Wegberg: Städtische Schwangerschaft verläuft normal

Wegberg : Städtische Schwangerschaft verläuft normal

Es riecht noch etwas streng. Nach Verdünnung, nach Farbe oder nach Kleber. Chemisch einfach.

So richtig kann man sich noch nicht vorstellen, dass bald auf dem Parkett gelacht, gesungen und getanzt wird.

Zu viel ist noch unter Abdeckplane versteckt: Auf dem Boden im Foyer liegt ein Stoff, die Treppen sind in Folie eingepackt, und die Lampen sind mit blauen Müllsäcken verhängt. Doch schon in 38 Tagen wird die Bürgerhalle in Wegberg fertig sein.

Modern ist die Bürgerhalle gehalten, von außen wie von innen. Klare Linien, heimelige Farben. Die Wände sind in verschiedenen Gelbtönen gestrichen, der Fußboden in der Halle ist braun. Das Parkett besteht aus einem „Tropenholz aus Abfall”, erklärt Architekt Michael Dörstelmann.

Zigaretten, Stöckelschuhe oder andere natürlichen Feinde des Holzes können diesem Belag nichts anhaben. Der große Bereich kann etwa sitzende 600 Leute fassen, „bei einer Stehveranstaltung etwa doppelt so viele”.

Die Bühne sei großzügig gehalten, genau 142 Quadratmeter, damit Schauspieler und Künstler ausreichend Platz hätten. „Auf Wunsch der Bürgermeisterin beginnt die Bühne 110 Zentimeter über dem Boden”, erläutert Dörstelmann. Eine Höhe von 90 bis 100 Zentimetern sei normal.

Zwar kann sich Hedwig Klein nicht mehr daran erinnern, aber die Mitglieder des Ausschusses für Städtebau, Umwelt und Verkehr scheinen zufrieden. Hinter der Fläche für die Künstler gibt es drei Bühnenaufgänge, die in zwei Garderoben führen. Daran angeschlossen sind Duschen, WCs und ein Aufenthaltsraum. „Für Tanzgruppen”, erklärt der Technische Beigeordnete Rudolf Fabry den Hintergrund.

Zwei Emporen für Techniker, also Feuerwehrmänner oder Beleuchter, lassen sich durch diesen Künstlerbereich erreichen. Von dort blickt man gerade auf die Bühne.

Eine andere Empore für etwa 100 Personen befindet sich gegenüber. Dort sehen die Betreiber Platz für eine Loge oder für geschlossene Gesellschaften. Eigens dafür wurden in dieser ersten Etage auch Anschlüsse installiert, die eine Theke ermöglichen. Auch können im Obergeschoss Seminare oder Konferenzen in angeschlossenen Räumen abgehalten werden.

Nicht wie vorgesehen eine Anliefer- oder Aufwärmeküche, sondern eine Vollküche, in der Speisen vor Ort zubereitet werden können, liegt genau unter der Empore. „Das ist natürlich für die Wertigkeit der Halle von Vorteil”, schätzt der Architekt ein.

Diese Küche hat zwei Zugänge, einen von der großen Halle und den anderen vom Foyer, so dass kleinere Gesellschaften, die nur das Foyer angemietet haben, auch optimal bewirtet werden können. Zudem befindet sich im Eingangsbereich eine Fläche rechts vom einladenden Haupteingang, die später als Garderobe oder wahlweise auch als Bistro genutzt werden kann.

Noch stören Farbtöpfe, Zementsäcke, Kabel, die aus den Wänden hängen, oder Leitern den Anblick des neuen Kindes der Stadt. Doch einkalkuliert waren schließlich neun Monate, vom ersten Spatenstich Anfang September bis Mitte Mai. „Die Zeit einer normalen Schwangerschaft”, fügt die Bürgermeisterin hinzu. Dann gehe auch die „unendliche Geschichte” der Bürgerhalle zu Ende.