Kreis Heinsberg: „Starke Partner” gehen jetzt in die Offensive

Kreis Heinsberg : „Starke Partner” gehen jetzt in die Offensive

Der sogenannte Pflegebericht, genauer der Bericht zur Qualität in der ambulanten und stationären Pflege des Medizinischen Dienstes der Spitzenverbände der Krankenkassen (MDS) hat bei seiner Veröffentlichung Ende August hohe Wellen geschlagen.

Vor allem zwei Informationen aus der Zusammenfassung des Berichts waren es, die Schlagzeilen machten. Danach waren bei der Dekubitusprophylaxe bei 35,5 Prozent der Bewohner in Pflegeeinrichtungen Defizite festgestellt worden, in puncto Ernährung und Flüssigkeitsversorgung lagen sie bei 34,4 Prozent der Patienten vor.

Dagegen geht das Pflegenetz „Starke Partner”, der Zusammenschluss von acht karitativen Pflegeeinrichtungen im Kreis Heinsberg, jetzt in die Offensive. „Wir haben uns überhaupt nichts vorzuwerfen”, erklärte Bernd Bogert, Leiter des Alten- und Pflegeheims Haus Berg in Brachelen, bei einem Pressegespräch.

„Was der MDS prüft, ist das Maximum”, betonte er. Der Prüfkatalog für den Bericht enthalte rund 800 Fragen. Alleine die Punkte zur Ernährung würden rund 100 Seiten ausmachen. „Es geht gar nicht mehr darum, ob und was unsere Bewohner essen, sondern darum, ob es geplant, durchgeführt und dokumentiert ist.”

Genau beim letzten Begriff sieht er dann auch den wunden Punkt. „Nehmen Sie einen dementen Menschen. Er isst nicht regelmäßig. Bis zu 15 Mal bieten wir ihm das Essen an und haben dies vielleicht einmal nicht dokumentiert. Das ist dann schon ein Mangel!” Alfons Nickels, Geschäftsführer der Franziskusheim gGmbh, fügte hinzu: „Das geht mittlerweile soweit, dass wir beobachten sollen, wie viele Kalorien ein Bewohner zu sich nimmt”; was ihn zu der Frage nach „Sinn oder Wahnsinn” der geforderten Dokumentationsaufgaben bewegt.

Er sei angetreten, Menschen zu helfen, betonte Marcel Ballas, Geschäftsführer Alten- und Pflegeheime St. Josef gGmbH in Waldenrath und Höngen. Er fühle sich durch das generalisierende Urteil in eine Verteidigungsposition gedrängt. Dabei gehe es auch um die in der Pflege tätigen Mitarbeiter der Einrichtungen. Kontrolle sei völlig in Ordnung, auch unerwartet, aber konstruktiv wünscht er sie sich. Es dürfe nicht dazu kommen, dass Motivation in Demotivation umschlage.

Jede Bestimmung für sich sei sicherlich sinnvoll, fasste Gottfried Küppers, Geschäftsführer des Caritasverbandes für die Region Heinsberg, die Diskussion zusammen. Während aber in der freien Wirtschaft ein erhöhter Aufwand mit einem höheren Preis einhergehe, seien in der Pflege die Menschen die Leidtragenden: „Die Zuwendung geht verloren.”

Um da im Rahmen des Möglichen gegenzusteuern, haben sich die acht Pflegeeinrichtungen in der Region vor einem Jahr zum Pflegenetz „Starke Partner” zusammengeschlossen und versuchen, sogenannte Synergieeffekte zu nutzen.

So gibt es zum Beispiel schon einen gemeinsamen Fortbildungskatalog und gemeinsame Aktivitäten in Marketing und Einkauf. Auch in der weiteren Qualitätsentwicklung sind gemeinsame Anstrengungen geplant. „Wir sind allesamt katholische, karitative Einrichtungen und wollen uns damit auch unterscheiden, mehr bieten”, so Küppers. „Unsere Häuser stehen jedem Besucher offen, jederzeit!”

Zum Pflegenetz „Starke Partner” gehören der Caritasverband für die Region Heinsberg, die Alten- und Pflegeheime St.Josef in Waldenrath und Höngen, das Alten- und Pflegeheim Haus Berg in Brachelen und das Christinenstift in Gereonsweiler, das Altenheim St.Lambertus in Hückelhoven, das Marienkloster in Dremmen, das Franziskusheim und das Altenheim Burg Trips in Geilenkirchen, das Katharina-Kasper-Altenheim der Gangelter Einrichtungen sowie das Alten- und Pflegeheim St. Josef Übach.

Die nächste gemeinsame Aktivität ist der „Tag der Demenz”, der am Mittwoch, 12.Dezember, ab 14 Uhr in der Heinsberger Stadthalle stattfindet. Medienpartner des Pflegenetzes ist bei dieser Veranstaltung der Zeitungsverlag Aachen. Unterstützt wird dieser Tag auch von der AOK-Regionaldirektion Heinsberg.

Das Pflegetelefon ist unter Telefon 0800/8081800 rund um die Uhr erreichbar.