Wegberg: Stadt gegen private Kinderkrippe im Wohngebiet

Wegberg : Stadt gegen private Kinderkrippe im Wohngebiet

Ein wenig „naiv und blauäugig” an die Sache herangegangen zu sein, gibt Sandra Herzberg unumwunden zu. Mit den Stolpersteinen auf dem Weg zur Gründung einer privaten Kinderkrippe hat die Sonderpädagogin schlichtweg nicht gerechnet - und ihrer Ansicht auch nicht rechnen müssen.

Denn schließlich, so Herzberg, habe die Stadt Wegberg und insbesondere Bürgermeisterin Hedwig Klein „massiv um uns geworben”.

Darum sind die Existenzgründerin und ihre Geschäftspartnerin, Diplom-Sozialpädagogin Nadine Hüsmann, umso erstaunter, dass nun gerade im Rathaus Einspruch erhoben wird gegen das Vorhaben, an der Straße „Am Ring” eine Kinderkrippe für acht bis zehn Kleinkinder im Alter zwischen sechs Monaten und drei Jahren zu eröffnen.

Die Auflagen von Landesjugendamt, Gesundheitsamt und Landesunfallkasse habe man allesamt erfüllen können, weist Herzberg auf den anfangs reibungslosen Verlauf der Unternehmung hin.

Nun mache die Verwaltung wider Erwarten einen Rückzieher und verweigere rigoros die beantragte Nutzungsänderung für das angemietete Haus inmitten eines Wohngebietes. Da die Krippe familienähnliche Strukturen bieten will, sagt Herzberg, komme nur ein solches Umfeld in Frage.

Bedarf bestehe zweifelsohne, glaubt sie. „Die Eltern rennen uns die Bude ein.” Geplant war, am 1. April zu eröffnen; seit Februar zahlen die beiden Pädagoginnen Miete für die hergerichteten Räume. Das hoffnungsvoll gestartete Projekt „Zwergenvilla” gerät mit jedem weiteren Tag immer mehr zu einem finanziellen Dilemma. Eigenen Angaben zufolge hat das Duo erhebliche Geldmittel in die Hand genommen für den notwendigen Umbau. Auch die laufenden Betriebskosten schlügen in der Bilanz negativ zu Buche, da es bisher keine Einnahmen gebe.

Falls weiterhin keine Lösung gefunden wird, sieht Herzberg ihre berufliche Existenz gefährdet. „Wir haben das Gefühl, dass man uns am ausgestreckten Arm verhungern lässt.” Leider seien alle Vermittlungsversuche mit der Verwaltung gescheitert.

Eine mögliche Ursache könne die Klageandrohung eines einzelnen Nachbarn gegenüber der Stadt sein, vermuten die beiden Inhaberinnen der Kinderkrippe.

Das hingegen schließt der Technische Beigeordnete Rudolf Fabry aus. In erster Linie müsse die Stadt den Antrag der beiden Existenzgründerinnen deshalb ablehnen, weil der betreffende Bebauungsplan keine gewerbliche Nutzung zulasse. Ein Wohngebiet diene nur dem Wohnen, betont Fabry. Bereits im ersten Gespräch mit Herzberg und Hüsmann habe er darauf hingewiesen, ist sich Fabry keiner Schuld bewusst.

Er zieht folgenden Vergleich: „Sie können den Fahrprüfer nicht verantwortlich machen, wenn sie die Prüfung nicht bestanden, aber schon ein Auto gekauft haben.” Generell stehe er dem Vorhaben allerdings „sehr positiv gegenüber”.