Hilfarth: Springmaus lässt die Lachmuskeln hüpfen

Hilfarth : Springmaus lässt die Lachmuskeln hüpfen

Was wünschen sich die Engelein wohl zur Weihnachtszeit? „Wir wollen Ruhe, einfach nur Ruhe!” - diese in Liedform vorgetragene Interpretation ihres Befindens favorisierten jedenfalls die Springmäuse.

Kurz nach dem wohl definitiven Ende der Grillsaison gastierte das Bonner Improvisationstheater im beinahe vollbesetzten Saal Sodekamp-Dohmen.

Mitgebracht hatten Norbert Frieling, Gilly Alfeo, Silke Vennemann und Ralf Schmitz ihr winterliches Programm „Merry Christmaus 2002”. Frostig ging es jedoch keinesfalls zu.

Denn wer die Spontanakteure kennt, der weiß: Selbst das geforderte Zurufen von ganz unverfänglichen Begriffen entfacht unter dem Quartett ganz unwillkürlich ein Gagfeuerwerk ungeahnten Ausmaßes.

Will man dem unkonventionellen Wirken der Verwandlungskünstler folgen, muss man sich nicht selten auf allerlei Gedankenspiele einlassen. Was würde beispielsweise passieren, wenn die gängigen Fernsehsender sich gleichzeitig der Weihnachtsgeschichte annehmen würden.

Die Springmäuse „zappten” kurzerhand durchs Programm. Und siehe da: Von der Talkshow am Nachmittag (Thema: Ich bin schwanger und weiß nicht, warum) über die Tagesschau bis hin zur jecken Karnevalsübertragung („Unbefleckte Empfängnis Alaaf!”) ließen sie kein Erfolgsformat außer Acht.

Darüber hinaus erzählten die unberechenbaren Vier den Heiligen Abend aus der Sicht des Esels, und zwar im ständigen Wechsel und unter erschwerten Bedingungen.

Wer sich bei der rasend schnellen Improvisation versprach oder hängen blieb, wurde von den Zuschauern genüsslich mit folgenden Worten abgestraft: „Und tschüss...”

Nebenbei glänzte das quirlige Ensemble durch die leidenschaftliche Darbietung ekstatischer Geisteslyrik. Hier eine Kostprobe: „Am Weihnachtsbäume, da hängt ne Pflaume, die will ich kriegen, da geht sie fliegen.”

Selbstverständlich hatten die Springmäuse auch wieder großartige Sketche im Gepäck. Zum Beispiel versuchte die gute Frau Wischerath unter Mithilfe eines Geisterbeschwörers, jenseitigen Kontakt mit ihrem toten Gatten Karl-Heinz herzustellen.

Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten: „Dat is schön hier. Jutes Wetter, grüne Wiesen und auch viele Kühe.”

Wenig später stellt sich heraus, dass Karl-Heinz als Zuchtbulle wieder geboren wurde - schöne Aussichten also. Herrlich anzuschauen war darüber hinaus Silke Vennemann in der Rolle einer liebeskranken Lisplerin, die ihrem Traummann schweren Herzens den Laufpass gibt.

Das Publikum erlebte außerdem „echte Höhepunkte deutscher Schauspielkunst” und wurde unter anderem Zeuge bei der Entstehung eines neuen Heimatromans mit dem Wunschtitel „Der Doktor und die Fee”.

Keine leichte Aufgabe für die „Leid geplagten” Improvisatoren, doch trugen sie ihr Schicksal mit Fassung.