Erkelenz: T-Rex zerlegt das Stahlgerüst

Erkelenz : T-Rex zerlegt das Stahlgerüst

Hunderte Bürger waren zur Baustelle gekommen, um dabei zu sein, als das oberste Stockwerk des Sparkassenturms an der Kölner Straße abgenommen und zerlegt wurde. Es war das Ende eines Erkelenzer Wahrzeichens - und das Ende einer Energieschleuder.

Bei bestem Wetter und Pizza aus der nahen Pizzeria reckten sie die Hälse und beobachteten jeden Arbeitsschritt genau, der da in rund 30 Metern Höhe vollzogen wurde, bis das knapp 140 Tonnen schwere Metallgestell verschwunden war, an dem vorher die unteren Stockwerke eingehängt waren.

In einem beheizten Zelt informierten Mitarbeiter der Sparkasse darüber, wie es zukünftig vor ihrer Tür aussehen wird. Doch die meisten Blicke waren in den strahlend blauen Himmel gerichtet, wo ein armseliges Gerippe, übrig geblieben von einstiger Größe, seinem Ende entgegenging.

Immer wieder Funkenschlag

Immer wieder sah man Funken sprühen, als die Halterungen der Plattform abgebrannt wurden. In vier Teilen wurde die Trageplattform zerlegt, bevor sie an drei Kränen langsam zur Erde schwebten. Dort wurden sie mit einem passenderweise T-Rex genannten Bagger zerlegt. Zurück blieb der betongraue und schmale Fahrstuhlschacht, der aber bis Dienstag auch verschwunden sein soll, wie der Sparkassenvorstand Thomas Pennartz betonte.

Der hatte kurz vor dem definitiven Ende des Restturms noch einmal das zweifelhafte Vergnügen, zusammen mit Architekt Thomas Emondts in einem Korb am Kran hängend ein letztes Mal den Ausblick zu genießen, den es in der Art zukünftig nicht mehr geben wird.

Denn der Nachfolgebau wird mehr in die breite als in die Höhe gehen. Doch vor allem wird er hinter dem Kölner Tor die Lücke zur oberen Kölner Straße schließen, was Pennartz als „städtebaulich sinnvolle Maßnahme” bezeichnete.

Entweder zu warm oder zu kalt

Der Sparkassenturm wurde mit der Fusion der beiden Sparkassen Erkelenz und Geilenkirchen zur Kreissparkasse Heinsberg im Jahr 1972 gebaut.

Viele der Mitarbeiter haben ihr gesamtes Berufsleben darin verbracht. „Doch in den letzten 15 Jahren hat sich hier keiner mehr richtig wohlgefühlt”, erklärte Pennartz. „Es war entweder zu kalt oder zu warm.”

Und das bei einem Energieverbrauch, für den man gerne die knapp 25 Millionen Euro in die Hand nimmt, die der Neubau kosten wird. Mit dem Bau wird Anfang 2012 begonnen, bezugsfertig soll er in der zweiten Jahreshälfte 2013 sein. Bis dahin residiert die Sparkasse gleich nebenan an der Hermann-Josef-Gormanns-Straße.

Im Erdgeschoss des Neubaus wird Platz sein für den Einzelhandel. Juwelier Engelings-Obst steht als Mieter schon fest. Darüber hinaus wird noch Platz für mindestens ein weiteres Geschäft sein. Auch der Platz vor der Sparkasse bleibt erhalten, jedoch eher als überdachte und rund sieben Meter hohe Halle. Elisabeth Smeets ist bei der Sparkasse für die Baumaßnahme zuständig und ist geteilter Ansicht.

„Es war ein Wahrzeichen der Stadt und eine Energieschleuder”, betonte sie. Daher sei der Neubau eine gute Lösung, denn „es wird ein Gebäude entstehen, das zu Erkelenz passt und modernen Ansprüchen an Energieeffizienz genügt”.

Der Abriss war durch Asbest verzögert worden, das zuerst entsorgt werden musste. Insgesamt sind 25 Mitarbeiter der beiden Unternehmen Frauenrath und Schlun am Werke, um die alte Sparkasse dem Erdboden gleich zu machen. Dabei muss mit viel Augenmaß und nach Plan vorgegangen werden, wie Bauleiter Franz-Josef Dreßen erklärte.

„Ein solcher Auftrag ist auch nicht alltäglich”, erklärte er. Bis Dienstag wird auch der Fahrstuhlschacht verschwunden sein, bevor die geothermischen Bohrungen für das Fundament beginnen können.

Christoph Radek war mit seiner Familie gekommen, um beim Abschiedsspektakel dabei zu sein. Er konnte sich noch daran erinnern, wie der Turm in den 70er Jahren gebaut worden war. „Ein Wahrzeichen geht verloren”, sagte er. Man müsse sehen, was daraus wird. Günther Merkens ist als Anwohner der Tenholter Straße ein direkter Nachbar der Sparkasse und trauert dem Turm nicht nach.

Für ihn ist es vielmehr wichtig, dass der Staub und der Lärm ein baldiges Ende haben. „Ich bin gespannt, wie es in Zukunft aussehen wird”, erklärte der Vorsitzende des Heimatvereins.

Der allgemeine Tenor

Das war auch allgemeiner Tenor bei den Zuschauern. „Wer erinnert sich denn heute noch an den Sparkassenwürfel, der sich früher auf dem Dach gedreht hat?”, erklärte ein Zuschauer, der mit dem Handy über den Bauzaun hinweg Fotos machte. Stimmt, den hat man heute schon fast vergessen. Dass man den Abriss nicht so schnell vergessen soll, war die Meinung vieler Zuschauer. Deshalb erklärte Thomas Pennartz, dass es einen Fotowettbewerb mit den schönsten Abrissfotos geben werde. Genaueres wird in naher Zukunft mitgeteilt.