Braunsrath: Titanische Klänge und perlend leichtes Spiel

Braunsrath : Titanische Klänge und perlend leichtes Spiel

Bereits zum dritten Mal gab der Heerlener Klaviervirtuose Paul Huijts (40) einen Klavierabend der Sonderklasse, der von Mal zu Mal mehr Besucher anzieht.

Der stets bescheiden und zurückhaltend wirkende Pianist ist dem Verein seit 1990 künstlerisch wie menschlich eng verbunden.

Dank seiner breiten Interessen vermittelt er den Besuchern einen repräsentativen Überblick über die elitäre Klavierliteratur.

Diesmal spielte Paul Huijts den selten zu hörenden Busoni sowie Mozart, Mendelssohn-Bartholdy und Schubert. Der Deutsch-Italiener Ferruccio Busoni nimmt eine Schlüsselstellung für die moderne Musik ein.

Wegen seiner extravaganten Spielkunst wird er auch mit Liszt verglichen. Andererseits ist er nicht unumstritten, wegen seines perfektionierten „Abkupferns”.

Busoni befasste sich so eingehend mit Bach, dass er ihn vollendet nachzuahmen verstand. so auch in der zu Beginn gespielten Chaconne, die auf Bachs Partita für Violine Solo fußt.

Die Chaconne stellt hier eine Komposition mit Variationen über eine ständig wiederkehrende Bassfigur dar - für Busoni Anlass, alle Register zu ziehen und sich ins Titanische zu steigern.

Huijts auf dem italienischen Flügel wuchs über sich hinaus, namentlich bei den ausbruchartigen Steigerungen. Dieses Werk scheint seine Favoritenrolle zu spielen, führt es doch auch seine CD an.

Es gab wohl niemanden im Saal, den diese mitreißende, wechselstimmige Fulminanz nicht packte. Eine anwesende ukrainische Diplompianistin zeigte sich von der vollendeten Wiedergabe angetan.

Im Gegensatz dazu stand die verspielte Mozart-Sonate KV 570 der Mannheimer Arie. Das Werk zeichnet sich durch Gesanglichkeit aus. Von unbekannter Seite wurde ihm eine Geigenstimme hinzugefügt.

Die „Variations serieuses” von Mendelssohn waren eine Antwort auf Busoni. Auch sie waren ein sehr effektvolles Konzertstück.

Auch das sprichwörtlich perlende Klavierspiel wird hier vernehmbar, und das prägt geradezu die posthum herausgegebene Schubert-Sonate - ursprünglich Hummel zugedacht, dann aber Schumann gewidmet.

Bekanntlich sind diese Werke alle erst nach Schuberts Tod geordnet und gedruckt worden. Sie zeichnen sich alle durch eine freikünstlerische Schreibweise des auch am Klavier jederzeit genial wirkenden Komponisten aus.

Bei dieser Sonate, die zu Recht eine ganze Hälfte des Konzerts für sich alleine beanspruchte, musste der Pianist alle seine Spiel- und Interpretationskünste zusammennehmen.

Daraus wurde eine phantastische Leistung, nach der sich die Besucher spontan begeistert von ihren Plätzen erhoben und Applaus spendeten. Diese Reaktion war für die makellose Vorstellung mehr als verdient. Prompt folgte noch die ersehnte „leichte” Zugabe.