Wassenberg: Tief gebohrt für wohlige Wärme, die wenig kostet

Wassenberg : Tief gebohrt für wohlige Wärme, die wenig kostet

Von außen sieht sie schon ziemlich fertig aus, die neue multifunktionale Bildungs- und Begegnungsstätte am Wassenberger Pontorsonplatz. Man sei zwar einen Monat in Verzug wegen der Insolvenz eines Auftragnehmers, erklärte Architekt Norbert Schiefke in der Sitzung des Bauausschusses. Dennoch rechnet er Ende Oktober oder Anfang November mit dem Abschluss aller Bauarbeiten.

Und noch eine erfreuliche Nachricht hatte er den Ausschussmitgliedern mitgebracht: Die Maßnahme wird im Rahmen der veranschlagten Kosten von rund 700.000 Euro bleiben.

Jüngst fertiggestellte Arbeiten im Gebäude seien Estrich und darunter die Fußbodenheizung, erläuterte Schiefke. Damit diese Wärme ins Gebäude bringt, war in diesen Tagen vor allem vor der Begegnungsstätte viel los. Ein Bohrunternehmen aus Dortmund war hier im Auftrag einer Spezialfirma aus dem Allgäu mit den Bohrungen für die Erdwärme-Heizung beschäftigt. Gleich drei Mal ging es dafür 75 Meter tief ins Erdreich.

Hier könnten Temperaturen zwischen 8 und 11 Grad Celsius genutzt werden für die Wärmepumpe, so Bauleiter Herbert Cüppers. Woher er das weiß? „Wir haben Vergleichswerte aus der Nachbarschaft”, betonte er. Die drei Bohrungen würden ausreichen, um die Begegnungsstätte mit Hilfe einer Wärmepumpe komplett zu beheizen. Möglich würden so mit Hilfe der Pumpe Temperaturen bis zu 55 Grad Celsius. Kosten für den Strom: rund 160 Euro pro Jahr, so der Architekt.

Die Bohrungen verliefen problemlos. Nach drei Stunden war erstmals die Tiefe von 75 Metern erreicht. Bis in eine Tiefe von 40 Metern nahmen die Spezialisten alle zwei Meter Bodenproben. So ging es durch ein Gemisch von Ton und Kies durch eine dichte Tonschicht. „Ab 40 Meter war es nur noch Sand”, so einer der beiden Bohrexperten, der alle Proben fein säuberlich auf dem Rand eines Containers abgelegt hatte.

Weitere Fördermittel von 50.000 Euro kommen dem Projekt Bildungs- und Begegnungsstätte nach dem Beschluss des Bauausschusses zugute, indem bisher im Konjunkturpaket II für die sogenannte Bildungsinfrastruktur-Investitionen vorgesehene Mittel in reine Infrastrukturmittel umgewandelt werden. Das ermöglicht eine Flexibilisierung der Mittelaufteilung, der das Bundesministerium der Finanzen auf Vorschlag der Länder zugestimmt hat.

Da die energetischen Modernisierungsmaßnahmen im Investitionsschwerpunkt Bildungsinfrastruktur in Wassenberg fast komplett realisiert sind und noch mehr als 50.000 Euro zur Verfügung stehen, wie die Verwaltung berichtete, sollen diese daher jetzt der Bildungs- und Begegnungsstätte zugutekommen. Der Ausschuss beschloss einstimmig und ermächtigte Bürgermeister Manfred Winkens, entsprechende Vergabeentscheidungen zu treffen, um eine termingerechte Fertigstellung der Gesamtmaßnahme zu gewährleisten.

Eingesetzt werden sollen die zusätzlichen Mittel kurzfristig für die Bepflanzung der Außenanlagen, für eine neue Einbauküche, für den Einbau einer Trennwand und diverse Einrichtungsgegenstände wie etwa Tische oder Stühle.

Robert Seidl von Bündnis 90/Die Grünen regte an, auch die Bücherkiste künftig in der Bildungs- und Begegnungsstätte unterzubringen. Von der Verwaltung wurde er zunächst auf das noch zu beratende und zu beschließende Nutzungskonzept verwiesen, für das schon einige Anträge auf dem Tisch lägen.