Hückelhoven: Thema Aids: Schock ist die beste Prävention

Hückelhoven : Thema Aids: Schock ist die beste Prävention

Ungefähr 20 Schülerinnen und Schüler sitzen im abgedunkelten Musikraum der Realschule Ratheim.

Keiner sagt einen Mucks, während ein surrender Projektor Bilder und Diagramme auf eine große, weiße Leinwand wirft. Pater Ludwig Peschen, Afrikamissionar und Arzt in Burundi, besucht die Realschule, und das Thema, über das er die Schüler informiert, heißt Aids.

„Ich bin sieben Jahre in Burundi gewesen”, berichtet der Seelsorger. „20 Prozent der dortigen Bevölkerung sind HIV positiv.” Eine Zahl, die sich auch die Schüler der Realschule nur schwer vorstellen können.

Erst, als der Seelsorger jeden fünften Schüler bittet, einmal aufzustehen, wird allen das Ausmaß der Katastrophe deutlich. „Wir wussten, dass die Situation schlimm ist”, meint die 13-jährige Madelaine Mittmann. „Aber dass die Zahlen wirklich so hoch sind, hat uns alle schockiert.”

Genau das will Ludwig Peschen erreichen. Der gebürtige Mönchengladbacher hat die Erfahrung gemacht, dass man am meisten ausrichten kann, wenn man die Schüler schockiert. „Über diese Betroffenheit erkennen sie am ehesten, wie die Situation tatsächlich ist.”

Jetzt wirft der Seelsorger ein neues Foto an die Wand: Eine Leiche - eines der zahlreichen Aids-Opfer, das durch die Gänge eines Burundischen Krankenhauses geschoben wird. Wieder herrscht Stille, die Schüler lassen das Bild auf sich wirken, beginnen zu begreifen.

Ludwig Peschen, der derzeit als Gast des Hilfswerkes missio im Bistum Aachen zu Gast ist, kann auf sieben erlebnisreiche Jahre in Burundi zurückblicken. Im Land herrscht Krieg, und das macht es nicht leichter, etwas gegen die Aids-Epidemie zu tun. Trotzdem hat der Priester ein Aids-Zentrum „Neue Hoffnung” aufgebaut, in dem Betroffene beraten und medizinisch versorgt werden sowie lernen, sich gegenseitig zu helfen.

Ständiger Kampf gegen die Epidemie

„Das Hauptproblem sind die Kinder”, weiß Peschen zu berichten. „Was passiert mit ihnen, wenn ihre Eltern an Aids erkrankt oder gestorben sind?” Das Aids-Zentrum kümmert sich auch um diese jüngsten Opfer der Krankheit, bemüht sich, ihnen ein Zuhause zu schaffen und einen Schulbesuch zu ermöglichen.

Die Situation in Burundi ist ernst, aber trotzdem sind die Ratheimer Realschüler begeistert, mit wie viel Elan und Humor ihr Besucher sie in die Situation einführt.

Mit blitzenden Augen steht er vor ihnen, schafft es, ihre ganze Aufmerksamkeit zu gewinnen und trotz der lockeren Situation ein schwer wiegendes Thema zu behandeln. „Wir haben heute wirklich etwas gelernt”, findet Marcel Nielke, 13 Jahre alt. „Und es war kein bisschen langweilig.”

Um diesen Tag nicht einfach wieder zu vergessen, haben sich die Realschüler vorgenommen, selbst rote Aids-Schleifen zu basteln, die sie an Mitschüler, Eltern oder Nachbarn verkaufen wollen. Der Erlös soll natürlich Pater Peschen und seiner Aids-Vorsorge zugute kommen.

Um auch jetzt schon einen Beitrag zu leisten, hat die Schülervertretung einen kleinen Betrag vorgestreckt, den der Priester gleich mitnehmen darf.

Ein Zeichen dafür, dass der Besuch etwas bewirkt hat und dass der Wunsch des Schulleiters Ferdinand Küpper-Jacobs in Erfüllung ging, der seinen Gast eingangs bat: „Helfen sie uns, sehen zu lernen, denn das ist wichtig für den Frieden in der Welt.”

Pater Ludwig Peschen hat in Burundi auch eng mit dem Jugendzentrum „Centre Jeunes Kamenge” zusammen gearbeitet. Diese Organisation erhielt am Donnerstag den mit 220000 Euro dotierten Alternativen Nobelpreis.

Dieser Preis belohnt seit 1980 besondere Leistungen zur Förderung der Menschenrechte, des sozialen Ausgleichs und des Umweltschutzes. Dem Jugendzentrum wurde bescheinigt, dass dessen Mitarbeiter selbst nach neun Jahren Bürgerkrieg „beispielhaften Mut und Mitgefühl” beweisen.