Erkelenz-Hetzerath: Sommer-Kunstakademie: Die idyllische Fassade bröckelt

Erkelenz-Hetzerath : Sommer-Kunstakademie: Die idyllische Fassade bröckelt

Da schwingt schon ein Hauch von Wehmut in der Stimme mit: „Das ist hier nicht mehr ganz so idyllisch, wie es einmal war.” Peter Valentiner kann das beurteilen, er ist Initiator der Sommer-Kunstakademie auf Haus Hohenbusch.

Vor 20 Jahren hat Valentiner seiner sicher auch lukrativen Idee Leben eingehaucht: Als gestandener Künstler seine Erfahrung, sein Wissen, auch sein Können an Laien weiterzugeben, die in ihrer Freizeit zumindest ein bisschen Künstler sein wollen.

Er selbst lehrt in den sommerlichen Tagen, an denen die alten Gemäuer des ehemaligen Kreuzherrenklosters bei Hetzerath zu einer Kunstwerkstatt werden, Freie Malerei. Menschen, die ihre freie Zeit - oft ist es die Leere nach dem Erwachsenwerden der Kinder - sinnvoll füllen wollen, ihnen Anregungen zu geben, die Grundlagen für ein neues Hobby mitzugeben ist das Anliegen der Sommer-Kunstakademie. Es fällt auf, dass deutlich weniger Männer als Frauen die verschiedenen Kurse besuchen. Wie auch immer: Valentiners Sommer-Kunstakademie ist inzwischen ein fester Bestandteil im kulturellen Leben der Stadt Erkelenz geworden.

„In diesem Jahr ist allerdings die Zahl der Anmeldungen ein wenig zurück gegangen”, sagt er. Aber rund 180 Teilnehmer sind auch diesmal zwischen dem 30 Juni und dem 28. August wieder dabei. Und die kommen aus allen Teilen Deutschlands, um sich in den verschiedenen Kursen künstlerisch weiterzubilden.

Mathieu Hell beispielsweise kommt aus Hellental in der Eifel. Er hat sich für zwei Wochen in einer Pension in Golkrath eingenistet, um sich tagsüber in Hohenbusch vor die Palette zu setzen und mit Pinsel und Acrylfarben zu arbeiten. Wie viele Teilnehmer der Akademie ist Mathieu Hell sozusagen Wiederholungstäter. „Ich bin schon zum dritten Mal hier. Aber man lernt immer wieder neue Techniken kennen.” Über das Internet ist er in der Eifel auf die Veranstaltung am Örtchen in der Erkelenzer Börde gestoßen. „Ich habe in Aachen Design studiert und arbeite heute als Orgelbauer.” Da ist also schon von Berufs wegen ein künstlerischer Draht vorhanden.

Im Gegensatz zu Mathieu Hell braucht Sigrid Kronenberg keine Pension, um nach der täglichen Arbeit an der Leinwand ihre Nachtruhe zu finden: Sie wohnt in Wegberg. „Ich bin jetzt schon das sechste - oder ist es das siebte Mal hier, ich weiß es gar nicht mehr so genau”, sagt sie. Die Sommer-Kunstakademie scheint einen gewissen Sucht-Faktor in sich zu tragen.

Für sie sind die Sommertage auf Hohenbusch wie Urlaub: „Hier stört mich keiner, und es klingelt auch kein Telefon.” Auch Sigrid Kronenberg ist wie Mathieu Hell vorbelastet, sie hat bis zu ihrer Versetzung in den Vorruhestand vor sieben Jahren textile Gestaltung im Schuldienst unterrichtet. „Hier kann ich meinen Gestaltungsdrang selbst ausleben, früher habe ich andere malen lassen.” Das Foto des Enkelkindes dient ihr als Vorlage für das große Bild mit Acrylfarben. Die Schattenpartien stimmen noch nicht so ganz; Peter Valentiner macht sie darauf aufmerksam und deutet mit der Hand an, wo noch ein wenig Schwarz hinzugefügt werden müsste.

Was meinte Peter Valentiner, als er sagte, es sei hier nicht mehr so idyllisch wie es einmal war? Die Teilnehmer der Akademie genießen doch die Ruhe, in der sie arbeiten können. „Ja, jetzt ist es gerade ruhig. Aber durch die Museumsaktivitäten auf Haus Hohenbusch werden wir doch ziemlich eingeschränkt.” Beim Blick aus den hohen Fenstern sieht man, wie sich die knorrigen Eichen auf dem Gelände des ehemaligen Klosters im Wind wiegen, schwarze Wolken fliegen vorüber. Ein Gewitter braut sich zusammen.