Heinsberg: Sprache und „Ehre”stören bei Integration

Heinsberg : Sprache und „Ehre”stören bei Integration

Obwohl sie ihren Dienst hinter meterhohen Mauern, verborgen vor den Augen der Öffentlichkeit versehen, erfuhren Leitung und Mitarbeiter der Justizvollzugsanstalt Heinsberg jetzt dennoch großes Lob für die von ihnen geleistete Arbeit.

Die Vollzugskommission des Landes Nordrhein-Westfalen, die in regelmäßigen Abständen die Haftanstalten des Landes besucht, um sich ein Bild vor Ort zu machen, kam durch Sprecher Jan Söffing (FDP) zu dem Schluss: „Es ist eine Vorzeigehaftanstalt, was den Einsatz der Mitarbeiter angeht.”

Im Gegensatz zum Petitionsausschuss, erläuterte Söffing, befasse sich die Vollzugskommission nicht primär mit individuellen Problemen einzelner Häftlinge, sondern mit strukturellen Fragestellungen. Hierzu zählten zum Beispiel generelle Haftbedingungen oder die Gebäudesituation.

„Wir wollen uns als Parlamentarier unterrichten, weil wir auch ein Kontrollorgan des Parlaments sind”, so Söffing. „Wir haben in Heinsberg einen positiven Eindruck gewonnen, auch was die Ausführungen der Fachdienste angeht. Ich glaube, dass in dieser Haftanstalt ein großes Engagement besteht.”

Gespräche mit Häftlingen hätten diesen Eindruck bestätigt. Die Insassen seien keine bloße „Nummer”, sondern fänden für ihre Probleme stets einen persönlichen Ansprechpartner.

Etwa 18.000 Häftlinge sitzen derzeit in den Gefängnissen Nordrhein-Westfalens. Rund 1750 davon sind junge Strafgefangene bis 24 Jahre. 277 dieser jungen Leute sind in der Heinsberger JVA untergebracht, einer von fünf Jugendstrafanstalten in NRW.

Die Resozialisierung der jungen Straftäter, die eine durchschnittliche Verweildauer von neun Monaten in der JVA haben, steht im Mittelpunkt der Bemühungen. Immer wieder versuchen die Heinsberger, dabei neue, erfolgreichere Wege zu beschreiten. Eines dieser Projekte, das beim Besuch der Vollzugskommission das besondere Augenmerk auf sich zog, sind „Vernetzte Integrationshilfen für junge inhaftierte Aussiedler” in Zusammenarbeit mit dem Diakonischen Werk des Evangelischen Kirchenkreises Jülich.

„Das Projekt besteht seit knapp zwei Jahren und zeigt deutlich, dass man auch hier nicht mit Pauschalurteilen arbeiten kann”, äußerte sich Sybille Haussmann, Grünen-Politikerin und Mitglied der Kommission, zuversichtlich über den Erfolg. Wilhelm Kroh, der stellvertretende Anstaltsleiter, bestätigte: „Gewalt und Verweigerung sind bei den eingebundenen jungen Leuten schon deutlich zurückgegangen. Bei vielen Jugendlichen war es zuvor schwierig, sie von der Teilnahme an einer Therapievorbereitung für Drogenabhängige zu überzeugen.” 58 Häftlinge durchlaufen derzeit das Programm.

Die besonderen Probleme dieser Bevölkerungsgruppe, die nicht selten in Straftaten mündeten, hätten vielschichtige Gründe, so Anstaltsleiterin Ingrid Lambertz. „Sprache und Kultur sind ausschlaggebend für die Probleme. Auch das unterschiedliche Wertesystem spielt dabei eine Rolle.”

So zähle beispielsweise eine Ohrfeige bei diesen Jugendlichen noch längst nicht zur Gewalt. Auch die körperliche Züchtigung durch die Eltern werde meist nicht in Frage gestellt. Ein problematischer Ehrbegriff erschwere das Ganze noch.

„Viele haben nie wirklich verarbeitet, dass sie Freunde und Heimat verlassen mussten und dass ihre Zeugnisse hier nichts wert sind”, sieht Haussmann noch einen weiteren Aspekt. „Es wurde nie eine wirkliche Trauerarbeit geleistet.” Die Erkenntnisse aus dem Integrationsprojekt sollen nun in andere Bereiche des Strafvollzugs übertragen werden.

Neben den bestehenden Programmen denkt die JVA Heinsberg aber schon über eine weitere Initiative nach. Sie soll sich ab nächstem Jahr vor allem mit der speziellen Situation besonders junger, 14 bis 16 Jahre alter Häftlinge befassen.