Erkelenz: „Tag der Abrechnung” beim traditionellen Empfang

Erkelenz : „Tag der Abrechnung” beim traditionellen Empfang

Zum „Tag der Abrechnung” wurde der traditionelle Empfang der Prinzenpaare und der Karnevalsgesellschaften in der Erka-Burg, zu dem, wie in 31 Jahren zuvor, der Bürgermeister der Stadt eingeladen hatte.

„Panik und schiere Verzweiflung”, so betonte der Präsident der Venrather Narren, Lothar Fischer, trieben ihn dazu, den zahlreichen Gästen in der Erka-Burg die Stimmung zu vermiesen. Schlimme Zeiten seien ausgebrochen.

Und dies ausgerechnet in der Karnevalshochburg in Köln, denn dort habe das Übel in der Bezirksregierung seinen Sitz, das es sich zur Aufgabe gemacht habe, „uns Narren zu triezen und das Brauchtum Karneval zu vernichten.” Nicht ganz unschuldig an dieser Misere sei die Erkelenzer Karnevalsgesellschaft, die besagte Person erst ins Rampenlicht gezerrt habe, indem sie sie zum Ehrensenator ernannte.

Dadurch genötigt, sich mit dem Brauchtum Karneval auseinanderzusetzen, habe die Person getan, was sie am Besten könne: Paragraphen und Bestimmungen verordnen - und die Überwachungsvorschriften für den Wagenbau zu komplizieren. Früher hätten die Jecken die Politiker in der fünften Jahreszeit aufs Korn genommen, nun sei es leider umgekehrt, endete Fischer wehmütig.

Nahtlos an dessen Worte schloss die Rede des Präsidenten der Kückhovener Karnevalsgesellschaft, Norbert Müschen an. Die Verordnungen für die Karnevalsumzüge könne niemand verstehen, monierte er aufs Härteste die „Willkür der Obrigkeit”.

Wer, wie die Obrigkeit, glaube, dass Zugteilnehmer bereits im November wüssten, ob sie vier Monate später beim Karnevalsumzug teilnehmen und deshalb auch eine Anmeldung gründlich, ausführlich und fehlerfrei ausfüllen würden, „der hat entweder einen Knall, oder eine göttliche Eingebung: Herr verzeih Ihnen, denn Sie wissen nicht was Sie tun.” TÜV könne seiner Meinung nach daher nur für eines stehen: „total überforderte Verwaltung.”

Den richtigen Dreh nach diesen kritischen Worten am „TÜV-Karneval” fand der erste Mann der Granterather Jecken, Karl Mones, der allen Narren einen unfallfreien Karneval wünschte. „Ein Unfall bleibt ein Unfall, egal ob nun mit vom TÜV abgenommen Karnevalswagen oder nicht.”

Eine von vielen Narren gern gehörte Bitte hatte Frank Salewski, Präsident der Genhahner Karnevalsgesellschaft an den Bürgermeister parat: „Könnten wir nicht wieder mit dem Prinzenempfang erst zur karnevalistischen Stunde um 11.11 Uhr beginnen, wie es angenehmerweise bei Theo Clemens üblich war?”

Gerade für die Karnevalisten, die Abends zuvor eine Sitzung gehabt hätten, sei die frühe Stunde recht hart, erklärte er seine Bitte, die er notfalls immer wieder vortragen werde.

Dicht an dicht standen die Jecken in der bunt geschmückten Erka-Burg, in der Bürgermeister Erwin Mathissen sieben Prinzenpaare aus dem Erkelenzer Land mit ihrem jeweiligen Schlachtruf begrüßen konnte.

Vom Venroder Wenk gekommen waren Prinz Michael II. und Prinzessin Monika I., aus Golkrath von den Knallköpp Prinz André I. und Prinzessin Eleonora I., aus Lövenich von den Hoppesäck Prinz Christoph I. und Prinzessin Heidi I., aus Katzem von den Katzeköpp Prinz Hans I. und Prinzessin Iris I., für Erkelenz waren Prinz Reinhard I. und Prinzessin Christa I. samt Gefolge dabei.

Des weiteren waren die Gerderhahner mit Präsident Frank Salewski, die Borschemicher Rasselbande mit der Vorsitzenden Heidi Korsten und Sitzungspräsidentin Angelika Goebels, die Tenholter Narren mit Sitzungspräsident Jörg Schramm, die Karnevalsgemeinschaft aus Bellinghoven mit ihrem Vorsitzenden Klaus Reul, die Granterather Jecken mit ihrem Vorsitzenden Karl Mones sowie die neue KG „Immeroder Seckschürger” mit ihrem Vorsitzenden Hans-Peter Hillerkamps der Einladung des Bürgermeisters gerne gefolgt.

Rund 55 Jecken stark sei der neu gegründete Karnevalsverein, dessen Schlachtruf ”Schürch Mött” lautet, wurde stolz berichtet. Einen Hinweis auf den anschließenden Biwak der EKG mit zivilen Preisen, „anders als bei unseren Sitzungen”, machte Sitzungspräsident Herbert Keller, bevor die Schar sich zur Stadthalle aufmachte.

Zuvor noch hatte Mathissen zugesichert, die Verwaltung werde sich mit der TÜV-Kritik auseinandersetzen, und hatte sich die Katzemer Prinzessin Iris I. bei ihrem Onkel Erwin für den schönen Empfang bedankt.