Ratheim: SOS bedeutet einfach Schule ohne Schulleiter

Ratheim : SOS bedeutet einfach Schule ohne Schulleiter

„Verzweifelte” SOS-Signale wurden am Freitag in der Realschule abgegeben.

Der Grund: „Kapitän” Ferdinand Küpper-Jacobs verließ für immer das Schulschiff, jene „abgetakelte Fregatte kurz vor ihrem Umbau zum leistungsfähigen Frachter oder gar zum luxuriösen Kreuzfahrtschiff”, wie die Vorsitzende des Lehrerrates, Inge Hellmann, bei der Verabschiedung des Rektors im Hinblick auf die Sanierungspläne der Stadt eher scherzhaft anmerkte.

SOS bedeutete angesichts dieses schmerzlichen Verlustes auch nicht „save our souls”, sondern in diesem Fall „Schule ohne Schulleiter”. Diesen zieht es nach Stolberg, wo er als neuer Leiter der Realschule tätig sein wird.

Vergebliche Rettungsversuche

Die vereinten „Rettungsversuche” von Lehrer- und Schülerschaft waren also von Beginn an vergebens. Nichtsdestotrotz bekam der scheidende Rektor einen „Rettungsreifen” für besonders brenzlige Situationen geschenkt. „Die Entscheidung ist getroffen”, stellte er nicht ohne Bedauern fest. „Sie tut weh.”

Viele Ideen, Visionen und Projekte habe er mit dem Kollegium entwickeln können sowie darüber hinaus stürmische Veränderungen durchgestanden. „Manchmal träumten wir zusammen vom Traumschiff. Überall da, wo die Vision auf Resonanz gestoßen ist, durfte ich mit Ihnen erleben, wie wir an unseren Träumen wuchsen.”

Für seine nächste „große Fahrt” in Stolberg sei er also bestens gerüstet. Stets habe er in den vergangenen acht Jahren eine Leitlinie zu beachten versucht, berichtete Küpper-Jacobs: „Handle stets so, dass du die Anzahl der Möglichkeiten erweiterst.”

Dem engagierten Lehrer sei es immer ein Anliegen gewesen, auf die Herausforderungen der sich entwickelnden Informations- und Wissensgesellschaft zu reagieren, lobte Bernd Jansen, der stellvertretende Bürgermeister.

Damit habe er zugleich ein altes Bildungsideal aufgegriffen: „Die Aufgabe, die Schülerinnen und Schüler mit Rüstzeug zu versehen, damit sie sich in ihrem künftigen Leben gut behaupten können.”

Konrektorin Angelika Lafos nutze die Verabschiedung zu einem ebenso kurzen wie aussagekräftigen Rückblick: Seit 1994, als Küpper-Jacobs nach Ratheim kam, sei die Realschule von 530 Schülern in 19 Klassen auf 810 Schüler in 28 Klassen angewachsen.

Das heute 50-köpfige Kollegium habe sich um fast 20 Lehrer vergrößert. „Das Fundament ist gelegt”, so Lafos zuversichtlich. „Andere werden weitermachen.”

Genauso nette Schüler in Stolberg?

Die Schülersprecherin Sarah Köhnecke hoffte, dass der Pädagoge in Stolberg auf genauso nette Schüler treffe - dies wagte sie jedoch zu bezweifeln.

Der Vorsitzende des Fördervereins, Roland Meintz, überreichte dem begeisterten Radfahrer einen Rucksack mit allen wichtigen Hilfsmitteln, die das Überleben garantieren - zum Beispiel ein Miniradio, eine Thermoskanne oder einen aufblasbaren Globus zwecks hinreichender Orientierung.

Vom stellvertretenden Bürgermeister gabs eine Krawatte mit dem Wappen von Hückelhoven. „Damit Sie auch in Stolberg unsere Stadt repräsentieren können.” Zur Auflockerung der Atmos- phäre trugen der Schülerchor unter der Leitung von Olaf Staecker bei sowie Mädchen und Jungen der Klasse 6b, die eine Tanzvorführung einstudiert hatten.

Ein musikalisches Zwischenspiel gaben Sabine Meyer-zum-Farwig (Klarinette) und Olaf Staecker (Klavier). Am Ende sang der Lehrerchor wehmütig: „Der Chef will uns verlassen.” Und das tat er dann auch...