Kreis Heinsberg: Todesstoß oder Neuanfang? Gemeinden sollen fusionieren

Kreis Heinsberg : Todesstoß oder Neuanfang? Gemeinden sollen fusionieren

Der Patient Kirche ist schwer krank; deswegen hat das Aachener Bistum nun eine weitere Operation am offenen Herzen beschlossen.

Nach mittlerweile achtjährigen zähen Verhandlungen über die Schaffung von sogenannten Gemeinschaften von Gemeinden (GdG) werden nun im gesamten Bistum Pfarrgemeinden zusammengelegt.

Gestern morgen hatten auch im Kreis Heinsberg elf Gemeinden Post im Briefkasten, unterzeichnet von Bischof Heinrich, dem Aachener Oberhirten.

Es war ein dreiseitiger Brief, in dem der Aachener Bistumsführer zu einen die kirchenrechtliche Grundlage für seine Entscheidung darzulegen versuchte, zum anderen aber auch Sinn und Zweck der neuerlichen tiefgreifenden Veränderungen in den Verwaltungs- und Organisationsstrukturen des angeschlagenen Kirchenriesen .

Nicht zuletzt deshalb war gestern auch eine Abordnung der Aachener Kirchenverwaltung im Bistum unterwegs und versuchte vor Ort, über Sinn und Unsinn der geplanten Maßnahmen zu informieren.

„Wir haben immer noch eine XXL-Vorstellung von Kirche, vergessen dabei aber, dass wir nicht mehr in den Sechzigerjahren leben”, sagte Bernd Wolters vom Bischöflichen Generalvikariat. Der Geilenkirchener Regionaldekan Winfried Müller ging sogar noch weiter; er sagte sinngemäß: Wer Kirche auf Dauer retten will, muss Einschnitte hinnehmen.

„Wir haben einen dramatischen Einbruch bei den Priesterzahlen, bis 2017 wird die Zahl bistumsweit von heute noch 344 auf 175 Priester sinken. Wenn wir es jetzt nicht schaffen, die Strukturen zu verschlanken, wird die Seelsorge fast unmöglich gemacht.”

Heute schon sei es für viele Priester eine höchst belastende Situation, nicht nur Seelsorge für immer mehr Menschen in ihren Sprengeln zu leisten, sondern gleichzeitig auch die Verwaltung von immer mehr Pfarrgemeinden zu gewährleisten. In einigen Gemeinschaften der Gemeinden sind bis zu 17 Pfarren organisiert.

Ziel der bischöflichen Aktion ist nun, dass die betroffenen Gemeinden „Koalitionsverhandlungen” aufnehmen. „Das ist ganz ähnlich wie in der Politik”, formuliert Bistumspressesprecher Franz Kretschmann, „dabei werden die Menschen in den Gemeinden auch unpopuläre und schmerzhafte Entscheidungen treffen müssen”.

Es sei dem Herrn Bischof durchaus klar, dass die Emotionen in den kommenden Wochen hochkochen würden. Man werde aber die betroffenen Pfarren von Seiten des Bistums kontaktieren und begleiten.

Übrigens: Ausschlaggebend für die Auswahl der Pfarren, die zusammengelegt werden, waren die räumliche Nähe zueinander und ein Augenmerk darauf, dass sie auch von den Sozialstrukturen zusammenpassen, sagt das Bistum.

Sicher ist: Bei der Zusammenlegung geht es vornehmlich um die Seelsorge, nicht ums Geld. Vorläufig sollen zumindest keine Kirchen- oder Pfarrheimsgebäude verkauft werden, und auch die Schlüsselzuweisungen sollen nicht gestrichen oder halbiert werden.

Fusions-Kandidaten:

In der GdG Wegberg werden St. Peter und Paul und St. Vinzenz/Beeck zusammengelegt. In der GdG Wassenberg sind St. Georg und St. Mariä Himmelfahrt betroffen; in der GdG Hückelhoven müssen St. Barbara und St. Lambertus fusionieren.

In der GdG Geilenkirchen sind St. Mariä Himmelfahrt und St. Johann Baptist/Hünshoven betroffen, und in Übach-Palenberg werden St. Fidelis/Boscheln, St. Dionysius/Frelenberg und St. Theresia/Palenberg zusammengelegt.

Das Bistum gibt den betroffenen Pfarren bis September Zeit, um sich einig zu werden, im Oktober fällt die endgültige Entscheidung. Zieldatum für die Zusammenlegung: 2010.