Gangelt/Selfkant: Strukturwandel kein Grund zur Panikmache

Gangelt/Selfkant : Strukturwandel kein Grund zur Panikmache

Die Ausweisung von Vorrangflächen für Intensivtierhaltung ist in den drei Gemeinden Gangelt, Selfkant und Waldfeucht in aller Munde, doch für eine Panikmache sieht der Kreisbauernvorsitzende Bernhard Conzen aus Gangelt derzeit keinen Grund.

Ein Strukturwandel ist seiner Meinung nach dennoch in vollem Gange, denn für den hiesigen Landwirt werde das zu bestellende Land in nicht all zu ferner Zukunft knapp werden, weil immer mehr Fläche von der Öffentlichkeit verbraucht werde wie zum Beispiel durch den Bau der 56n, die sich durch den Selfkant und die Gemeinde Gangelt schlängelt.

Was oft übersehen werde seien im Zuge des Straßenbaus die zusätzlichen Ausgleichsflächen oder der Flächenverbrauch für ein Gewerbegebiet, sagt Conzen. Möchte ein Landwirt auch in den nächsten Jahren gewinnbringend arbeiten und für die Nachkommen den Weg in die Zukunft ebnen, müsse er notgedrungen expandieren. Zurzeit dürfe ein Landwirt auf einem Hektar Land circa 2,5 Tiere (eine Großvieheinheit sind gleich 550 Kilogramm Lebendgewicht) halten, um noch die Auszahlung der Beihilfen bezüglich des Preisverfalls zu erlangen. Doch höchstens würden vier Großvieheinheiten mit Einbußen der Beihilfen zugelassen.

Gegenwärtig haben die 1000 Landwirte im Kreis Heinsberg, davon sind 500 in der Viehzucht tätig, laut Conzen noch ausreichende 38.000 Hektar Land zur Verfügung. Die Ausweisung der Konzentrationsflächen, was die drei Gemeinden anstreben, sieht er als rechtlich unbedenklich, „doch ich entziehe der Landwirtschaft so langfristig Entwicklungsmöglichkeiten”, glaubt der Kreisbauernvorsitzende. Zumal die neuesten Tourismuskonzepte des Zweckverbands „Der Selfkant” die Landwirtschaft zu wenig berücksichtigten. Darin sieht Conzen ein weiteres Manko.

Sollten in Zukunft für die Expansion keine Flächen mehr zur Verfügung stehen, sei der Landwirt gezwungen, in die gewerbliche Tierhaltung zu gehen, das heißt, er müsste mit dem neuen Stahl auf diese Konzentrationsflächen ausweichen. Dieser Fall werde aber frühestens in 20 Jahren eintreten, so Conzen.

Ein weiteres Problem könnte die Gemeinden allerdings auch ereilen, wenn die Konzentrationsflächen zu klein ausgewiesen seien, dann könne der Gemeinde auch eine Bauverhinderung vorgeworfen werden.

In Waldfeucht wurde vor einer Ausschusssitzung gemunkelt, die ersten Anfragen durch niederländische Tierhaltungsbetriebe seien schon in der Verwaltung eingegangen. Daraufhin kontert Conzen: „Die Geister die ich rief... Nun seht zu, wie man sie beherrscht.”