Tauben zur Kenntnis. Inzwischen bewegt auch eine andere Frage die Halter: Während in den Niederlanden der Radius des Sperrbezirks nur einen Kilometer betrage, in dem das Geflügel getötet werde, seien es auf deutscher Seite drei - und das laut EU-Recht.

„Wie ist diese unterschiedliche Auslegung möglich?” hätte Hans Bischofs von Ministerin Höhn gerne eine öffentliche Erklärung. Bei einem Kilometer würden die Hühner nicht nur in Waldfeucht noch leben...

Der Bundesgrenzschutz überwachte den Grenzübergang in Waldfeucht, um die Einfuhr von Tieren und Eiern zu verhindern. Trotz des Verbotes musste am Samstag im Sperrbezirk ein Tiertransport zurückgewiesen werden.

Überwacht wurde die Tötungsaktion in Waldfeucht von Karl-Heinz Jäger als Technischem Sachverständigen des Landesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Jagd sowie von den Veterinären Dr. Andrea Blankenhorn, Bezirksregierung Köln, und Dr. Birgit Jahn, Bezirksregierung Düsseldorf.

Die Kosten der Aktion übernimmt zu 50 Prozent das Landwirtschaftsministerium, 50 Prozent verbleiben als Eigenanteil beim Betroffenen, der diesen allerdings über die Tierseuchenkasse erstattet erhält.

21 Tage lang dürfen die Stallungen nach der Desinfektion nicht neu bestückt werden. Doch so lange die Geflügelpest nicht gebannt ist, werden wohl keine neuen Hühner eingesetzt, „sonst haben wir nach 30 Tagen das Gleiche schon wieder”, hört man von Seiten der Halter.

Nach Aufrufen in den Medien und per Lautsprecher haben sich seit Freitag bis zum späten Sonntagnachmittag kreisweit 258 Geflügelhalter gemeldet, die noch nicht registriert waren.