Karken: „Simcha”: Herz, Disziplin, kräftige Stimmen

Karken : „Simcha”: Herz, Disziplin, kräftige Stimmen

Mit Bewunderung und Beifall überhäuft wurde der zur Zeit auf Europatour weilende weißrussische Jugendchor „Simcha” (Freude) aus Minsk, der Belgien, Holland und Deutschland bereist und Benefizkonzerte zugunsten der Tschernobyl-Opfer gibt.

Die Karkener bedachten ihn mit einer großzügigen Spende von 2400 Euro, die der Vorsitzende des Instrumentalvereins, Ludwig Schieren, Managerin Irina Slepovitch überreichte.

Die Besucherzahl hielt sich in Grenzen. Dabei übertrafen die halbprofessionellen Leistungen nahezu alle Erwartungen, die man üblicherweise an ein jugendliches Ensemble mit Mitgliedern zwischen 13 und 20 Jahren stellt.

Der Chor mit 13 Sängerinnen, weiß gewandet wie Engel, und 9 Instrumentalisten beeindruckte schon in vielen Ländern. Zum elften Mal befindet er sich derzeit auf Tour, und immer geht es dabei um Hilfe und Unterstützung der Notleidenden in der Heimat.

In dieser Zeit hat er sich im Westen viele Freunde erworben, wie den Meersener Jack Willems, der die Tour organisiert und sich in Minsk selbst davon überzeugt, dass das Geld in die richtigen Hände kommt. Leider wurden die für England geplanten Konzerte von dort abgesagt.

Energie und Lebensfreude

In Karken hat „Simcha” viele Anhänger gefunden, die das Können, den Einsatz, die Lebensfreude und die Disziplin mit Staunen registrierten. Heraus ragten „Leadsängerin” Katja (gerade 15 Jahre), der Teufelsklarinettist und Orchesterleiter Dimitri Slepovitch und Dirigentin Lizaveta Khaskina, ein einziges Energiebündel.

Hitze und Enge des Raumes schienen die Akteure am späten Sonntagnachmittag nicht anzufechten. Sie sangen, spielten und tanzten wie aufgedreht und dennoch mit Maß und Kultur. Im Westen gibt es kaum Vergleichbares.

Dabei sind die Akteuere, jüdischen beziehungsweise katholischen Glaubens, daheim nicht auf Rosen gebettet, sehen sich nach Worten von Jack Willems diktatorischen Verhältnissen ausgesetzt.

Ausflüge in die Folklore

Kein Wunder, dass sie diesem Zustand programmatisch zu entfliehen suchen. Von besonderer Bedeutung waren dabei der gesangliche Beitrag aus den 30-er Jahren (gegen Antisemitismus und Rassismus) des Franzosen Georges Migot und die Chichester-Psalms von Leonard Bernstein mit der Stimmung altjüdischer Tempelmusik.

azwischen gab es Ausflüge in die Folklore, am Schluss gar ein aktionsgeladenes amüsantes russisches Musicalstück über ein Hochzeitsfest. Dabei wirkten Dirigentin und Managerin selbst mit. Die Beiträge, zumeist von Lizaveta Khaskina maßgeschneidert, wichen erheblich von westlichen Formen ab. Die Gastfreundschaft gebot es, auch deutsch zu singen, obwohl das im Gegensatz zum Englischen schwer über die Lippen kam.

Gesungen wurde mit kräftiger durchdringender Stimme, wie in Russland üblich. Dabei schwangen immer Herz und Gefühl mit. Den außerordentlichen Standard erwirbt sich „Simcha” in intensiven Proben, den Sonntag eingeschlossen. Der Nachwuchs wird gefördert und gefordert. Die jungen Menschen standen die Reisestrapazen sowie mehrmalige Auftritte am Tag bewundernswert durch, ohne auch nur den geringsten Missmut zu zeigen.

Bereitwillig gewährte Zugaben waren „Guten Abend” und „Alleluja, sing ein Lied!” Man wünschte sich, dass diese Aufforderung überall von der Jugend verstanden würde.