Hückelhoven: „Stadt muss mit ihren Pfunden wuchern”

Hückelhoven : „Stadt muss mit ihren Pfunden wuchern”

Als neuer Bürgermeister von Hückelhoven ist Bernd Jansen jetzt mehr als 100 Tage im Amt, die „Schonfrist”, die für gewöhnlich eingeräumt wird, ist damit also verstrichen.

Unser Redakteur Norbert Schuldei sprach mit ihm über seine ersten Erfahrungen im Amt und über die nächsten Aufgaben, die er anpacken will.

Die Schonfrist der ersten hundert Tage im neuen Amt ist vorbei.

Jansen: Genau.

Schon angeschossen worden?

Jansen: Nein (lacht), überhaupt nicht. Am ersten Tag nach Ablauf der Frist habe ich auch gedacht: Jetzt kommst du ins Rathaus und dann gehts los. Aber es kam nichts.

Es ist zurzeit sehr ruhig an der politischen Front.

Jansen: Ja, da tut sich nicht viel. Beispielsweise ist der Haushalt ohne große politische Diskussionen verabschiedet worden.

Liegt diese Ruhe womöglich auch daran, dass es nur wenig Entscheidungsspielraum für die Politik gibt, weil kaum Geld da ist, mit dem man gestalten könnte?

Jansen: Das ist sicher so. Aber der neue Rat muss sich auch erst einmal finden. Die Bürgerpartei hat erheblich zugelegt, auch deshalb müssen die Aufgaben neu verteilt werden. Die ersten Ausschüsse haben jetzt mit der Arbeit angefangen. Das alles braucht eine gewisse Einspielzeit. Andererseits ist es sicher richtig, dass angesichts der Kassenlage der Gestaltungsspielraum der Politik allgemein kleiner geworden ist.

Die Auseinandersetzung um das Jugendamt war der letzte große politische Streitfall. Der liegt Jahre zurück.

Jansen: Richtig. Aber das zeichnet die politische Kultur in Hückelhoven inzwischen aus: In den wichtigen Dingen, die die Stadt betreffen, stehen wir zusammen, ich verweise da nur auf den Schulbau. Außerdem beraten wir seitens der Verwaltung mit den Fraktionsvorständen schon im Vorhinein. Auch, um gewisse Dinge bereits im Vorfeld zu klären, wenn Klärungsbedarf besteht.

Die Stadt hat durch ihre ehrgeizigen Schulprojekte viel Geld gebunden.

Jansen: Das ist so. Alle Parteien sehen die Notwendigkeit und haben haben hier den Schwerpunkt für die kommenden Jahre gesetzt. Das Geld, das nur einmal zu vergeben ist, kann man nicht gleich effizient auf mehrere Schwerpunkte verteilen.

Wir haben bis 2009 für die Schulen ein Budget von 60 Millionen Euro. Das ist für eine Stadt mit 40.000 Einwohnern enorm viel. Dass wir das schultern wollen, dafür ist die Akzeptanz quer durch die Fraktionen da. Der Spielraum für andere Dinge wird dadurch natürlich sehr, sehr eng.

Es gibt aber auch Felder, in denen man Akzente setzen kann, die nicht unbedingt mit hohen Kosten verbunden sind.

Jansen: Natürlich. Ich denke da an das weite Feld der Wirtschaftsförderung oder der Stadtentwicklung. Da müssen wir ,Menpower reinstecken und versuchen, Investoren an Land zu ziehen.

Sie haben in Ihrer Neujahrsansprache angedeutet, dass Sie in Gesprächen mit Investoren sind, die auf dem Gelände von Schacht III angesiedelt werden sollen. Von welchen Vorstellungen lassen Sie sich da leiten?

Jansen: Unsere Vorstellung ist, dass wir Ergänzungsmärkte zu dem bereits in der Stadt vorhandenen Angebot dort ansiedeln. Wir möchten da schon noch einen Magneten hinziehen, wie es uns mit dem Media-Markt im HC gelungen ist. Die Überlegungen sind im Gange, es sind bereits Gespräche geführt worden. Aber es ist noch viel zu früh, um hier jetzt schon konkrete Dinge zu nennen.

Können Sie etwas zu der Richtung, in der die Ansiedlungen gehen sollen, sagen?

Jansen: In die verschiedensten Richtungen: Freizeitnutzung ganz sicher, aber auch Einzelhandel und andere Projekte größeren Ausmaßes.

Hückelhoven hat mit dem alten Zechengelände im Gegensatz zu allen anderen Städten im Kreis ja riesige Entfaltungsmöglichkeiten. Das wird mit Argusaugen beobachtet.

Jansen: Das ist so. Ich höre das überall im Kreis, dass in Sachen Innenstadt in Hückelhoven das meiste geschieht.

Und: Wir haben den Riesenvorteil anderen Städten gegenüber, 2200 kostenfreie Parkplätze im Innenstadtbereich anbieten zu können.

Das ist ein Pfund, mit dem sie wuchern werden.

Jansen: Warum auch nicht, das ist ein Standortvorteil. Ich werde im kommenden Monat den Fraktionen das Konzept eines Parkleitsystems für die Stadt vorlegen, das ich als eine meiner ersten Amtshandlungen bei den zuständigen Ämtern in Auftrag gegeben habe.

Der erste Entwurf liegt auf meinem Schreibtisch. Darüber kann dann in Workshops beraten werden, und wenn es gut läuft, kann das System noch in diesem Jahr installiert werden.

Das Freizeitbad wäre auch ein Objekt zur Steigerung der Attraktivität. Es gibt Überlegungen, das Bad zu privatisieren.

Jansen: Das Freizeitbad soll so bleiben, wie es ist. Allerdings sind wir im Haus dabei, ein Konzept zur Attraktivitätssteigerung zu erstellen.

Wegberg ist ein gutes Beispiel.

Jansen: Ganz sicher. Man kann etwas in Richtung Familien unternehmen, oder wir machen mal einen ,Frei-Tag im Freizeitbad, einfach um die Qualitäten des Bades bekannter zu machen. Wir müssen im Bereich Marketing einiges tun, also die Pfunde, die wir haben, noch besser verkaufen als bisher. Es muss die Leute reizen, nach Hückelhoven zu kommen. Eine Arbeitsgruppe in der Verwaltung bereitet das momentan vor.

Wann kann man mit Ergebnissen rechnen?

Jansen: Ich denke, in ein, zwei Monaten werden wir damit an die Öffentlichkeit treten können.