Kreis Heinsberg: SPD kürt zwei Kandidaten für Landtagswahl

Kreis Heinsberg : SPD kürt zwei Kandidaten für Landtagswahl

Der Ort ist nicht zufällig gewählt. Das Umsiedlungsdorf Borschemich (neu) befindet sich im Braunkohleabbaugebiet und ist eines der letzten Dörfer, das der Kohle weichen und sich nun neu erfinden muss. Hier, in der Mehrzweckhalle, wählte der SPD-Kreisverband Heinsberg die Kandidaten für die kommende Landtagswahl 2017.

„Es geht um gute Kandidaten für einen fulminanten Wahlkampf“, stimmte Bundestagsabgeordneter und SPD-Kreisvorsitzender Norbert Spinrath die 49 Delegierten auf die kommende Wahlkampfzeit ein. Doch noch bevor die Kandidaten Gelegenheit erhielten, sich der Konferenz vorzustellen, kritisierten Ulla Meurer und Herbert Fibus die Wahl.

Die Kandidaten seien im Südkreis nicht vorgestellt worden — von einem unfairen und undemokratischen Prozess war die Rede. Norbert Spinrath wies die Anschuldigung zurück und entgegnete: „Wir haben das genauso gemacht, wie es die Parteistatuten vorschreiben.“

Zur Wahl stellten sich im Südkreis Christoph Grundmann und Dr. Hans Josef Voßenkaul. Im Nordkreis trat Einzelkandidat Ralf Derichs an. Der Industriekaufmann und Psychotherapeut Voßenkaul hielt eine sehr persönliche Rede, er sprach von Freiheit, Solidarität und Gerechtigkeit, innerer Sicherheit, Integration, Steuerpolitik und dem Gewerbegebiet Lindern. Die Delegierten wählten jedoch den 36-jährigen Christoph Grundmann mit 29 zu 17 Stimmen bei drei Enthaltungen zum Landtagskandidaten.

Grundmann ist 1998 in die SPD eingetreten, war einige Jahre Vorsitzender der Jusos-AG Geilenkirchen, ist heute Fraktionsvorsitzender der SPD Geilenkirchen. Er steht für einen Generationswechsel in der SPD, einem Miteinander von Jung und Alt, einem besseren Miteinander der Ortsvereine. Seine politischen Schwerpunkte liegen auf dem Industriegebiet Lindern, der Ortsumgehung Scherpenseel, dem konsequenten Ausbau von Glasfaser.

In Fragen der Flüchtlingspolitik plädiert er für den dringenden Einsatz von Integrationshelfern. Grundmann ist beruflich in der Erwachsenenbildung tätig, unterrichtet Deutsch als Fremdsprache. Er ist Verfechter des G9-Abiturs, auch der Ausbau der Schulsozialarbeit und der Kitaplätze stehen auf seiner Agenda. Ihm schwebt ein Tourismuskonzept mit einem Ausbau von Radwegen über das Kreisgebiet hinaus vor.

Derichs einstimmig gewählt

Große Zustimmung erhielt Ralf Derichs in der Wahl für den Landtagskandidaten im Nordkreis. Er wurde mit 49 von 49 Stimmen gewählt. Derichs, Vorsitzender der SPD-Kreistagsfraktion, ist 1980 aus persönlichen Gründen in die Partei eingetreten, ein Schüler-BAföG ermöglichte ihm das Abitur. Heute ist er im Ministerium für Inneres und Kommunales im Bereich des Flüchtlingsmanagement tätig.

Im Land habe sich viel Positives getan, sagte Derichs in seiner Vorstellungsrede und zählte die Verbesserungen auf. Die Zahl der Gesamtschulen habe sich erhöht, der Ganztag und die frühkindliche Bildung wurden ausgebaut, es seien mehr Polizisten eingestellt worden. NRW sei ein starker Wirtschaftsstandort und ein Integrationsland.

Von der Stärke des Landes könnte der Kreis Heinsberg aber mehr profitieren, sagte Derichs. „Wir sollten aufhören den Kreis als ländliche Region zu sehen“, fügte er hinzu.