Hückelhoven-Ratheim: Symbiose aus Architektur und Literatur

Hückelhoven-Ratheim : Symbiose aus Architektur und Literatur

Zehn Skulpturen, zehn Texte und ein einziges Thema - Auf diese kurze Formel könnte man den „Materialfundus” der Edition Haus reduzieren.

Doch dieses bloße Nebeneinander käme einer ungerechtfertigten Vereinfachung gleich.

Keine Kunstausstellung war es, die sich am Freitagabend im Forum der Michael-Ende-Grundschule den Blicken der Besucher eröffnete, und auch keine Autorenlesung. Aber was denn dann?

Beides eben. Architektur und Literatur gingen eine in sich schlüssige Symbiose ein, ohne dabei vollkommen miteinander zu verschmelzen. Hier das gesprochene Wort, dort - in unmittelbarer Nähe - das aus Stahl gefertigte Objekt. Dazwischen viel Reibungsfläche.

Stahlbildhauer Gert Jäger hatte die limitierte Auflage von zehn Skulpturen zum Thema Haus und Mensch geschaffen sowie zehn Autoren darum gebeten, jeweils einen Text zu einem der Kunstwerke zu verfassen.

Die Edition Haus schlug den denkbar weitesten Bogen, nämlich vom Gotteshaus zum Freudenhaus. Dazu kamen etwa das Haus, das aus dem Rahmen fällt, ein Haus zum Anfassen, das Hausboot, das Haus-Friedens-Bruch und andere.

Enthüllt wurden die handlichen Heimstätten erst kurz vor der Verlesung des Textes. Erhalten blieb somit die Unmittelbarkeit des Eindruckes.

Die zehn Skulpturen, so Jäger, seien die ästhetische Lösung, eine Thematik zum Betrachter zu transportieren. „Dieser ist gefordert, die fragmentarischen Vorgaben von Skulptur, Titel, eigenen Erfahrungen und Erlebnissen zu einer persönlichen Geschichte zu fügen.”

In Anbetracht der Autorenzahl waren die dreidimensionalen Geschichten und Visionen recht kurz, dafür aber auf den Punkt genau. Reflexionen und Impressionen bedienten sich die Verfasser zur „Greifbarmachung” ihrer Gedanken, auch Lebensgeschichtliches und Historisches fand Eingang in ihr Schaffen.

Die Texter waren Franz-Josef Holtum, Norbert Schuldei, Friedhelm Schell, Hubert Minkenberg, Max Jäger, Dietmar Linden, Hans Latour, Achim Kück, Verena Jansen und Dettmar Fischer.

Häuser seien mehr als Bauwerke, betonte Jäger. „In dem Moment, in dem sie von Menschen bewohnt oder genutzt werden, hören sie auf, nur ein Ding zu sein.” Häuser erhielten dann eine individuelle Eigenständigkeit.

Bildhauer und Literaten gelang es gleichermaßen, jene Qualitäten der Bausubstanz auf ihre eigene Art herauszufiltern.