Starres System trifft auf flexible Nachfrage

Starres System trifft auf flexible Nachfrage

Kreis Heinsberg. Der Kinderbetreuungsbedarf im Kreis Heinsberg war zentrales Diskussionsthema im Jugendhilfeausschuss.

Das Kreisjugendamt wird mit der Fortschreibung des Kindergartenbedarfsplanes für die Zeit von 2005 bis 2008, so Sozialdezernentin Liesel Machat, „die verschiedenen Bedarfe insgesamt beleuchten”.

Schon für die nächste Sitzung des Ausschusses kündigte sie die Vorlage eines Gesamtkonzepts der Verwaltung an. Ausschussvorsitzender Willi Paffen sprach von der Notwendigkeit, im Vorfeld der weiteren Planungen zu überprüfen, ob das bestehende Versorgungssystem noch marktgerecht mit Blick auf die Nachfrage sei. Es sei mehr Flexibilität notwendig.

Dazu habe man auch durch die Umfrage der Arbeitsgemeinschaft Kinderbetreuung „neue, interessante Dinge erfahren”. Das „starre System”, so Paffen, „trifft auf eine Nachfrage, die immer flexibler wird”. Der verstärkte Bedarf nach Betreuungsplätzen für Kinder unter drei und über sechs Jahren, auch über die Mittagszeit hinaus, seien „Dinge, die die Menschen berühren”.

Als „nicht sachgerecht” wies Paffen jedoch Kritik am bestehenden flächendeckenden Angebot für Drei- bis Sechsjährige und insbesondere in diesem Zusammenhang laut gewordene Vergleiche mit „Ringeltauben” oder einem „Lottogewinn” zurück. Auch der neue Kreisjugendamtsleiter Hans-Jürgen Oehlschläger betonte, dass es bei der Erfüllung des Rechtsanspruchs „nur ganz vereinzelt wie in Wegberg Probleme gab, die jedoch immer gelöst wurden”.

Auslöser für diese sachliche wie informative Diskussion über die Versorgungssituation war die Vorstellung der Ergebnisse einer Befragungsaktion der Arbeitsgemeinschaft Kinderbetreuung.

Dieter Meurer betonte, dass keine Rede von nicht vorhandener Flexibilität sein könne. Aus der Entwicklung in den AWO-Kindertagesstätten auf Kreisebene berichtete er, dass dort schon seit 20Jahren eine immer größere Flexibilität mit Öffnungszeiten von 7 bis 17 Uhr praktiziert wird.

Er warnte jedoch davor, dass auch angesichts der Verlängerung von Arbeitszeiten im Handel die reine „Verwahrfunktion” in den Vordergrund rücke. Das Angebot müsse weiter einen zielgerichteten pädagogischen Anspruch im Sinne einer adäquaten Förderung erfüllen. Man könne jedoch nicht nur fordern, ohne zu bezahlen.

Dass dies nicht für alle selbstverständlich ist, belegt eine Zahl der vorgestellten Umfrageergebnisse: Immerhin elf Prozent der befragten Eltern lehnten Zusatzkosten ab, während sich mehr als 50 Prozent damit einverstanden erklärten.

Die Zahl der Belegungen der Jugendzeltplätze in Birgelen, Süsterseel und Brachelen ging von noch 198 im Jahr 2003 auf 177 im vergangenen Jahr zurück. Während in 2003 insgesamt 6782 Kinder und Jugendliche die Zeltplatzangebote nutzten, sank die Teilnehmerzahl auf 5858. Diese Zahlen nannte Kreisjugendamtsleiter Hans-Jürgen Oehlschläger im Jugendhilfeausschuss. Die Gründe für den Rückgang seien unbekannt.

Ein nachlassendes Interesse verzeichnet das Kreisjugendamt auch bei Maßnahmen der Kinder- und Jugenderholung. Von den zur Verfügung stehenden Mitteln in Höhe von insgesamt 85.000 Euro wurden lediglich 64.530, 20 Euro abgerufen.

Als möglicher Grund wurde der Wegfall der Landesförderung genannt, wodurch die Kosten für die einzelnen Teilnehmer trotz der Kreisförderung höher geworden seien. Insgesamt fanden im Vorjahr 63 außerörtliche Maßnahmen mit 1356 Kindern und Jugendlichen statt. Außerdem eine Stadtranderholung mit 42 und 26 Ferienspiele mit 1388 Teilnehmern.