Städteregion: Städteregion will Personalnotstand in den Kitas lindern

Städteregion : Städteregion will Personalnotstand in den Kitas lindern

Angesichts des akuten Mangels an Erzieherinnen und Erziehern redet niemand mehr um den heißen Brei herum. „Eine dauernde, personelle Unterbesetzung führt zu krankheitsbedingten Ausfällen sowie Kündigungen und verschärft das Problem zusätzlich“, schreibt die Verwaltung in einer Vorlage für den städteregionalen Kinder- und Jugendhilfeausschuss und schlägt eine ganze Reihe von Maßnahmen vor, wie der Personalnot in den Kitas — den kommunalen ebenso wie solchen in freier Trägerschaft — zumindest mittelfristig begegnet werden könnte.

Dazu gehört etwa die Aufstockung der Ausbildungsplätze an den beiden Berufskollegs in Aachen und Stolberg sowie der Praktikumsplätze in den Einrichtungen. Eine Lösung für den akuten Notstand gibt es aber wohl nicht. Eltern müssen sich darauf einstellen, dass es immer wieder zu Engpässen kommen kann — in Einzelfällen sogar bis hin zur tageweisen Schließung einer Kita, wie dies in der Eifel in diesem Jahr schon vorgekommen ist. Und sie müssen qualitative Abstriche hinnehmen.

Drastisch schilderte Rolf Schneider vom Caritasverband Eifel, wie es in Kitas manchmal zugeht: „Ich erlebe Sozialassistenten, die rechts und links je ein Baby auf dem Arm haben, und sechs Kleinkinder krabbeln auf dem Boden um sie herum.“ Von Erziehungs- und Bildungsauftrag könne man da nicht mehr reden. „Wir brauchen dringend die Rückendeckung der Jugendämter“, forderte er. Denn viele Eltern machten ihrem Unmut gegenüber den Erzieherinnen Luft, was diese zusätzlich belastet.

Die Qualität der Betreuung leidet nach Auffassung von Nicole Weiden-Luffy (SPD) nicht nur, weil es an Fachkräften mangelt, sondern auch, weil junge Erzieherinnen und Erzieher oder auch Kinderpflegerinnen und -pfleger sowie Sozialassistentinnen und -assistenten „oft nicht bedarfsgerecht ausgebildet sind“. So könnten viele beispielsweise nicht mit den Kindern singen.

„Das klingt banal, aber für kleine Kinder ist das sehr wichtig.“ Manches in der Ausbildung laufe an der Praxis vorbei. „Wir brauchen ja ohnehin schon drei Jahre, bis neue Fachkräfte ausgebildet sind. Wenn die dann nicht auf die richtige Weise ausgebildet wurden, dauert es noch mal ein, zwei Jahre länger, bis sie voll einsatzfähig sind.“ Weiden-Luffy regte an, einen Arbeitskreis mit Praktikerinnen aus den Kitas und Verantwortlichen aus den Kollegs zu gründen, in dem „klar definiert wird, was für die Praxis gebraucht wird“. Denn, das unterstrich auch Ausschussvorsitzender Peter Timmermanns (CDU), „die Qualität darf nicht leiden“.

Der kommissarische Leiter des städteregionalen Jugendamtes, Raimund Lanser, versprach, dass er das Thema mit allen Jugendämtern besprechen werde. Leicht sei es aber nicht, in die Inhalte eines Ausbildungsganges einzugreifen. Auch die Forderung, die Kita-Träger bei Auseinandersetzungen mit Eltern zu unterstützen, werde er in die Runde einbringen.

Kurzfristige Lösungen zur Behebung des Fachkräftemangels gibt es offenkundig nicht. So hat die Städteregion, die für die drei Eifelkommunen sowie Baesweiler zuständig ist, zwar schon mal vorgefühlt, ob aus den belgischen und niederländischen Nachbarregionen Fachkräfte zu bekommen sind. Aber, so Alexander Franzen vom städteregionalen Jugendamt: „Das ist schwierig, weil es keine allgemeine Anerkennung von Berufsabschlüssen gibt. Jeder Einzelne muss von der Bezirksregierung anerkannt werden.“ Mit dem Jobcenter und der Arbeitsagentur wurde ausgelotet, ob Umschulungen oder Qualifizierungsmaßnahmen etwa für Studienabbrecher möglich sind. Ergebnisse gibt es jedoch noch nicht.

Um festzustellen, ob die Aufstockung der Ausbildungsklassen um drei auf zehn künftig überhaupt ausreichen wird, soll bei allen zehn regionsangehörigen Kommunen und den freien Trägern der Bedarf abgefragt werden. Dies insbesondere mit Blick darauf, dass auch in den offenen Ganztagsgrundschulen Erzieherinnen und Erzieher benötigt werden.

Eines scheint gewiss: Das Thema Fachkräftemangel in den Kitas wird alle Beteiligten noch lange beschäftigen. Nicht nur auf städteregionaler Ebene. Denn manches, was die Attraktivität der Erziehungsberufe steigern könnte, ist nur überregional zu regeln.