Wassenberg/Myhl: Streifzug durch die sakrale Chormusik

Wassenberg/Myhl : Streifzug durch die sakrale Chormusik

Das Jubiläum „75 Jahre Quartettverein Myhl” bescherte den vielen Freunden dieses Ausnahmechores eine Reihe denkwürdiger Konzerte und sakraler Auftritte von hoher Eindringlichkeit.

Sie bündelten zugleich das künstlerische Schaffen des heute 60 Sänger aus dem Raume Wassenberg, Hückelhoven, Erkelenz und Heinsberg umfassenden Chores, der auch regional wie überregional große Anerkennung findet.

Das Jubiläums-Abschlusskonzert in der proppenvollen Marien-Kirche Wassenberg-Oberstadt war ein „Streifzug durch die sakrale Chormusik” unter Mitwirkung der Solisten Dr. Roland Steingießer (Tenor) und Gesche Bauer (Sopran) von der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf sowie Vincent Heitzer an der Orgel, der kurzfristig für den durch eine Handverletzung verhinderten Regionalkantor Winfried Kleinen eingesprungen war.

Für langjährige Freunde des Myhler Chores unter Leitung von Hermann-Josef Kitschen war gerade dieses Abschlusskonzert ein „Remember” an denkwürdige Aufführungen im sakralen Raum, wie die Aufführung des monumentalen „Hiroshima”-Werkes „Gesang eines welken Baumes und der Sonne” des kürzlich verstorbenen japanischen Komponisten Kan Ishi.

Das hauchfein „ausgesponnene” Piano, das Markenzeichen des Myhler Chores, beeindruckte auch jetzt wieder in „Carmen Vespertinum”, „O bone Jesu”, im tiefgründigen „Pater noster” von Eugen Pabst, im „Ave verum corpus” von Mozart und „in monte Oliveti” von Franz Schubert. Das alles waren „Gebete” von hoher Eindringlichkeit. Roland Steingießer, früheres Mitglied und Solist des Chores, ist mit seinen Sängerkameraden in tiefer Übereinstimmung geblieben.

Mozartsängerin der schnörkellosen Art

Das eher expressive „Agnus dei” von Bizet und die abschließenden Spirituals unterstrichen diese gemeinsame Auffassung. Hier wurde die gemeinsam empfundene Freude in vollendeter Harmonie an die Kirchenkonzertbesucher weitergegeben. Gesche Bauers heller, in allen Lagen sicherer und ausdrucksstarker Koloratursopran überzeugte die Zuhörer auch durch ihre Persönlichkeit und warme Ausstrahlung. Ihr „Exsultate Alleluja” von Mozart wies sie als Mozartsängerin der nicht gerade häufig anzutreffenden schnörkellosen Art aus.

Höhepunkt ihrer Solo-Gesänge aber war das „Ave Maria” aus Verdis „Othello” - das Gebet der Desdemona vor ihrem gewaltsamen Ende. Auch im Duett mit Roland Steingießer - das „Panis Angelicus” von César Franck - fanden Stimme und Darstellung Mitempfinden und hohe Aufmerksamkeit.

Nach diesen Feinziselierungen hoher Gesangskunst kehrte der Jubiläumschor zurück zu herrlichen Chorwerken, die einem Männerchor am besten anstehen: Beethovens „Gottes Macht und Vorsehung”, zum lyrisch feinst ausgeloteten „Sonnenuntergang” von Conradi und Hermann-Josef Rubbens modernem Chorwerk „Unser Brot”.

Höhepunkt dieser Darstellungen aber blieben die Gesänge der russisch-orthodoxen Liturgie in Originalsprache. „Ich bete an die Macht der Liebe” - im Russischen „Kolj Sljawen” von Dimitri Bortnjanski - ist im „Russischen” tiefgründiger und glaubwürdiger. Unübertrefflich schön und herzergreifend „Nikolajewka” von Marzi, das erstmals hier gesungen wurde.

Ausdruck von Optimismus und Gottvertrauen

Was hätte dieses Kirchenkonzert überzeugender beenden können als Henry Purcells „Lobet den Herrn der Welt” im herrlichen Arrangement von Willi Trapp und die Negro-Spirituals um den angebrochenen Morgen. Das waren Optimismus und Gottvertrauen pur: Eben Gott zur Ehr und den Menschen zur Freude. Das brachte bereits eingangs Vincent Heitzer in seiner Orgelimprovisation zu Gehör. Der junge Organist von St. Georg und Leiter verschiedener Chöre wurde verstanden.

Dechant Portz dankte allen Mitwirkenden im Verein mit den begeistert applaudierenden Kirchenbesuchern. Die Spende nach diesem Abschlusskonzert ist im übrigen, wie Chorvorsitzender Norbert Rexing anmerkte, als Beitrag zur Sanierung der Orgel in der Marienkirche bestimmt.