Kreis Heinsberg: Straßen und Plätze gefährlich „gebettet”?

Kreis Heinsberg : Straßen und Plätze gefährlich „gebettet”?

Im Kreis Heinsberg ist der Untergrund manch einer Straße oder Passage nicht so, wie er sein soll: Offenbar wurde an den Stellen, an denen die Bauunternehmung Tholen GmbH & Co. KG (BUT) aus Geilenkirchen gearbeitet hat, Bettungsmaterial verwendet, das mit Schwermetallen belastet ist.

Die Sachverständigen analysieren, die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach ermittelt.

„Wir prüfen auf dem Hintergrund von möglicher Verjährung, ob wir für drei Liegenschaften ein gerichtliches Beweissicherungsverfahren einleiten”, sagt Ulrich Hollwitz, Pressesprecher des Kreises Heinsberg. Der Kreis ist als Sonderordnungsbehörde zuständig/gefragt/einbezogen, weil Belastungen des Bodens und des Grundwassers durch das verwendete Baumaterial drohen.

In Hückelhoven beispielsweise wird derzeit in einem gerichtlichen Beweissicherungsverfahren geprüft, ob in dem Bettungsmaterial unter dem Blausteinpflaster auf der Parkhofstraße ein industrielles Abfallprodukt verarbeitet wurde, das die Grenzwerte für Blei, Kupfer, Zink, Arsen, Cadmium, Chrom und Nickel übersteigt. Mit einem Ergebnis rechnet man im Hückelhovener Rathaus in den kommenden Tagen.

Ergebnisse in 14 Tagen

Nicht nur die Stadt Hückelhoven ist zur Zeit mit diesem Problem befasst: Auch in Wegberg wurde in zwei Wohngebieten Recyclingmaterial als Unterfütterung für Straßen verwendet, das möglicherweise kontaminiert ist. „Wir haben die Sache untersuchen lassen, die Analyse wurde zur Auswertung an die Untere Wasserbehörde beim Kreis Heinsberg weitergeleitet”, sagt Rudolf Fabry, Technischer Beigeordneter der Stadt. Auf Ergebnisse hofft er in den „nächsten 14 Tagen”. Gleichwohl sieht Fabry schon jetzt „keine Gefahr im gesundheitlichen Bereich”.

Auch die Stadt Heinsberg hat einen gerichtlich bestellten Sachverständigen für ein Beweissicherungsverfahren eingeschaltet. Der soll klären, ob unter anderem bei der Dorfkernerneuerung in Dremmen Material verwendet worden ist, das einen zu hohen Anteil von Giftstoffen enthält. „Die Frage ist: Kann es liegen bleiben oder muss es raus?”, sagt Bürgermeister Wolfgang Dieder. Genau das müsse jetzt geklärt werden.

Seinen Kollege Heinz-Josef Schrammen plagt Ähnliches: „Ja, ich bin besorgt”, sagt der Bürgermeister der Gemeinde Waldfeucht. Auch hier wartet man auf die Ergebnisse der Analyse von Proben, die man an der Johannesstraße in Haaren und an innerörtlichen Straßen in Waldfeucht, an denen in den vergangenen Monaten Pflasterarbeiten durchgeführt wurden, entnommen hat. „Mein Bauchgefühl sagt mir, wir sind mit dabei”, sagt Schrammen. „Ich nehme die Sache ernst, breche aber nicht in Panik aus.”

In Geilenkirchen gibt es nach Auskunft der Verwaltung zwei Baumaßnahmen, die von BUT ausgeführt wurden, bei denen kontaminierte Stoffe festgestellt wurden.

Was alle betroffenen Kommunen wie auch den Kreis als Körperschaft selbst verbindet: Sie alle haben in den vergangenen Jahren Straßenbauarbeiten an die Bauunternehmung Tholen GmbH & Co. KG mit Sitz in Geilenkirchen vergeben - an dieselbe Firma, die auch in einem Neubaugebiet im Grevenbroicher Stadtteil Kapellen kontaminiertes Material für den Straßenbau verwendet haben soll. Ebenso in Dormagen und in Schwalmtal.

In Grevenbroich war einem Fachdienstleiter der Stadt im November 2011 das belastete Material aufgefallen. Eine chemische Analyse ergab, dass es hohe Werte an Blei, Kupfer und Zink enthielt. Es folgten 18 weitere Untersuchungen, wobei der verunreinigte Baustoff an mehreren Stellen unter dem Pflaster gefunden wurde. Als Konsequenz mussten im Stadtteil Neu-Kapellen rund 8200 Quadratmeter gerade verlegte Pflastersteine wieder entfernt werden.

„Wir kaufen das verbaute Material seit zehn Jahren bei der Firma Strabag in Krefeld”, sagt Willy Tholen, Firmengründer und Hauptgeschäftsführer des Unternehmens. Er legt Wert darauf, dass es sich hierbei um „einen zertifizierten Baustoff” handelt, der „nach technischer Lieferbedingung für Gesteinskörnung für den Straßenbau vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung zugelassen ist”.

Von dem Material, das betont Willy Tholen, gehe „keine Gefahr aus. Es sei denn, man isst es”. Die Bauunternehmung Tholen ihrerseits hat beim Landgericht Krefeld nach Willy Tholens Angaben ein gerichtliches Beweissicherungsverfahren eingeleitet. Auch hier stehe das endgültige Ergebnis, so Tholen, noch aus.

„Das Gericht hat das von uns beantragte Beweissicherungsverfahren zugelassen. Jetzt müssen wir abwarten, bis uns das Ergebnis vorliegt”, sagt Hückelhovens Technischer Beigeordneter Dr. Achim Ortmanns. Bei den betroffenen Kommunen hofft man, dass es eine sogenannte Eluatprüfung geben wird. Also eine umwelttoxikologische Bewertung der Materialien. Ganz einfach gesagt, wird geprüft, was aus dem Stoff in das Grundwasser rausgewaschen wird. Je mehr rauskommt, desto schlimmer ist es.

Der Kreis Heinsberg wird die Kommunen in den nächsten Tagen zu einem Treffen laden.